Essen-Kray
Ein Schritt vorwärts im Aufbau einer antifaschistischen Einheitsfront
Bis zu 50 AntifaschistInnen folgten einem weiteren Aufruf der antirassistischen Anwohner-Initiative und versammelten sich am Freitagabend, den 10. Oktober, im Süden des Arbeiterstadtteils, um erneut gegen die Umtriebe der faschistischen „Heimat“, „Jung & Stark“ oder „Heimatliebe“, vorzugehen und ihren geplanten Zug durch Kray zu verhindern.
Anwohner, Mitglieder der MLPD und ihres Jugendverbands Rebell, die Internationale Jugend, Vertreter der Umweltgewerkschaft und andere AntifaschistInnen waren dabei.
Rechtsanwalt Roland Meister als Initiator begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und erinnerte, auch von seiner eigenen Familiengeschichte her, daran, dass die Arbeiterklasse von jeher aus vielen Nationalitäten bestanden habe. Den aus der gemeinsamen Arbeit, insbesondere im Bergbau, erwachsenen Zusammenhalt zu spalten und zersetzen, das sei das Geschäft der Faschisten, ganz im Sinne des deutschen Kapitals.
Gabi Fechtner, die Vorsitzende der MLPD, griff die Faschisten, Höcke und die AfD an: Sie spielten vor der Öffentlichkeit die unterdrückte Stimme des Volkes und die aufrechten Kämpfer gegen den Mainstream. „Aber in Wirklichkeit ist das Gegenteil der Fall“, sagte sie sinngemäß, „mehr Mainstream als die AfD geht gar nicht, so viel wie die in den Medien, in Talkshows usw. herumgereicht und regelrecht hofiert wird. Und die Regierung betreibt in Sachen Migrations- und Sozialpolitik sowie schon längst AfD-Politik.“ Sie ergänzte, die ganze antifaschistische Bewegung müsse Aufklärungsarbeit unter der Bevölkerung betreiben: „Es reicht nicht aus, nur ‚Nazis raus!‘ zu schreien.“
Die „Internationale Jugend“ wies auf den engen Zusammenhang von Kapitalismus und Faschismus hin. In einer Zeit, in der der Kapitalismus in eine umfassende Krise geraten sei, brauche er die Faschisten, um aus ihr auf Kosten der Massen mit aller Gewalt wieder herauszukommen. Dagegen setzen wir die internationale Solidarität, den gemeinsamen Kampf und eine gesellschaftliche Perspektive: „Jugend, Zukunft, Sozialismus!“ erschallte lautstark bei der anschließenden Demonstration.
Zur Stärkung unserer Kampfmoral durften natürlich Lieder nicht fehlen. Die „Internationale“ war ein passender Abschluss der Auftaktkundgebung. Denn dann ging es gemeinsam zur Aktion von „Essen stellt sich quer“.
Diese verzichteten diesmal auf Kundgebungen in der Marienstraße, aus Rücksicht auf die Anwohner, wie sie berichteten. Die Demonstration durch Kray dagegen war durchaus hörbar, und bei zwei Zwischenkundgebungen gab es Redebeiträge. Erstmals konnte auch Roland Meister sprechen und von den Auseinandersetzungen in der Nachbarschaft und mit der Justiz und Polizei berichten. Er forderte dazu auf, den Antikommunismus als DNA des Faschismus genau so zu ächten und bekämpfen wie Rassismus und Antisemitismus.
Ein wichtiger Erfolg des antifaschistischen Protestes war, dass die Faschisten erstmals keinen Umzug im Stadtteil machten. Die Stimmung der Demo war von einer großen Einheit und Bereitschaft zur solidarischen Auseinandersetzung geprägt. Das ist ein wichtiger Fortschritt, der ausgebaut und zu einer breiten und organisierten antifaschistischen Einheitsfront gefestigt werden sollte. Gut gelaunt gingen die AntifaschistInnen nach Hause.