Dokumentiert von der Courage-Webseite
Theoretisches Seminar der Weltfrauenkonferenz - Auftakt mit nepalesischer Zeremonie
Bereits vor 9.00 Uhr wurden Infostände aufgebaut, letzte Stühle kamen in den Saal, die Frauen registrieren sich für die Konferenz. Der Saal füllt sich bis auf den letzten Platz. Mehr als 200 Nepalesinnen und fast 80 aus allen Kontinenten sind registriert. Ein Bus aus Indien trifft später ein.
Durga Paudel, Asienkoordinatorin der Weltfrauenkonferenz und Gastgeberin, eröffnet das Seminar. Sie begrüßt die Frauen aus vielen Ländern, die Visaprobleme überwanden, Flugverspätungen aushielten und weite Wege in Kauf nahmen. Sie spricht über das zentrale Thema des Seminars: Wie besiegen wir den Imperialismus als eine Ursache für die katastrophale Situation auf der Welt mit Kriegen, Umweltkatastrophe, frauenfeindlichen Regimes. Sie rief alle Anwesenden auf, das Seminar gut zu nutzen, damit wir weiterkommen mit der Befreiung der Frau. Sie spricht die schwarzen Berge Nepals an, weil das Eis schmilzt. Und dass manche Frauen noch weiter zurück sind in ihrem Bewusstsein. „Wir müssen sie mitnehmen“, so Durga. Es folgte ein kämpferisches nepalesisches Lied, was von Hoffnung und Zusammenhalt handelte.
Das Seminar kritisiert, dass einer afghanischen Repräsentantin die Ausreise verweigert wurde. Sie hatte hart um Visum und Fluggenehmigung gerungen und wurde im letzten Moment von den Taliban daran gehindert, nach Nepal zu kommen, weil sie ohne Mann reiste. Eine kämpferische Videobotschaft rief die Anwesenden auf, in der Solidarität mit den Frauen in Afghanistan nicht nachzulassen und versprach: „Wir werden weiter kämpfen!“
Dann begann der 1. Themenblock „Sozial-ökologische Transformation – weltweite Verschärfung der doppelten Ausbeutung und Unterdrückung der Masse der Frauen durch die Mensch und Natur deformierende Lebensweise“. Rednerinnen aus Nepal, Togo, Peru, Botswana, der Türkei brachten in ihren Impulsbeiträgen die grassierende Ungleichheit, Gewalt an Frauen, Umwelt, Kriege und wie in allen Ländern Frauen sich organisieren sowie ihre Perspektiven ein.
In der Türkei entwickelte sich nach dem Erdbeben 2023 die Selbstorganisation der Frauen, während staatliche Hilfe ausblieb und große Konzerne ihre Hände bereits für die Profite aus dem Wiederaufbau ausstreckten. Harte Anklagen wurden geführt gegen multinationale Konzerne, die die bäuerliche Landwirtschaft in Peru im Würgegriff halten, die überwiegend von Frauen getragen wird. Die Ursachen für die Situation der Frauen der Welt liegt im kapitalistischen Wirtschaftssystem, das war Konsens.
Es war der Wunsch, dass die internationale Frauenbewegung stärker die internationalen Monopole ins Visier nehmen und die internationale Solidarität gestärkt werden muss. In der Diskussion brachten viele ihre Gedanken zu den angesprochenen Themen ein. Die Umweltfrage lag vielen sehr am Herzen. Aber es wurde auch kritisch eingebracht, dass die Umweltkrise inzwischen in eine weltweite Umweltkatastrophe übergegangen ist, die die Existenz von Mensch und Natur gefährdet.
Eine Nepalesin betonte, dass nach dem Sturz der Monarchie in Nepal viele Reformen angepackt worden sind, Frauen gesellschaftliche Verantwortung und Positionen bekamen, aber vieles nicht umgesetzt wurde. Eine andere Nepalesin forderte, dass auch die Männer Verantwortung für die Befreiung der Frau übernehmen müssen: „Wir brauchen einen Arbeitsplan, wie wir Männern die Befreiung der Frau bewusst machen können.“ Es können hier gar nicht alle Aspekte der spannenden Diskussion Platz finden.
Der vom Jugendverband Rebell organisierte Gaza-Solidaritätsabend war begeisternd! Er begann mit dem Lied „Gaza tonight“, einem niederländischen „RAP against genozide“, einer Theaterperformance aus Nepal und einem Lied auf Nepali, auch für uns verständlich zur Solidarität Nepal-Gaza. Aus vielen Ländern wurde deutlich, welche große Rolle die Solidarität mit Palästina spielt. Auch der Solidaritätspakt der ICOR mit der Al-Awda-Association stieß auf Interesse. Fast niemanden hielt es auf den Stühlen, als zum Abschluss getanzt wurde. Entsprechend den Gepflogenheiten in Nepal endete der Tag pünktlich um 18.00.
Eine Teilnehmerin aus Deutschland, die zum ersten Mal auf einem Event der Weltfrauen anwesend war, resümierte: „Es war unheimlich beeindruckend für mich, welche Kraft, welche Ideen, welche Visionen der Frauen der Welt hier ausgetauscht worden sind. Ich freue mich auf morgen.“