Gescheitertes Großprojekt

Gescheitertes Großprojekt

Stuttgart 21 – von der „Zukunft Deutschlands“ zum Desaster ohne Ende!

Eine ganze Region in der Schockstarre – Stuttgart21 wird doch nicht 2026 fertig, wer hätte an so was auch nur denken können? Der geplante Start soll erneut verschoben werden, auf unbestimmte Zeit.

Von ha/Stuttgart
Stuttgart 21 – von der „Zukunft Deutschlands“ zum Desaster ohne Ende!
Die merkwürdigen Gebilde sind "Lichtpunkte", damit der unterirdische Bahnhof auch ein wenig Tageslicht abbekommt. Wäre man oben geblieben, hätte man sich das sparen können (Unfertiger Bahndhof Stuttgart 21, shutterstock_2695844347)

Wenn man mit der Bahn fährt, weiß man sowieso nicht, wann der Zug ankommt, oder ob er überhaupt ankommt – was soll's also, warum soll es dem geplagten Stuttgart da besser gehen? Statt dass die Fahrgäste in Stuttgart Döner mampfend auf den Bahnsteigen rumsitzen und warten, dürfen sie sich seit Jahren das Fitnessstudio sparen. Wer den europäischen Fernwanderweg zu den Gleisen noch nicht kennt, sollte das nachholen: Nach einem Besuch des Stuttgarter Weihnachtsmarkts kann man auf dem 10-Minuten Spurt zum Zug die rote Wurst wieder abtrainieren. Dafür ist die Fahrzeit nach Ulm jetzt 13 Minuten kürzer - wenn man da hin will, und wenn alles gut geht. Das ist doch 12 Milliarden wert!

S21 - „Das neue Herz Europas?

Was wurde uns nicht alles erzählt in den letzten 18 Jahren: S21 sei „das neue Herz Europas“, „der Bau geschieht unter der Oberfläche, da spürt man nichts davon“, der „modernste und tollste Bahnhof der Welt“, ungeahnte Touristenströme werden nach Stuttgart kommen und das neue Bauwerk bewundern. Mit S21 würde die „Zunkunftsfähigkeit Deutschlands“ entschieden, so die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel, ganz im Sinne des damaligen Porsche-Chefs Wiedeking, der sich im Stuttgarter Wochenblatt am 13. Dezember 2007 ebenfalls dazu äußerte: „Es reicht eben nicht mehr, die besten Maschinen oder Autos zu bauen. Perfekter Service, gute Erreichbarkeit und kurze Lieferwege in die ganze Welt sind heute genauso wichtig wie hervorragende Qualität. Baden-Württemberg konkurriert mit Metropolregionen wie Shanghai, Los Angeles und Mumbai.“

S21 Prestigeobjekt für den angeschlagenen Kapitalismus?

In Wirklichkeit war S21 nie ein Verkehrsprojekt, sondern ein Immobilienprojekt. Es sollte Platz schaffen für Milliarden Investitionen des internationalen Finanzkapitals. Was soll der ICE-Verkehr auch mit Wedekings kurzen Lieferwegen zu tun haben? Vielmehr wollten Angela Merkel, Porsche und Daimler ihren Anspruch auf Deutschland als technisch führende Nation in der Welt behaupten und ihren Anspruch auf Beherrschung der Weltmärkte. Ideologisch-politisch ging es darum, den angeschlagenen Kapitalismus als einziges System zu verankern, welches für Fortschritt und Zukunft steht. Dazu sollte das bescheidene Stuttgart in die Liga der Weltstädte aufsteigen.

Vom Traum zum Albtraum

Heute, 17 Jahre nach Baubeginn, ist aus dem Traum ein Albtraum geworden und man sinniert: Wenn man die Risiken, Komplexität und Schwierigkeiten gekannt hätte, hätte man S21 nie gebaut. Ist das nicht schlicht eine Unverschämtheit? Alle Fehler, Probleme, Risiken, Kostenexplosionen usw. wurden vom Widerstand gegen S21 seit Jahrzehnten angeprangert. Mehrfach wurden Alternativen ausgearbeitet: zunächst unter den Titel „Erneuerter Kopfbahnhof K 21“, der auch zum Ziel hatte, den öffentlichen Nah- und Fernverkehr zu verbessern und ihn schneller werden zu lassen. Dann, als der Bau schon lief und sich das Desaster abzeichnete, das Konzept „Umstieg“ mit sinnvoller Nutzung von gebauten Teilen. Doch die Hauptverantwortlichen von S21 machten die Gegner des Megaprojekts lächerlich, ignorierten ihre Vorschläge oder machten sie auch mit Gewalt nieder.

 

Die ehemaligen Verantwortlichen haben sich vom Acker gemacht, genießen ihre dicken Pensionen, sind gestorben oder sonst wie abhanden gekommen. „Keiner war's“ - ratlos vor dem Desaster und trotzdem verteidigen die bürgerlichen Parteien wie CDU, FDP, SPD und die Grünen das Projekt bis heute und setzen noch einen drauf.

Digitalisierung zu kompliziert?

Aktuell ist wohl die komplizierte Digitalisierung das Problem. Dazu schreibt die FAZ vom 20.11.25: „Technische Schwierigkeiten gibt es am digitalen Knoten Stuttgart schon länger, schließlich ist es ein technisch anspruchsvolles Pilotprojekt, das auf der Welt Ausnahmecharakter hat. Mit ihm wird die gesamte Leit- und Sicherheitstechnik der Bahn im Großraum Stuttgart digitalisiert.“ Dafür soll nun der japanische Konzern Hitachi die Verantwortung tragen. Soll er doch herausfinden, was von den Machern hier wieder in der Praxis nicht richtig bis ins Detail durchdacht wurde. Böse Zungen sprechen inzwischen von Stuttgart 31. Oder: Die Zahl 21 hat nie das Jahr 2021 bedeutet, sondern von jeher, dass S21 noch im 21. Jahrhundert fertig werde. 

Massiver Protest der Stuttgarter Bevölkerung wird ignoriert und angegriffen

Der massive Protest der Stuttgarter und umliegenden Bevölkerung in den folgenden Jahren, der anfangs jeden Donnerstag sich auf den Straßen versammelte, kritisierte vor allem den Engpass S21, den unglaublichen Eingriff in die Natur wie die Folgen für das zweitgrößte Mineralwasservorkommen in Europa, die Frischluftschneise zum Neckartal oder den alten Baumbestand.

MLPD und Rebell an der Seiter der Bevölkerung

Die MLPD stand und steht mit ihrem Jugendverband Rebell im Kampf mit allen besorgten Menschen um eine lebenswerte Zukunft ohne profitgierige Ausbeutung des Menschen und der Natur zur Seite.

Teure Bahnpreise

Konkret sind die Bahnpreise für die allermeisten Familien und für die Geringverdiener sowieso viel zu teuer geworden. Sogar der Preis für das Deutschlandticket wird zum 1. Januar nächsten Jahres wieder um fünf Euro erhöht, die Grundsicherung aber gekürzt.

Für kostenlosen öffentlichen Nahverkehr

Der Kampf gegen die menschheitsbedrohende Klimakatastrophe erfordert dagegen den sinnvollem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, um den massenhaften Umstieg vom Individualverkehr auf öffentliche Verkehrsmittel zu erreichen. Statt staatliche Förderung von Megaprojekten fordert die MLPD den Ausbau eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs auf Basis erneuerbarer Energien.