Stimmen aus Gießen

Stimmen aus Gießen

Demos sind wichtig, reichen aber nicht aus

Nach wie vor harren Tausende in Gießen aus, bei Nieselregen aber bester Laune. Bei den unzähligen Gesprächen mit Demonstranten kommt klar zum Ausdruck: viele wollen mehr als diesen Gründungskongress der neuen AfD-Jugendorganisation zu verhindern. Die Krisen des Kapitalismus werfen ganz grundsätzlich auf, in welchem System wir leben wollen! Viele stehen positiv zum Sozialismus.

Von einer Korrespondentin

Ca. 200 Rote Fahne Magazine wurden allein an der Blockade der Brücke an der Gabelsbergerstraße verkauft. Ein schlagendes Argument war, dass wir selbst bessere Argumente entwickeln müssen und die Demagogie der AfD durchschauen, um zu überzeugen. Auch Bücher der Reihe „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und die Lehre von der Denkweise“ wurde in dem Zusammenhang verkauft. Dabei musste allerdings erst die Auffassung „Ich kenn mich aus, ich brauche das nicht“ durchbrochen werden.


Der Jugendverband Rebell ging mit der Aufforderung „Organisiert euch!“ unter die Jugendlichen. Die Demos sind wichtig, aber sie reichen nicht aus, die faschistische Gefahr zu bekämpfen. Wer von der AfD beeinflusst ist, kommt nicht zu solchen Protesten – aber genau an die Leute müssen wir ran und das geht nur organisiert. Das wurde oft mit nachdenklichem Nicken aufgenommen. Immer wieder auf Begeisterung stießen dabei die Gaza-AGs des Rebell. „Cool, dass ihr das macht!“ Sich allerdings selbst gleich einzutragen und mitzumachen, war noch eine Hürde. Dennoch kann der Rebell sich schon bereit machen, in Gießen die nächste Gaza-AG aufzubauen. Die Palästinabewegung war selbstverständlicher Bestandteil des Protests auch bei den Kurzreden, mit Spendensammlung für das Al-Awda Krankenhaus und in Liedern und Tänzen.


Auf die Frage an Gießener Studierende „Seid ihr zufrieden mit Gießen heute?“ sagte einer: „Mit den Leuten schon, aber mit der Stadt nicht. Es ist ein Unding, dass diese AfD-Veranstaltung hier durchgeboxt wird von der Stadt.“ Besonders aus Gießen, Frankfurt und Marburg waren viele auf die Straße gekommen. Es gibt auch einen breiten Konsens für die Forderung „Verbot der AfD“.


Die Einheit von Umweltkampf und antifaschistischen Kampf war wichtig in Gesprächen. Dass die faschistischen Klimaleugner und ihre verheerende Umweltpolitik bekämpft werden müssen, wenn man die natürlichen Lebensgrundlagen retten will, war vielen klar.


Nach wie vor ist die große Solidarität unter den Demo-Teilnehmerinnen und -Teilnehmern begeisternd – über Partei- und Organisationsgrenzen hinweg wird hier gekämpft, sich gegenseitig geholfen und ausgelassen Halal getanzt.