Hella Recklinghausen

Hella Recklinghausen

"Lassen wir uns nicht hinhalten"

Der folgende Artikel ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitung von Kollegen für Kollegen bei Hella, „Der Scheinwerfer“, erschienen. Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert:

Aus der Kollegenzeitung „Der Scheinwerfer“

Seit auf der Betriebsversammlung platzte (mehr dazu hier), blitzt die rebellische Tradition des Ruhrgebiets bei den Kollegen durch. Man achtet mehr auf den Zusammenhalt in der Belegschaft, macht „Bummelstreik“, man wehrt sich, wenn man sich früher zu viel gefallen ließ. Kompetent wurde die Geschäftsleitung für ihre Pläne kritisiert. Jetzt muss der nächste Schritt folgen.

Sozialplan und Abfindungen...

Das hätten sie gerne: Wir sollen uns mit der Situation abfinden und jeder einzeln einen Ausweg und neuen Job suchen. Erstens geht es um die Arbeitsplätze für die Jugend und nicht nur um einen selbst. Zweitens ist es bekanntlich gar nicht so einfach, einen guten Job zu finden. Wird dort dann etwa nicht nach kapitalistischen Profitstreben gewirtschaftet? Den meisten hängt es doch berechtigt zum Hals raus, wie mit den Menschen umgegangen wird. Die neuen Avitea-Kollegen werden eigentlich nur zum Heuern und Feuern eingestellt, fühlen sich teils wie Tagelöhner. Das ist typisch für dieses angeblich beste System, den Kapitalismus. Wir Arbeiter tragen die modernste technische Produktion. Wir wollen nicht mehr ständig Verschlechterungen abwehren, sondern uns eine Zukunft erkämpfen.

 

Deshalb geht es auch darum, über den Tellerrand dieses Systems hinaus zu blicken. Der Begriff „Sozialismus“ wird oft gleichgesetzt mit dem bürokratischen undemokratischen Kapitalismus in der früheren DDR oder in Russland. Tatsächlich heißt echter Sozialismus, dass die Arbeiter die Macht haben und nicht eine Handvoll Großkonzerne. Im Sozialismus kann planwirtschaftlich im Interesse der Menschen produziert werden, statt der allseitigen Krisenhaftigkeit, die wir heute erleben. Es lohnt sich, sich intensiver damit auseinanderzusetzen.

„Kämpfen wäre schon richtig, aber…

…ich habe überhaupt keine Muße dazu, mit Schichtarbeit, Familie, Gesundheit.“ Jeder spürt: so eine Dimension von Entlassungen, wie in der Automobilindustrie, ergibt, unter kapitalistischen Verhältnissen, ein Erdbeben. Unser Arbeits- und Alltagsleben wird durcheinandergewirbelt, von weltpolitischen Entwicklungen. Hella und die Automonopole machen Milliardengewinne und führen gleichzeitig Handelskriege um Marktanteile, wie mit Nexperia. Die erbitterte Konkurrenz um Seltene Erden befeuert die Gefahr eines Dritten Weltkriegs; in immer mehr Ländern wird gleich faschistisch durchregiert. Die Umwelt fällt gleich ganz hinten runter. Das erfordert, die Prioritäten im Leben neu zu setzen. Die Arbeiter- und  Gewerkschaftsbewegung muss sich mit den Frauen, Umweltschützern und  der Gaza-Solidarität zusammenschließen und auf die Straße gehen.

Was sagt die IG Metall?

Rainer Matz von der IG Metall Recklinghausen kritisierte Hella in der Recklinghäuser Zeitung als „kein notleidendes Unternehmen“. Recht hat er, aber was folgt daraus? Da muss die Belegschaft doch erst recht die volle Kampfkraft in die Waagschale werfen, statt Hoffnungen auf „Vernunft“ von Hella / Forvia oder auf einvernehmliche Lösungen mit ihnen zu schüren. Es ist ein Unding, dass die Gesetze in Deutschland den Gewerkschaften nur tarifpolitische Streiks erlauben. Ein Kampf um Arbeitsplätze muss selbständig und auf Kosten der Profite geführt werden. Rainer sagte: „Ob die Belegschaft Aktionen initiiert, kann ich nicht prognostizieren“. Nehmen wir die Initiative selbst in die Hand. Die IG Metall sind vor allem die Mitglieder in den Abteilungen, und da sollte jeder dazugehören. Lasst uns beraten, wie solche Aktionen aussehen könnten. Macht Vorschläge an die IG-Metall-Vertrauensleute. Warten wir nicht ab, bis Hella seine Pläne Taten werden lässt. Schmieden wir das Eisen, solange es heiß ist.