Jindal war da
Bei TKSE – künftig das Gesetz des Dschungels?
Anfang Oktober hat Naveen Jindal, Chef des indischen Stahlkonzerns „Jindal Steel and Power Limited“ (1), NRW besucht. Unter anderem hat er sich dabei einzelne Anlagen und Werke von TKSE angeschaut und in Düsseldorf mit Ministerpräsident Wüst gesprochen.
Seit Wochen prüfen Vertreter von Jindal die Produktionsanlagen, das Personal und die Dienstleistungen in den einzelnen Betrieben auf ihre wirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Verhältnisse. Das alles dient der Abschätzung des Risikos für Jindal bei einem Kauf. Es ist durchaus möglich, dass Jindal bereits zum Jahresende bzw. Januar ein konkretes Angebot macht.
Ob der Verkauf gelingt, darüber entscheiden nicht allein wirtschaftliche Faktoren. Denn angesichts der Krise der Neuorganisation der internationalen Produktion ist es ein politische Entscheidung. Das Industriemagazin vom 24.9. schreibt dazu: „Denn für Deutschland und Europa stellt sich die Frage, ob man ein Herzstück einer strategischen Schlüsselindustrie einem Player aus Übersee überlässt.“
Offensichtlich schließt die Prüfung der Bücher auch die Prüfung des „Sanierungskonzeptes“ zur Arbeitsplatzvernichtung und Neuausrichtung des Stahlkonzerns von Lopez und Rußwurm mit ein. Mit anderen Worten, Jindal stellt bei den Verhandlungen die Bedingungen. Für die Kolleginnen und Kollegen kann dies unter Umständen bedeuten, dass es zu weiteren Angriffen auf ihre Arbeitsplätze, Löhne und Arbeitsbedingungen kommen kann. Es gibt wichtige Hinweise auf diese Möglichkeit!
Jindal drängt auf eine zügige Umsetzung der „Sanierungs“-Maßnahmen. Die WAZ vom 25.11. berichtet von einem Podcast Jindals, das sehr viel über seine Denkweise aussagt. Dort legt Jindal unter anderem seine persönlichen Einstellungen offen. "Die Welt ist ein sehr wettbewerbsorientierter Ort, und nur die Stärksten überleben. Das ist das Gesetz des Dschungels, richtig?“
Übertragen auf die Wirtschaft und das Betriebsklima heißt dies: Jede und Jeder muss bereit sein, sich bis aufs Letzte für die Wettbewerbsfähigkeit von TKSE zu zerreißen, auch wenn es auf Kosten anderer Kollegen geht. Mit dem Ziel, andere Unternehmen auszustechen, um an die Spitze zu kommen. Und da ist sie wieder, die Effizienz, mit weniger Leuten mehr leisten! Das Gesetz des Dschungels heißt fressen oder gefressen werden.
Jindal ist außerdem noch in der faschistischen Hindupartei von Premierminister Narendra Modi aktiv. Die Modi-Regierung hat am 23.11. vier neue Arbeitsgesetze in Kraft gesetzt, deren Umsetzung fünf Jahre lang von den Gewerkschaften durch mehrere Generalstreiks verhindert worden war. Das „Centre of Indian Trade Unions“ (CITU), einer der größten Gewerkschaftsverbände des Landes, erklärte, dass die »Gesetze ein Instrument der unternehmensorientierten Deregulierung des Arbeitsmarktes sind, die darauf abzielt, die Arbeitsplatzsicherheit zu zerstören, das Streikrecht zu unterdrücken, die Arbeitsaufsicht abzubauen, Vertragsarbeit und befristete Beschäftigungsverhältnisse auszuweiten sowie Gewerkschaften und Tarifverhandlungen zu schwächen«. Gut zu wissen, wo Jindal politisch steht! Deshalb sind die Kolleginnen und Kollegen gut beraten, nicht zu warten, bis der Vorstand beginnt seine Pläne umzusetzen, auf alles vorbereitet zu sein und systematisch auf gewerkschaftliche und vor allem auf selbständige Streiks hinzuarbeiten.