Erklärung der MLPD Thüringen

Erklärung der MLPD Thüringen

80. Jahrestag - Gedenken an die Selbstbefreiung der Häftlinge des KZ Buchenwald

Unter der Überschrift "80. Jahrestag - Gedenken an die Selbstbefreiung der Häftlinge des KZ Buchenwald - Eklat durch israelische Regierung stellt eklatante Beleidigung des Gedenkens an die Opfer dar!" veröffentlicht die MLPD Thüringen eine Presseerklärung, die Rote Fahne News hier dokumentiert.

80. Jahrestag - Gedenken an die Selbstbefreiung der Häftlinge des KZ Buchenwald
Figurengruppe des Denkmals zum Buchenwald-Schwur von Fritz Cremer (Foto: Rudolf Klein, Schoden / CC BY-SA 3.0)

Am 11. April 1945 befreiten sich unter dem Eindruck der heranrückenden US-Armee die Häftlinge des KZ Buchenwald selbst. 21.000 Häftlingen wurde durch den selbst organisierten militärischen Aufstand und die vorherige Sabotage der Todesmärsche das Leben gerettet. Die US-Armee übernahm wenige Tage später das Lager.


Seitdem finden jährlich um den 11. April Gedenkfeierlichkeiten statt. In diesem Jahr jährt sich die Selbstbefreiung zum 80. Mal. Auf den von der Gedenkstättenleitung organisierten Feierlichkeiten sollte der israelische Philosoph Omri Boehm sprechen. Auf massiven Druck der israelischen Regierung, in der auch offene Faschisten sitzen, wurde Omri Boehm nun von der Gedenkstättenleitung wieder ausgeladen bzw. sein Auftritt wurde „verschoben“.


Die MLPD Thüringen protestiert gegen diese Ausladung auf Druck der israelischen Regierung und fordert, dass Omri Boehm sprechen darf! Omri Boehm, der in den USA, in New York, Philosophie lehrt, ist ein scharfer Kritiker der israelischen Regierung. Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 27. März kritisierte er, dass im Gazastreifen 2024 alle sechs Minuten eine Frau und ein Kind durch die israelische Regierung getötet wurden. Er kritisierte den Plan Donald Trumps, eine ethnische Säuberung des Gaza-Streifens durchzuführen. Mehrfach sprach er sich für die Freundschaft zwischen Israelis und Palästinensern und eine Zwei-Staaten-Lösung aus. 2024 wurde er mit dem renommierten Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung ausgezeichnet. In der Jury für diesen Preis sind die sächsische Landesregierung und die Bundeszentrale für Politische Bildung vertreten.


Die israelische Regierung bezeichnet den geplanten Auftritt von Omri Boehm auf der Plattform X als „eklatante Beleidigung des Gedenkens an die Opfer“. Die Lehre aus der Geschichte des Holocaust ist, dass es nie wieder einen Völkermord geben darf; dass es nie wieder passieren darf, dass Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit als „Tiere“ bezeichnet und behandelt werden! Genau das tut die israelische Regierung aber gegenüber den Palästinensern. Kritik daran ist kein Antisemitismus, sondern internationalistische Pflicht! Es ist also die Politik der israelischen Regierung, die eine „eklatante Beleidigung des Gedenkens an die Opfer“ darstellt! Omri Boehm eine Relativierung des Holocaust vorzuwerfen, ist haltlos und unverschämt. Unmissverständlich positioniert er sich zur „Singularität“ des faschistischen Holocaust an den Juden.

 

Mit der Einladung von Omri Boehm hat Jens-Christian Wagner, der Leiter der Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Mut und Engagement im Sinne eines würdigen Gedenkens bewiesen. Er hat sich nicht von der Antisemitismus-Keule beeindrucken lassen, die jede Kritik an der israelischen Regierung wahrheitswidrig als Antisemitismus diffamiert. Im ARD- / ZDF-Morgenmagazin am 4. April sagte er: „Es muss möglich sein, die israelische Regierung kritisieren zu können“. Wagner positionierte sich auch offen gegen die AfD. Dafür handelte er sich den Hass der Faschisten ein und erhielt Morddrohungen, weswegen ihm die MLPD Thüringen im letzten Jahr die Solidarität aussprach.

 

Die aktuelle akute faschistische Gefahr erfordert international eine breite antifaschistische Einheitsfront. Sie muss sich gegen alle Faschisten richten, egal ob sie in der israelischen Regierung, der US-Regierung oder den deutschen Parlamenten in Form der AfD sitzen. Die MLPD wird den 80. Jahrestag gerade in diesem Sinne nutzen, die Anstrengungen zum Aufbau dieser Einheitsfront zu intensivieren. Dazu verpflichtet uns der Schwur von Buchenwald. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden schuldig!