Waiblingen
Bosch-Aktionstag: 2000 auf der Straße
Ein Korrespondent berichtet über den Aktionstag bei Bosch in Waiblingen:
In der Presse wird die Teilnehmerzahl kleiner angegeben, als sie war. Erwartet wurden 1000, gekommen sind unseres Erachtens 2000. Die Printmedien in der Region kommen nicht umhin, positiv zu berichten, verknüpfen dies aber mit der Botschaft "Appelle an die Vernunft von Bosch und an die Verantwortung der Regierung" Die Waiblinger Kreiszeitung (ZVW) berichtete von einer beeindruckenden Demonstration mit über 1000 Teilnehmern, darunter Beschäftigte, ehemalige Mitarbeiter und Gewerkschafter. Die Stimmung sei wütend und entschlossen gewesen, mit Slogans wie „Hört auf mit dem Irrsinn!“ und „Bosch ist geile Firma, aber …“. Die Berichterstattung betonte die regionale Bedeutung des Werks und die Sorge um die Zukunft der Region.
Das ist bestenfalls sehr oberflächlich:
Der Aktionstag in Waiblingen wurde von der kämpferischen Basis vorbereitet und organisiert. Beteiligt waren viele Initiativen und Parteien. Der Kulturladen Schlotterbeck in Waiblingen, die MLPD. DKP, Rentner von der AGA WN (AußerGewerkschaftlich Arbeit), Boschler for Future Esslingen, IAC, die IG Metall Esslingen und Waiblingen und die kämpferischen Mercedes-Vertrauensleute, Metaller Treff Stuttgart ...
Zeitgleich hatten die Bezirksleitung der IG Metall und die Bosch-GBR, vorne dran Sell aus Feuerbach, zu verschiedenen dezentralen Aktionen mobilisiert. Meine alten SPD-Kollegen haben dies scharf kritisiert. Das hat die Kräfte etwas aufgespalten. Kämpferische Kollegen hatten städteübergreifend nach Waiblingen mobilisiert.
Der Reformismus verharrt im alten Schema: echte Kämpfe verhindern, verhandeln, und dem dient der Druck auf der Straße. Alle Aktionen sollen offiziell so gemacht werden. Ja nicht in die Offensive gehen.
In dieser Zeit wurden Arbeitsplatzvernichtung und z. T. Schließungsvereinbarungen verhandelt und abgeschlossen in Schwäbisch Gmünd, Sebnitz, Leinfelden usw. Auch in Waiblingen waren gestern im Anschluss an den Aktionstag bereits weitere Verhandlungen angesetzt. Wichtig ist nun folgendes: In Waiblingen trafen die mehrheitlich kämpferischen Initiativen und Kolleginnen und Kollegen auf eine zwiespältige Kundgebung. Auf der Demo wurde die Szene beherrscht von den Transparenten, die sich für Streik und echte Gegenwehr aussprachen. Trotzdem muss man klar sagen, dass wir kämpferischen Kollegen noch zu bescheiden aufgetreten sind. Hier gibt es deutlich Luft nach oben. Gut waren die unzähligen Gespräche und geknüpften Kontakte. Die Kundgebung begann kämpferisch, wurde dann überlagert von den Appellen der Bezirksleitung, GBR und IG-Metall-Konzernbetreuern. Der Applaus der Kollegen ließ deutlich nach. In unserem Umfeld wurden die Aussagen von Sell „Wir kämpfen bis aufs Blut" und verhandeln, als peinlich aufgefasst. Z.T. gab es richtig Unmut und Zwischenrufe.
Erst als die Waiblinger wieder das Wort ergriffen, setzte sich die kämpferische Stimmung der Basis wieder auf der Bühne durch.
In seiner Abschlussrede sagte Stefano Mazzei:
„Wir sind hier, um für unsere Arbeitsplätze und unsere Zukunft zu kämpfen. Die Unterstützung, die wir von vielen Seiten erhalten, ist unschätzbar. Besonders möchte ich mich beim Kulturladen Schlotterbeck bedanken. Sie haben uns nicht nur Räume zur Verfügung gestellt, sondern auch ihre Stimme für unsere Sache erhoben. Ihre Solidarität und ihr Engagement sind ein wichtiger Teil unseres Widerstands. Ohne solche Unterstützer wäre es viel schwieriger, unsere Forderungen laut und deutlich zu machen. Wir danken euch für eure Hilfe und eure Bereitschaft, für uns da zu sein.“
'
Wir freuen uns schon auf die Teilnehmer und Teilnehmerinnen der 3. IAC-Konferenz und ihre Berichte aus erster Hand. Spätestens seit Waiblingen ist das Thema Streik und Streikrecht auch in der Region zum Top-Thema geworden. Kein Kampf darf mehr alleine stehen. Die Frage, wie, wofür und wer es macht, wird auch in unserer Region immer breiter, aber auch kontrovers diskutiert. Ja klar, alles, was wir tun, muss zuerst durch unseren Kopf.
Glück auf