Staatsmonopolistischer Kapitalismus

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Strompreis ist nicht gleich Strompreis

Wie eine Gebetsmühle beschweren sich Kapitalistenverbände landauf, landab über zu hohe Stromkosten. Diese sollen unter anderem auch für ihre Arbeitsplatzvernichtung und „Spar“-Programme verantwortlich sein. So tönte auch die Stahlindustrie vor und bei dem jüngsten Stahlgipfel am 4. November bei Kanzler Friedrich Merz. Um dabei nicht die Orientierung zu verlieren ist von vorne herein wichtig: Strompreis ist nicht gleich Strompreis! Versuchen wir den Knoten zu entwirren.

Von gp
Strompreis ist nicht gleich Strompreis
Hochspannungsleitungen bei Mühlheim-Dietesheim bei Offenbach (foto: KUGerhardt (CC BY-SA 4.0)

Jede Kollegin und jeder Kollege wird bei der Kontrolle seiner Stromrechnung der Behauptung glauben, dass in Deutschland der Strom am teuersten sei. Daran ist was wahres dran. So schreibt das Vergleichsportal verivox: „Die Strompreise in Deutschland gehören zu den höchsten der Welt. Im ersten Quartal 2025 rangiert die Bundesrepublik auf Platz fünf der teuersten Länder.“¹ Was verivox verschweigt: Dabei handelt es sich um die Stromkosten der privaten Verbraucher. Ganz anders sieht es für die Strompreise der Unternehmen aus.

Was ist von dem Gejammer der Konzerne zu halten?

Statistisch gesehen lag der Strompreis für Unternehmen 2024 mit 16,9 ct/kWh unter dem EU-Durchschnitt von 18,7 ct/kWh. Das sind gerade mal 40 Prozent von dem, was ein privater Haushalt 2024 mit 40,22 ct/kWh für eine Kilowattstunde zahlen musste. So viel zur Behauptung, in Deutschland müssten Unternehmen die höchsten Strompreise zahlen.

 

Bereits zum 1. Januar 2024 hatte die Ampel-Regierung für produzierende Unternehmen den Stromsteuersatz von 2,05 Cent pro Kilowattstunde auf den EU-niedrigsten Satz von 0,05 Prozent gesenkt. Alle nichtproduzierenden Unternehmen, wie der Handel oder das Gastgewerbe, bleiben allerdings außen vor. Für die 350 energieintensiven Industrieunternehmen gibt es seitdem weitere Entlastungen. Sie werden z. B. von den indirekten Kosten des Emissionshandels entlastet, die bei der Stromproduktion anfallen.² Und zwar rückwirkend ab 2023. Eine kleinere Gruppe von etwa 90 Konzernen mit höherem Stromverbrauch und stärkerer internationaler Konkurrenz erhält sogar noch mehr Unterstützung.

 

Das Ergebnis: Die energieintensiven Unternehmen können bereits seit 2024 mit einem Industriepreis von rund 6 ct/kWh rechnen. In den USA lag 2023 der Industriestrompreis bei 8,4 ct/kWh und in Frankreich bei 9 ct/kWh.

 

Fazit: Die 350 größten energieintensiven Betriebe haben bezogen auf den Strompreis keine Wettbewerbsnachteile gegenüber ihren Hauptkonkurrenten. Das geht unter anderem abgestuft auch auf Kosten der weniger Energie verbrauchenden Konzerne, nicht produzierender Unternehmen bis hin zum Kleingewerbetreibenden.

Bezahlen müssen die privaten Haushalte

Die staatlichen Subventionen für die Senkung des Industriestrompreises sind garantierte Profite für die Energiekonzerne. Die privaten Haushalte werden dabei doppelt zur Kasse gebeten: einmal durch die Abwälzung der staatlichen Subventionen für energieintensive Großbetriebe und zum anderen durch anhaltend hohe Strompreise für die Profite der Energiekonzerne. Die liegen 2025 nach Berechnungen der Bundesnetzagentur mit durchschnittlich 41,59 ct/kWh um 40 Prozent über dem durchschnittlichen Strompreis von vor zehn Jahren, oder um fast das Siebenfache über dem Strompreis der 350 energieintensivsten Großunternehmen. Ein geradezu perfektes Beispiel für die Unterordnung des Staates unter die Interessen der internationalen Monopole und die Verschmelzung der Organe beider. Muss das so bleiben?