Generaldebatte Bundestag
Windkraft – Vorsicht vor faschistischer Hetze und Angstmache!
Die Generaldebatte zum Bundeshaushalt nutzte Alice Weidel (AfD) am Mittwoch, um als Erstes einen radikalen Stopp der „Energiewende“, die Reaktivierung von Atomkraftwerken und die Wiederaufnahme russischer Energieexporte zu fordern. Unterstützung ihres Feldzuges erhält sie aktuell bei „Report 24“.
Genau hinschauen!
Im Artikel „Todesräder? Wie Windkraft zur größten Bedrohung für Natur und Artenvielfalt wurde“ gibt sich der Autor Florian Machl wissenschaftlich und beruft sich demagogisch auf die Fachzeitschrift Nature. Die größte Bedrohung der Natur? Das passt so gar nicht zu dem Bild „der bedingungslosen Suche nach der Wahrheit“, die die Redaktion von „Report 24“ verspricht. (1)
Die größte Bedrohung für Mensch und Natur, die begonnene globale Umweltkatastrophe, die unter anderem das sechste Massensterben der Erdgeschichte ausgelöst hat, gibt es bei ihm nicht. (2) Sie ist eine Gesetzmäßigkeit in der Ökonomie des Imperialismus geworden. Davon wollen Machl und Co. ablenken. Machl arbeitet eng mit der drittgrößten Fraktion im EU-Parlament, den „Patrioten für Europa“, zusammen, ein Bündnis aus faschistoiden und faschistischen Parteien, die jeglichen Umweltschutz blockieren. Im Report 24 wimmelt es nur so von Werbungen für Publikationen der Corona- und Klimaleugner. Vorsicht vor Demagogen!
Hinterhältige Motive der Faschisten
Mit der wahrheitswidrigen Behauptung von der “täglichen Blutspur der Windräder“ will Machl Angst vor erneuerbaren Energien erzeugen, um fossile Technologien reinzuwaschen. So ist für ihn die Explosion der Erdölplattform BP Deepwater Horizon in 2010 ein „einmaliges Ereignis“ bei dem mit 600 000 Seevögeln weniger Vögel getötet worden seien als weltweit Tiere durch Windkraftanlagen. Das ausgeströmte Öl tötete aber nicht nur Vögel, sondern löste eine Katastrophe für die ganze Ökologie des Meeres aus. Von 1950 bis 2025 gab es 107 solche Großereignisse (Tanker-Havarien, Bohrunfälle, Leckagen an Pipelines). Faschisten lügen für die Profite der fossilen Monopole, die rücksichtslos nach Öl und Gas in Naturschutzgebieten bohren und die begonnene globale Umweltkatastrophe verschärfen.
Dialektische Kritik statt faschistische Mythen
Die Wissenschaftler in Nature gehen auf reale Probleme mit der Windkraft ein. Während Machl die kritische Analyse zu faschistischen Mythen verfälscht, kommen sie zu einem völlig anderen Schluss: „Wenn man Windräder nicht in sensitiven Gebieten aufstellt, Wildtiere abschreckt, Windräder niedriger baut, um Schäden zu verhindern und verlorene Lebensräume ersetzt, können die negativen Wirkungen gemildert werden.“
Unter kapitalistischen Verhältnissen sind auch erneuerbare Energien nicht frei von umweltzerstörerischen Auswirkungen u.a. bei der Herstellung und Rohstoffgewinnung. Allein die Neodym-Gewinnung ist mit katastrophaler Umweltverschmutzung und Gesundheitsbeeinträchtigung in China verbunden, der Kampf um Seltene Erden verstärkt die Kriegsgefahr. Kohle-, Öl- und Urangewinnung und ihre Nutzung sind aber nach wie vor viel gefährlicher. Kohle- und Gaskraftwerke pusten Quecksilber, Feinstaub oder Stickoxide raus. Atomkraftwerke produzieren langlebigen hochradioaktiven Müll.
Neue Energien sind in ihrem Wirkungsgrad, ihren Kosten und ihrer Umweltauswirkung fossilen Energien und Atomenergie haushoch überlegen. Der Kampf zur Ablösung der fossilen durch 100 Prozent erneuerbare Energien muss verbunden werden mit dem Kampf gegen den rücksichtslosen Raubbau und Vergeudung der Rohstoffe, für den Schutz der Natur, für neue und menschenwürdige Arbeitsplätze. Niedrigere Energiekosten müssen auf Kosten der Energiemonopole erkämpft werden.
Kampf um erneuerbare Energien und Umweltschutz
Windräder erzeugen auch Infraschall – Schall unter 20 Hz, der für Menschen nicht hörbar ist. Dieser stellt nach aktuellen Stand entgegen der Behauptung der AfD keine Gefahr für die menschliche Gesundheit dar. In jedem Auto ist er viel höher. Wegen Schall, Schattenwurf, Reflexion von Rotoren und Beleuchtung sind die Anwohner rechtzeitig und verpflichtend mit Widerspruchsrecht einzubeziehen.
Täglich sterben europaweit 250 000 Vögel allein durch Vogelschlag durch Fahrzeuge, Freileitungen, Fensterscheiben und Glasfassaden. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) schätzt, dass durch Windräder rund 100 OOO jährlich dazukommen und das Brutverhalten gestört wird. Durch geeignete Standortwahl und technische Lösungen müssen negative Auswirkungen reduziert werden. Zum Schutz für Fledermäuse müssen in der Dämmerung und in Migrationphasen Abschaltzeiten eingehalten werden. Die Auswirkung auf Insektenpopulationen muss in Verbindung mit Pestizidwirkung, intensiver Landwirtschaft, Klima und Urbanisierung erforscht werden. Schutzgebiete wie Nationalparks, Natura-2000 und Naturschutzgebiete dürfen keinesfalls bebaut werden.
Die Abriebmengen an Mikroplastik pro Jahr werden durch die AfD mit Absicht vollkommen übertrieben dargestellt. Es sind 70 bis 1 400 Tonnen. Dagegen liefert schon der Abrieb von Schuhsohlen 9 000 Tonnen und der von Autoreifen 100 000 Tonnen. Neue Materialien müssen erforscht werden.
Im Kapitalismus zerstört das Profitgesetz die Einheit von Mensch und Natur. Wer die Vertiefung der begonnenen globalen Umweltkatastrophe, auch durch die Anwendung fortschrittlicher Technologien unter Wahrung der Einheit von Mensch und Natur verhindern will, muss sich für das Ende der Profitgesellschaft im Sozialismus einsetzen.