Ford
Alle zum Warnstreik! Trainieren wir für den Kampf um jeden Arbeitsplatz!
Der folgende Artikel ist aus der aktuellen Extraausgabe der Zeitung von Kollegen für Kollegen bei Ford Köln, Saarlouis und angegliederten Betrieben „Scheinwerfer“.
Die Ford-Bosse greifen uns als ganze Belegschaft frontal an. Arbeitsplätze plattmachen, Werksteile verkaufen, mit Insolvenz drohen. Wut, Empörung, Angst – bei Betriebsversammlungen, Infoständen und beim Aktionstag am 15. März in Deutz haben wir schon gezeigt: Nicht mit uns! Wir wehren uns!
Die Warnstreiks müssen dieses Signal bestärken! Wir sind eine starke Belegschaft; wir sind gut organisiert und wollen eine Zukunft!
Doch wofür stehen wir im Kampf ein?
Es gibt offenbar zwei Wege: Lassen wir uns die Arbeitsplätze durch Abfindungen abkaufen oder kämpfen wir gegen die Kahlschlagspläne um jeden Arbeitsplatz?!
Abfindungen – süßes Gift!
Viele denken daran, mit einer Abfindung den Laden zu verlassen. Ich könnte mein Haus abbezahlen, in der Türkei leben usw. … . Habt ihr nicht auch schon nachgerechnet?
Utopisch hohe Summen kommen daraus. Das größte Problem ist aber: Wir sollen nur noch darüber nachdenken, wie wir am besten das Unternehmen verlassen, anstatt darüber, wie wir den Kampf für die Arbeitsplätze hier führen. Als ob alles schon entschieden sei! Wir sind 11.600 Leute bei Ford Köln. Der größte Teil davon steht nicht kurz vor der Rente, sondern braucht Arbeit, um das Leben zu finanzieren! Und es geht nicht nur um uns, sondern auch um die Jungen und die ganze Region!
Sozialtarifvertrag ist Sackgasse!
"Ford will uns fertig machen – jetzt müssen wir streiken!“ Das ist breite Stimmung in der Belegschaft. Wenn es um den Sozialtarifvertrag geht, darf die IG Metall jetzt zum Streik aufrufen. Der darf laut Gesetz aber nur „Ausgleich für Nachteile“ bei Betriebsänderung oder Schließung regeln. D. h.: Erst die Arbeitsplatzvernichtung akzeptieren, dann darf man für die Details der Umsetzung streiken. Nicht aber für den Erhalt der Arbeitsplätze!
Die Vertrauenskörperleitung sagt, sie würden so hohe Abfindungen fordern, damit Ford es sich anders überlegt, weil es sonst zu teuer wird. Illusion! Im Moment will Ford überhaupt kein Geld mehr in dieses Werk stecken. Aber solange wir produzieren, Getriebe für Transits, Ersatzteile bauen und verkaufen, die Explorer-Linien laufen, haben sie Angst, dass wir streiken, denn dann wird's teuer!
Die Erfahrungen zeigen, dass mit Sozialtarifverträgen kampfstarke und streikbereite Belegschaften abgewickelt werden. Erstmals 2006 Streik für einen Sozialtarifvertrag bei AEG Nürnberg, 2007 Schließung. Bei Ford Saarlouis Besiegelung des Sozialtarifvertrags 2024, damit Akzeptanz des Endes der Fertigung 2025. Hier heißt es, "die haben richtig gute Abfindungen rausgeholt". Aber: die Arbeitsplätze sind weg, für immer.
Das Recht auf Streik nehmen!
Konzernbosse dürfen Arbeitsplätze vernichten, wie es ihnen passt, aber Arbeiter nicht dagegen streiken! Kein Gesetzeszweck zwingt Ford, der Belegschaft gegenüber ehrlich und loyal zu sein. Aber wenn die IG Metall streikt, ist alles exakt gesetzlich geregelt, was wir fordern dürfen, wann wir was machen. Freie Hand für Kapitalisten, Arbeitern die Fesseln anlegen – das sind die Gesetze im Kapitalismus. Das ach so demokratische Deutschland fällt mit seinem Streikrecht sogar hinter die europäische Sozialcharta zurück. Jetzt ist es Zeit, übertriebenen Respekt vor den herrschenden Regeln und Gesetzen abzulegen. Streik ist die einzige Sprache, die Wassenberg & Co verstehen. Deshalb müssen wir uns das Recht nehmen.
- Selbstständiger unbefristeter Streik für die Arbeitsplätze!
- Für eine Arbeitszeitverkürzung auf eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, so könnten viele Arbeitsplätze erhalten bleiben!
- Für ein vollständiges und allseitiges gesetzliches Streikrecht!
Wir stehen nicht alleine!
Bei der Open-Air-Betriebsversammlung sagte der Betriebsrat: „Wir stehen diesmal alleine da“. Wirklich? Unsere Kollegen in Valencia stehen genauso vor einer unsicheren Zukunft. Alle Autobelegschaften kämpfen gegen Arbeitsplatzvernichtung, außerdem die Kolleginnen und Kollegen bei Thyssen, ZF, Bosch und vielen weiteren. Heute sind wir so viele in der gleichen Situation!
Die Monopole fahren einen Generalangriff auf die Arbeiterklasse. Wir müssen eine gemeinsame Antwort der Arbeiteroffensive mit gewerkschaftlichen und selbständigen Streiks geben. Diesen Weg müssen wir mutig gehen, dann bekommen wir auch breite Solidarität und Unterstützung. Meint ihr nicht, dann ständen unsere Familie und Freunde, Nachbarn, Sportvereine, andere Belegschaften mit am Tor?! Es gibt jetzt schon einen Solikreis, der unseren Kampf praktisch unterstützen wird. Die MLPD bringt als Arbeiterpartei ihre ganze Erfahrung ein.
Es geht um viel mehr!
Es hat eine mörderische Schlacht der Autokonzerne um die Weltmärkte begonnen. Es geht darum, Marktführer zu sein, maximale Profite rauszuholen. Importzölle sollen die Konkurrenz fertig machen; die nationalistische Denkweise denkt nur an die „eigene Wirtschaft“. Wir Arbeiterinnen und Arbeiter werden weltweit in denselben Konzernen ausgebeutet. Deren Konkurrenzdenken dürfen wir uns nicht unterwerfen! Wir müssen die internationale Zusammenarbeit verbessern und die Angriffe gemeinsam zurückschlagen.
Wir haben nicht nur wegen der Arbeit Zukunftsängste. Die ganze Weltlage ist erschreckend. Immer mehr faschistische Regierungen, Kriegstreiberei, Aufrüstung, Umweltkatastrophe. Soll das unsere Perspektive sein? Wir haben auch eine Verantwortung für die Gesellschaft, können und müssen uns in der Politik einmischen. Aber wir müssen auch darüber hinaus blicken. Wollen wir immer in einer Welt leben, in der Ausbeutung und Unterdrückung vorherrscht? Den Kapitalismus hinter uns lassen und eine sozialistische Gesellschaft aufbauen, in der Mensch und Natur im Mittelpunkt stehen und nicht der Profi. Das ist eine echte Zukunftsvision.