Erfurt
Tod am Arbeitsplatz – Amazon-Mitarbeiter stirbt während Schicht - Immenser Druck in der "Black Week"
... unter diesem Titel veröffentlichte die Gewerkschaft ver.di am 26. November 2025 in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen eine Pressemitteilung, aus der wir Auszüge zitieren:
"Ver.di fordert Aufklärung! Am Dienstag, den 17. November, wurde ein Arbeitnehmer des Amazon Fulfilment-Centers in Erfurt-Stotternheim während der laufenden Frühschicht leblos auf der Toilette aufgefunden. Berichten zufolge soll der Beschäftigte vorher vergeblich versucht haben, sich bei seinem Vorgesetzen krank zu melden. Ver.di fordert Amazon auf, die Umstände dieses Todesfalls aufzuklären und die Arbeitsbedingungen am Standort zu verbessern ... .
„Beschäftigte berichten uns von hohen Leistungsanforderungen, Urlaubssperren, fehlendem Lohn bei Krankmeldungen, ständigem Druck bei Unterschreitung willkürlicher Normen. Sie befinden sich zu großen Teilen in befristeten Arbeitsverhältnissen und berichten von Angst vor Arbeitsplatzverlust, wenn sie sich krankmelden oder zu langsam arbeiten", so Matthias Adorf, Gewerkschaftssekretär bei ver.di für den Fachbereich Handel in Thüringen.
Bei Amazon in Erfurt arbeiten mehrheitlich migrantische Beschäftigte, die meisten davon aus ... Syrien, Iran, Afghanistan oder afrikanischen Staaten. Hier treffen Arbeitshetze und Druck auf die Existenzängste der migrantischen Beschäftigten mit oft unsicheren Aufenthaltstiteln. Die Beschäftigten fürchten, dass mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes auch ihr Aufenthaltstitel auf dem Spiel stehen könnte. Amazon nutzt diese Situation ohne Skrupel und moralische Bedenken aus. ... 'Die Arbeitsbedingungen bei Amazon sind für viele, vor allem migrantische Beschäftigte ein toxisches Gemisch aus Angst, Druck und Sanktionen. Die Gewerkschaft ver.di steht an der Seite der Beschäftigten – egal welcher Herkunft. Wir fordern den Arbeitgeber auf, diese Praxis zu beenden' so Adorf weiter."
Die MLPD Erfurt hat Kontakt zu einem ehemaligen Beschäftigten, der dort bei einer Subfirma die Bestellungen ausgefahren hat. Er berichtet: "Es herrschte dort ein immenser Druck, sowohl in der Halle als auch für uns Kurierfahrer. Besonders in der Vorweihnachtszeit und erst recht in der 'Black Week'. Das geht bis hin zu heilig Abend selbst, wo auch noch ausgeliefert wird. Da für uns keine LKW-Lenkzeiten galten, wurde die Arbeitszeit oft enorm ausgedehnt, um alle Päckchen auszufahren. Einmal kamen wir auf 13 Stunden. Viele machen das mit, weil sie Angst haben, den Mund aufzumachen oder ihr Aufenthaltstitel am Arbeitsplatz hängt."