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Was bedeutet „faschistische Diktatur“?
Heute gibt es in Deutschland eine faschistische Gefahr, aber noch droht kein direkter Übergang in eine offene faschistische Diktatur. Umso wichtiger, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.
Hier ein Auszug aus „Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus“, Abschnitt 4 „Die faschistische Ideologie und die Wandlung des bürgerlichen Antifaschismus“, Seite 161-162:
Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1932 drohte den herrschenden Monopolen in der zugespitzten gesellschaftlichen Polarisierung akut ein weitgehender Verlust ihrer Massenbasis. Die »Gefahr« einer sozialistischen Revolution nach dem Vorbild der Sowjetunion nahm zu. Bei den Reichstagswahlen im November 1932 hatte die KPD 5,98 Millionen Wählerstimmen erzielt. Gegenüber den Wahlen im Juli desselben Jahres kamen – trotz einer gesunkenen Wahlbeteiligung – 698 000 Wähler hinzu. Die NSDAP erreichte 11,7 Millionen Wählerstimmen, das heißt, sie verlor zwei Millionen Stimmen. SPD und KPD hätten zusammen den stärksten Block auf antifaschistischer Grundlage bilden können.
Die Krise der bürgerlichen Ideologie und des Antikommunismus
Stefan Engel
220 Seiten | ab 12,99 €
In dieser Situation entschied sich das deutsche Monopolkapital bewusst, zu einer offen terroristischen Diktatur über die gesamte Gesellschaft überzugehen. Es unterstützte mit allen politischen und finanziellen Mitteln die sich demagogisch »Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei« nennende faschistische NSDAP.
Um Einfluss unter den Massen zu bekommen, entfaltete die NSDAP eine extrem rassistische, sozialfaschistische und antikommunistische Demagogie. Sie textete Melodien bekannter Lieder der Arbeiterbewegung um, kopierte Organisationsformen der Arbeiterbewegung und verdrehte Begriffe des Sozialismus, gab ihnen einen völkischen, rassistischen und antikommunistischen, einen faschistischen Inhalt.
Um sein tatsächliches Wesen zu tarnen, bediente sich der Faschismus antikapitalistischer Phrasen, die nur zur Täuschung der Massen bestimmt waren. In Hitlers berüchtigter Rede vom 27. Januar 1932 vor Vertretern des deutschen Monopolkapitals in Düsseldorf fand sich allerdings kein antikapitalistischer Ton. Hier legte er unverblümt seine Ziele offen: Mit einem faschistischen, gegen den Marxismus-Leninismus und die Sowjetunion gerichteten Programm diente er sich den Herrschenden an. Er attackierte die Kommunisten als Hauptgegner des deutschen imperialistischen Expansionsstrebens und warnte davor,
»daß der Bolschewismus … eine Weltauffassung (ist), die im Begriff steht, sich den ganzen asiatischen Kontinent zu unterwerfen«. Deshalb habe die NSDAP »den unerbittlichen Entschluß gefaßt, den Marxismus bis zur letzten Wurzel in Deutschland auszurotten«.[1]
Nach der Ermächtigung durch Hindenburg, den Kriegsgeneral der Reichswehr und amtierenden Reichspräsidenten, konnte Hitler am 30. Januar 1933 die den Monopolherren angepriesene faschistische Diktatur verwirklichen. Das bedeutete zuallererst brutalsten Terror gegen die Kommunisten. Schon im März 1933 wurde die KPD verboten. Die ersten Konzentrationslager wurden mit fast ausschließlich kommunistischen Insassen gefüllt. 1932 hatte die KPD 300 000 Mitglieder. Etwa 150 000 von ihnen nahm der faschistische Terror in Haft, verurteilte sie und ermordete rund 35 000. Der faschistische Terror traf Stück um Stück auch weitere fortschrittliche Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Strömungen: Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Pazifisten, aufrechte Christen und andere. Zigtausende von ihnen landeten in Zuchthäusern und Folterkellern, Hunderttausende verschwanden als »Schutzhäftlinge« in den Konzentrationslagern. Die »Schutzhäftlinge« hatten keinerlei Rechte und Möglichkeiten, gegen diese Inhaftierungen vorzugehen.
Die Judenverfolgung begründeten die Hitler-Faschisten mit einem auf die Spitze getriebenen Judenhass, aber auch mit einer antikommunistischen Variante des Antisemitismus: Der Marxismus sei ein »Produkt des Judentums« und ein »jüdisch-bolschewistisches internationales Finanzkapital« wolle seine Weltherrschaft errichten. Der faschistische Terror traf zunehmend auch Roma und Sinti, Homosexuelle, sogenannte »Asoziale« und Menschen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen.