Gaza-AG des REBELL Jena

Gaza-AG des REBELL Jena

Fünf Stunden Protestwache gegen Völkermord in Gaza

Am Freitag, den 7. November, hat die Gaza-AG des REBELL Jena ihre erste größere Aktion durchgeführt. Von 10 Uhr bis 15 Uhr standen wir mit einer Protestwache bei klirrender Kälte auf dem Ernst-Abbe-Platz. Unser Aufwand verfehlte seine Wirkung nicht: Wir waren mit dem Aufbau des Standes noch nicht fertig, da kamen auch schon drei Studis herbeigeeilt, um uns zu fragen, was wir hier machen. Zwei davon füllten eine Mitmachkarte aus.

Korrespondenz

Jena war jahrelang eine Hochburg "antideutscher" Umtriebe, aber davon war am Freitag nur wenig zu spüren. Viele Studierende fanden unsere Aktion super und es gab viel Diskussionsbedarf unter ihnen: zur Rolle der Führer anderer arabischer Staaten, zur Unterstützung Israels durch die deutsche Bundesregierung, zur sozialistischen Perspektive und auch zur Beziehung der Friedrich-Schiller-Universität zu Israel. Erst am Freitag war bekannt geworden, dass acht Mitarbeiter der Uni einen Brief an den Uni-Präsidenten verfasst haben, in dem sie ihn auffordern, die Beziehungen zu Israel zu überdenken. Das traf auf Zuspruch bei den Studierenden.

 

Durchaus kontrovers wurde die Frage der Organisierung diskutiert. Die allermeisten Studis stimmten uns in der Frage der Solidarität mit Gaza zu, aber selber aktiv zu werden, ist für viele auch noch eine Hürde. Klar, die Legende vom faulen Studenten, der den ganzen Tag nur pennt, ist nur ein
Märchen. Neben dem Studium sind viele Studis auch noch im Unisport und bei anderen Initiativen aktiv. Dazu kommen noch Hausarbeiten und oft ein Nebenjob. Dass es trotzdem notwendig ist, sich auch in der Gaza-AG zu organisieren, ist eine weltanschauliche Frage, die wir noch viel mehr diskutieren müssen.

 

Eine migrantische Studierende hatte Angst, wegen politischen Engagements abgeschoben zu werden, was durchaus eine berechtigte Frage ist. Sie gab sich dann aber einen Ruck und hat doch noch eine Mitmachkarte ausgefüllt

 

Unser Stand war ein richtiger Hingucker: ein großer roter Pavillon mit einem Tisch für Literatur, Schildern, einer Girlande mit Bildern des palästinensischen Widerstands und Bänken, die zum Verweilen und Diskutieren einluden. Natürlich durfte auch eine Palästina-Fahne nicht fehlen.


Der Ernst-Abbe-Platz ist der Vorplatz der Friedrich-Schiller-Universität, an der rund 20.000 Menschen studieren und arbeiten. Tagsüber ist er sehr belebt. Immer zu Vorlesungsbeginn und -ende strömen Hunderte Studierende auf den Platz, um zu ihren Veranstaltungen zu gehen. Da wir mit unseren Kräften niemals alle erreichen können, machten wir neben dem persönlichen Ansprechen auch immer wieder kurze Ansagen durch unsere Anlage.


Manche Studis haben uns beim Hereingehen beobachtet und sind beim Herauskommen dann zu uns gekommen. Während der Veranstaltungen gibt es längere Phasen, in denen der Platz fast ausstirbt. Wir nutzen diese Zeit, um vertiefende Gespräche mit den verbliebenen Menschen auf dem Platz zu führen, oder um einen Happen zu essen.

 

Insgesamt haben wir zehn neue Kontakte gesammelt; dabei war oft der ICOR-Solidaritätspakt der ausschlaggebende Punkt. Wir haben 32,49 Euro an Spenden gesammelt. Hier muss man bedenken, dass viele Studis sehr wenig Geld haben und an der Uni mittlerweile alles bargeldlos funktioniert. Daher haben wir jetzt beschlossen, ein Kartenlesegerät zu kaufen.

 

Die Protestwache war für uns eine erfolgreiche und interessante Erfahrung. Wir können eine längere Protestwache vor einer Uni allen Gaza-AGs wärmstens empfehlen.