Militarisierung des Weltraums
Start der Ariane 6 hat vor allem militärisch-strategische Bedeutung
Mit vier Jahren Verspätung startete am 9. Juli die erste Ariane 6. Kommerziell ist die eher konventionelle Rakete nicht konkurrenzfähig. Der Start war außerdem nur ein Teilerfolg: Die dritte Zündung des Triebwerks der zweiten Stufe – bei dem in Deutschland entwickelten Modul – schlug fehl, sodass zwei Satelliten nicht ausgesetzt werden konnten. Die Bedeutung der Ariane 6 ergibt sich aber aus geostrategischen Erwägungen.
Kommerziell nicht konkurrenzfähig
Die Entwicklungskosten lagen bei 4 Milliarden Euro – 800 Millionen zahlte die Bundesrepublik Deutschland. Die Ariane 6 wird es in zwei Ausführungen unterschiedlicher Traglast geben. Ein Weltraumflug soll bei der kleineren 90, bei der größeren bis zu 130 Millionen Euro kosten. Die privaten US-amerikanischen Weltraumunternehmen bieten Starts schon ab 63 Millionen Euro an. Auf dem Weltmarkt wird sich die Ariane 6 also nicht durchsetzen können.
Sehr begrenzter technischer Fortschritt
Die Ariane 6 ist nur in Bezug auf strategische Möglichkeiten innovativ: In der Nutzlastverkleidung kann eine missionsspezifisch anpassbare, mehrfach zündbare „Astris-Kickstufe“ eingebaut werden, die die Nutzlast auch auf ungewöhnlichen Flugbahnen direkt in den Zielorbit bringen kann. Die Rakete kann also mehrere Satelliten in verschiedene Umlaufbahnen schicken und kann so potenziell auch für Missionen zu Mond und Mars genutzt werden.
Ansonsten handelt es sich um eine klassische, mehrstufige Wegwerf-Rakete, wie sie seit den 1950er-Jahren eingesetzt werden; ist also eine riesige Verschwendung von Ressourcen und nimmt erheblichen Umweltschaden in Kauf.
Strategisch wichtig für die Militarisierung des Weltraums
Vor vier Wochen erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf der ILA in Berlin, warum die neue ESA-Rakete für die EU dennoch so wichtig ist: „Die Fähigkeit, jederzeit auch im All handeln und Satelliten in Umlaufbahnen bringen zu können, ist kommerziell, aber auch verteidigungspolitisch unerlässlich.“
Letzteres ist das, worum es geht: Aktuell hat die Europäische Union nämlich faktisch keinen eigenen Zugang zum Weltall. Es gilt, militärische Satelliten in Umlaufbahn bringen zu können – schon beim zweiten Start soll der französische Aufklärungssatellit CSO 3 ausgesetzt werden.