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Betriebsversammlung bei tkSE – Es geht in die nächste Runde

Die beiden Betriebsversammlungen bei Thyssenkrupp Steel in Duisburg waren gut besucht und viele Kollegen kamen mit einer nachdenklichen Stimmung und vielen Fragen. Sowohl der Bericht des Betriebsrates als auch der des Vorstandes lobten die Einigung über einen Interessenausgleich und Sozialplan zum Sanierungstarifvertrag Stahl. Leider wäre die „Neuaufstellung“ des Stahlbereichs alternativlos und mit schmerzhaften Einschnitten für die Beschäftigten verbunden.

Von einem Korrespondenten
Betriebsversammlung bei tkSE – Es geht in die nächste Runde
Foto: shutterstock_1724545600

Der Vorstand hob hervor, dass man jetzt wieder optimistisch in die Zukunft schauen und mit der Umsetzung beginnen könne. Die Finanzierung sei gesichert“, betonte Vorstand Conze, und eine Insolvenz stehe nicht mehr im Raum. Ein Redner griff die Erpressung an, mit der die Zustimmung der IG-Metall-Mitglieder erzwungen wurde. Er kritisierte auch den Plan, nach dem keine Neuaufstellung, sondern Senkung der Stahlproduktion, Arbeitsverdichtung durch Effizienzmaßnahmen und Arbeitszeitverkürzung ohne Personalausgleich und Ausgliederung ganzer Bereiche passieren sollen. Dafür gab es viel Beifall. Das zeigt, dass die Kollegen alles andere als überzeugt sind und dem Vorstand nicht vertrauen.

 

Sowohl der Vorstand als auch der Betriebsrat setzen darauf, dass der Stahlbereich von Jindal übernommen wird. Sie gehen nach dem Motto „Prinzip Hoffnung“ vor und verkaufen das der Belegschaft als optimistischen Plan, der funktionieren wird. Sie sagten, dass die Sanierung eine wesentliche Vorbedingung für einen möglichen Kauf durch Jindal war. Die Unterschrift der Grundlagenvereinbarung im Konzern wurde erst unterschrieben, nachdem der Betriebsrat als Folge von Lopez’ Erpressung die Verträge unterschrieben hatte.


Gleichzeitig versuchte der neue Arbeitsdirektor, Wilfried von Rath, das Co-Management zwischen Betriebsratsspitze und Vorstand neu zu beleben. Er käme von VW und sieht sich als Vermittler zwischen Vorstand und der Belegschaft. Dafür regte sich keine Hand zum Applaus von derselben. Der Vorstand musste auf die kämpferischen Streikaktionen reagieren und wieder zwei Vorstände auswechseln. Viel Applaus bekam ein Redner dafür, dass er feststellte, dass die Halbwertszeit für Vorstände immer weiter abnimmt, weil sie mit ihren Plänen von der Realität jedes Mal überholt werden. Sie gehen mit hohen Abfindungen, während der Belegschaft „schmerzhafte“ Einschnitte zugemutet werden. So stand der vorherige Arbeitsdirektor Schulte für eine härtere Linie und Grimm hat das Vertrauen mit seinen Märchenstunden verspielt.

 

In den letzten Monaten musste der Vorstand verschiedene Zugeständnisse machen, um die Brisanz vor der Umsetzung ihrer Pläne rauszunehmen. So wurde auf der Versammlung betont, dass die geplante Kürzung der Jubiläumsgelder doch nicht für die unterschriebenen Altersteilzeitverträge gelte. Vor allem die Frage der Jugend, versuchten sie vom Eis zu kriegen. So hat die Jugendvertretung einen kämpferischen Beitrag gehalten und erklärt, dass die Ausbildung bei ThyssenKrupp erhalten werden muss und dass die Produktion und der Liefervertrag mit ThyssenKrupp auch bei ArcelorMittal weiterlaufen weiterlaufen sollten. Ansonsten hätte dies große Folgen für die Jugend, im eh schon verarmten Duisburg und die Spannungen würden zunehmen. Dafür gab es großen Applaus und alle Redner betonten die Bedeutung des Erhalts der Ausbildung und vor allem die unbefristete Übernahme.

 

Eine Delegation von ArcelorMittal konnte sprechen und forderte den Vorstand von ThyssenKrupp auf, die Verhandlung zur Weiterführung der Belieferung mit 750.000 t Rohstahl über 2027 durch ThyssenKrupp hinaus aufzunehmen. Die Vorständin Marie Jaroni versuchte sich herauszureden, dass der Vertrag ja von ArcelorMittal gekündigt worden wäre und dass sie offen für Gespräche seien. Gleichzeitig müssten sie ohne diese Mengen planen und diese seien jetzt in dem neuen Plan nicht vorgesehen, aber sie sei ja zu Gesprächen bereit. 


IG-Metall-Sekretär Carsten Kraus forderte, dass ThyssenKrupp seinen Beitrag dazu leistet, dass bei HKM ein Elektroofen gebaut wird und zumindest 1500 der 3000 Arbeitsplätze erhalten bleiben können. ThyssenKrupp ist allerdings dazu nicht bereit, was sie aber nicht offen auf der Betriebsversammlung zugaben. Hier liegt ein weiterer Sprengstoff. Es wurde deutlich, dass die Stahlarbeiter sich nicht spalten lassen wollen und gemeinsam um die Arbeitsplätze kämpfen.


In der Aussprache griffen kämpferische Redebeiträge die Frage der Jugend und der unbefristeten Übernahme nach der Ausbildung auf. Es wurde deutlich, dass der Kampf bei ThyssenKrupp in eine neue Runde geht und die Kollegen sich besser organisieren müssen. Es wurde weiter deutlich, dass jetzt mit der Umsetzung des Plans, die Kollegen unter Druck gesetzt werden, jegliches Angebot anzunehmen, weil ansonsten doch eine betriebsbedingte Kündigung droht. Die Kolleginnen und Kollegen müssen gemeinsam gegen die Vernichtung von Arbeitsplätzen kämpfen und dürfen sich nicht auf den individuellen Versetzungsterror einlassen. Der Vorstand hat jetzt schon begonnen, Kollegen krankheitsbedingt zu kündigen und eine härtere Linie gegen die Belegschaft zu fahren. Das Ziel, die Unfälle zu reduzieren, hören die Kollegen seit Jahrzehnten; es hat sich aber nichts an wesentlichen Punkten wie Unterbesetzung und ausreichendem Personal geändert. 

 

Der abgemahnte Betriebsrat Markus Stockert hat den Vorstand wiederholt aufgefordert, die Abmahnung zurückzunehmen, und lud die Belegschaft zur Güteverhandlung am 17. Dezember vor dem Arbeitsgericht Duisburg ein. Dafür bekam er viel Zustimmung und mehrere Kollegen sagten zu, zu erscheinen.

 

Das Fazit der Betriebsversammlung ist, dass mit der Unterschrift unter den Verträgen der Kampf in eine neue Runde geht!


Es ist wichtig für die Belegschaft, als Arbeiter zu denken und zu handeln und den Kampf um die Arbeits- und Ausbildungsplätze weiter offensiv zu führen.