Von Thüringer Genossen und Kollegen

Von Thüringer Genossen und Kollegen

Gießen gestern: Bericht vom Blockadepunkt Rodheimer Straße/Lahnstraße.

Wir von MLPD und REBELL waren von früh morgens bis ca. 18 Uhr am Blockadepunkt Rodheimer Straße/Lahnstraße, das war neben einer wichtigen Hauptverkehrskreuzung auch eine der wichtigen Brücken hin zur Messehalle.

Korrespondenz

Der DGB Hessen-Thüringen hatte dort eine große Bühne aufgebaut, wo von morgens bis Abends Programm durchweg war. Die Teilnehmerzahl dort schwankte zwischen 500 Menschen und gefühlten 10.000 beim Konzert der antifaschistischen Band Kraftclub. Die ganze Zeit über führten wir Gespräche und es wurden mindestens 150 Rote Fahne Exemplare gegen Spende (im Schnitt 2 Euro) weitergegeben. Auffällig war folgendes:

 

  1. Es waren viele Gießenerinnen und Gießener unter den Teilnehmern! Während die Faschisten versuchten ein Bild zu erzeugen, dass die Stadt sich gegen die gewaltbereiten Linken verbarrikadiert, war es eher so, dass es durch die Mobilisierungsaktionen von Widersetzen im Laufe der Woche gelungen ist, die Stimmung in der Stadt zu drehen.
  2. Der so schädliche Antikommunismus, der in der Vergangenheit immer wieder die antifaschistische Bewegung gelähmt hatte, spielte hier kaum eine Rolle. Die MLPD war selbstverständlicher Teil der Blockade.
  3. Arbeiter prägten das Bild! Viele Fahnen von Gewerkschaftsgliederungen aus der Region waren zu sehen. Es sprachen Vertrauensleute auf der Bühne. So der Gewerkschafter Christopher Tersch, der bei DHL Leipzig gekündigt wurde, weil er die Rüstungstransporte von DHL kritisierte. Er betonte die Verantwortung der Arbeiterklasse im Kampf gegen Faschismus und Krieg und bedankte sich für die Solidarität, die er von verschiedenen Organisationen bekommen hat, darunter auch von Parteien wie der MLPD, DKP oder Linkspartei. Michael Rudolph, Chef des DGB Hessen-Thüringen erinnerte an die historische Rolle der Gewerkschaften im Kampf gegen den Faschismus und forderte ein AfD-Verbot.
  4. Die Stimmung war von früh bis spät kämpferisch-optimistisch. Das Wetter war leider nicht auf unserer Seite mit immer wieder einsetzendem kalten Nieselregen. Davon lies sich niemand beeindrucken, weil jeder wusste, dass es auf jeden ankommt und überall an den mindestens 16 Blockadepunkten die Stellung gehalten werden muss, um klar zu machen: Keinen Fußbreit den Faschisten.
  5. Der Begriff Faschismus durchzog sämtliche Reden. Eine frühere Verharmlosung als "Rechtsextremisten" o.ä. war kaum zu hören.
  6. Es wurde in vielen Reden betont, dass man sich dauerhafter organisieren muss und sich Antifaschismus nicht auf derartige eintägige Sachen beschränken darf. Die Band Kraftclub rief auf: "Als Popband bekommen wir manchmal gesagt, lasst doch die Politik sein. Niemals! Wir sind Antifaschisten und sind stolz darauf! Nach diesem Tag wird es wieder Leute geben die fragen, ob das alles was gebracht hat, wenn sich die AfD Jugend doch gründen konnte. Natürlich hat es was gebracht. Die antifaschistische Community, die Solidarität wurde mit diesem Tag unglaublich gestärkt".

 

Kaputt, aber zufrieden fuhren wir abends nach Hause und werteten den Tag noch beim gemeinsamen Döner-Essen aus.