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Rheinmetall-Entwaffnen-Camp mit 300 Zelten gestartet

Am Dienstag war Camp-Eröffnung in dem großen Zirkuszelt. Ich sprach als Rote-Fahne-News-Korrespondent mit Jonas Fischer, dem Sprecher des Bündnisses, das das Camp organisiert.

Von gos
Rheinmetall-Entwaffnen-Camp mit 300 Zelten gestartet
(Foto: Rheinmetall Entmachten)

Rote Fahne News: Wer veranstaltet eigentlich das Camp?
Jonas: Ein Bündnis, in dem sich haben klassenkämpferische, feministische, künstlerische und auch einige migrantische Gruppen zusammen geschlossen haben; seit dem Beginn 2018 werden es jedes mal etwas mehr. Und jedes Jahr kommen auch mehr Teilnehmer, natürlich vor allem Jugendliche. Bis jetzt sind gut und gerne 300 Zelte aufgebaut. Wir organisieren alles selbst, Küchenteam, Kloteam, usw. usw.

 

Rote Fahne News: Wie sieht das Programm aus?
Jonas: Jeden Tag haben wir bis zu 15 Workshops in fünf verschiedenen Zelten – oder im Freien. Alle unsere Bündnis-Organisationen machen dort, was sie für wichtig halten. Diskussionen zum Thema Krieg und Frieden, Berichte aus Rojava, Kaschmir, Gaza, West-Sahara usw. Oder sie malen oder machen Kampfsport – wir fangen übrigens auch jeden Morgen um 7 Uhr mit Frühsport an!

 

Rote Fahne News: Und die Höhepunkte?
Jonas:
Mittwoch Abend gibt es ein Konzert. Donnerstag Nachmittag machen wir eine Demonstration zur Villa des Rheinmetall-Chefs Armin Papperger in Düsseldorf. Freitag werden sich bestimmt viele an der wöchentlichen Gaza-Demo beteiligen. Der Höhepunkt des Camps ist am Samstag um 14.30 Uhr. Da machen wir eine Parade gegen den Krieg. Zusammen mit dem Kölner Friedensforum demonstrieren wir zum Chlodwigplatz, danach gehen wir weiter.

 

Rote Fahne News: Warum Parade – wollt ihr im Gleichschritt in Viererreihen gehen?
Jonas: Nein, im Gegenteil! Wir wollen bunt und auch künstlerisch sein, mit Bildern und Musik!

 

Rote Fahne News: Wie hat sich denn euer Verhältnis zur Polizei entwickelt – und zu den Nachbarn?
Jonas: Am Anfang hat die Polizei noch der Dixi-Firma gesagt, vor der Gerichtsentscheidung am Samstag, sie sollten die schon gelieferten Klos wieder abholen. Das haben die auch gemacht, und wir bekamen sie erst heute morgen wieder: Wir haben also drei Tage lang das Camp ohne Klos aufgebaut ...  Aber Nachbarn haben uns geholfen. Die sind übrigens sehr nett. Unser Camp ist ja in einem öffentlichen Park, da kommen viele Spaziergänger und Anwohner, alle sind sehr freundlich und interessiert. Heute Nachmittag haben wir ein Nachbarschafts-Café gemacht, sehr erfolgreich! Die Polizei ist rund um das Camp postiert – hat aber bisher Null Anlass gefunden, auf dem Camp einzugreifen, etwa weil wir die öffentliche Sicherheit gefährden würden!

 

Rote Fahne News: Vielen Dank und viel Erfolg weiterhin!

 

Die Eröffnungsveranstaltung am Dienstag Abend - war aufschlussreich. Die Veranstalter führen insgesamt keine großen zentralen Diskussionsrunden durch, sondern jede Gruppe macht ihre eigenen Veranstaltungen. Bei den täglichen Plenen morgens um 9 Uhr geht es um die Vorstellung und Organisierung des Tagesablaufs. Auch bei der Eröffnung wurden die mehrere hundert Teilnehmer aufgeteilt in lauter kleine Gruppen, in denen jeder erzählen konnte, was er für wichtig hält. Das ist ohne Zweifel für viele einzelne interessant – aber es kommt insgesamt nicht so richtig zu einem Prozess der Vereinheitlichung, die Gruppen bleiben zersplittert.

 

Ein kleines Beispiel: Ein starkes Schlagwort vieler linken Gruppierungen ist heute: „Eine Gegenmacht aufbauen!“ Wie soll die denn aber aussehen und zustande kommen? Ein älterer MLPD-Genosse berichtete von den Bergarbeiterstreiks Ende der achtziger Jahre. Wie viele Tausend Bergleute in Arbeitsklamotten nach Bonn fuhren und dort im Regierungsviertel – in der Bannmeile! - im Freien übernachteten. Weil es kalt war, „machten sie Holz“ in den umliegenden Gärten der Botschaften und Ministerien und damit große Feuer. Kein einziger Polizist ließ sich blicken! Statt nur im kleinsten Kreis wäre eine große öffentliche Diskussion zu dem Thema interessant gewesen. Auch Mitglieder des Jugendverbandes REBELL führten mit vielen Jugendlichen Gespräche, ab Mittwoch machen sie einen eigenen Infostand. Wir werden weiter berichten!