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Marinemanöver Roll2Sea: „Wir sind bereit für den Ernstfall“

„Wir sind bereit für den Ernstfall.“ So fasste Flottillenarzt Achilles das Ergebnis des Marinemanövers „Roll2Sea“, das dieser Tage in Rostock endet, zusammen. Es ist das erste Manöver der deutschen Marine dieser Art auf offener See.

Korrespondenz
Marinemanöver Roll2Sea: „Wir sind bereit für den Ernstfall“
Protestaktion vor dem Rostocker Uni-Klinikum (rf-foto)

Rund 400 Bundeswehrangehörige üben die zivil-militärische Zusammenarbeit, das heißt, die Inanspruchnahme ziviler Ressourcen für militärische Belange. Das Szenario: Zwei Seeminen aus dem Zweiten Weltkrieg lösen sich kurz nacheinander vom Boden der Ostsee und explodieren unter zwei Schiffen der Deutschen Marine. Rund 30 Besatzungsmitglieder erleiden teils schwerste Verletzungen, wie Amputationen und Teilamputationen oder schwere Verbrennungen. Die Verletzten müssen schnellstmöglich und vorrangig in die Rostocker Kliniken transportiert werden.

 

Die Ostsee Zeitung sieht dieses Kriegsmanöver eher als große Katastrophenschutzübung, wenn sie neutral und verharmlosend von einem eher unwahrscheinlichen „simulierten Unglück“ mit verheerenden Auswirkungen spricht. Doch Krieg ist kein tragischer „Unfall“ der Geschichte, sondern nach Clausewitz die Fortsetzung der Politik mit anderen (militärischen) Mitteln, der langfristig von den Imperialisten geplant und vorbereitet wird. Genau darum geht es der Bundeswehr und Marine bei diesem durchaus realitätsnahen Kriegsszenario!

 

Tatsächlich geht es um die Vorbereitung auf den Weltkrieg und die Militarisierung des Gesundheitssystems! Im Kriegsfall werden Medizin, Krankenhäuser und das zivile Rettungswesen den militärischen Kriegszielen und Aufgaben untergeordnet. Rettungshubschrauber, Feuerwehr und Krankenwagen sollen dann vorrangig verwundete Soldatinnen und Soldaten in die Kliniken transportieren, um sie so schnell wie möglich wieder „einsatzfähig“ zu machen. Dass dies reibungslos funktioniert, wird jetzt erstmals mit diesem Seemanöver trainiert. Bundeskanzler Friedrich Merz ließ sich extra anlässlich dieses Kriegsmanövers zu einem Besuch der Marine einfliegen. Nach Gesprächen im Rostocker Marinekommando und NATO-Hauptquartier wurde er per Hubschrauber zur Fregatte „Bayern“ auf See geflogen, wo ihm vor Ort die Fähigkeiten, sprich „Kriegstüchtigkeit“, der Marine demonstriert wurden.

 

Wir vom Rostocker Friedensbündnis hatten dagegen etwas ganz anderes vor. Wir demonstrierten für eine friedliche und zivile Ostsee! Wir sagen NEIN zur „Kriegstüchtigkeit“ und Militarisierung des Gesundheitswesens und der Medizin!

Erklärung der IPPNW

Die Internationalen Ärzt*innen für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzt*innen in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) erklärten dazu: „Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit ist am 1. Januar 2025 der »Operationsplan Deutschland« in Kraft getreten – erarbeitet unter Federführung der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums. Er legt die verpflichtenden zivilen Unterstützungsleistungen für das Militär im Falle der Landes- und Bündnisverteidigung fest. Details unterliegen der Geheimhaltung. Alle Bereiche der Gesellschaft sollen auf die Bedürfnisse des Militärs und der Erfordernisse der Kriegsführung ausgerichtet werden ... Deutschland wäre im Bündnisfall sowohl das Aufmarsch­gebiet für NATO-Truppen, als auch die logistische Drehscheibe für verletzte Soldat*innen und Zivilist*innen. Die daraus resultierenden Patient*innenzahlen, die von unserem Gesundheitswesen versorgt werden müssten, übersteigen alles, was wir von bisherigen Katastrophen oder aus Pandemiezeiten kennen. Die Bundeswehr rechnet in groben Schätzungen mit bis zu 1.000 verletzten NATO-Soldat*innen täglich, möglicherweise über Jahre hinweg. Zudem wird eine massive Flüchtlingsbewegung von verletzten Zivilist*innen erwartet. Dem stehen fünf Bundeswehrkrankenhäuser mit insgesamt 1.800 Betten gegenüber – eine Kapazität, die in zwei Tagen erschöpft wäre. Schon damit wäre unser Gesundheitswesen restlos überfordert… Das zivile Gesundheitssystem müsste einen erheblichen Teil seiner räumlichen und personellen Ressourcen dem Militär zur Verfügung stellen. Dabei fehlt medizinisches Personal schon in Friedenszeiten.“