Evonik
Maßgeschneiderter Kampf um jeden Arbeitsplatz!
Die Betriebszeitung „Rührwerk“ schreibt in ihrer aktuellen Ausgabe:
Heulen und Zähneklappern in den Chemiechefetagen: Umsätze und Profit sind rückläufig. Das sind die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise.
Bayer, Evonik & Co kündigen die Vernichtung von Arbeitsplätzen an. Aber, warum müssen die Beschäftigten herhalten? Wir sind nicht die Ursache für diese Krisen! Die Produktivität der Arbeiter wächst ständig. Aber im Kapitalismus geht es allein um den maximal möglichen Profit. Wenn der nicht reingeholt wird, gerät das System in die Krise. Nach kapitalistischer Logik werden die Krisenerscheinungen auf die Massen abgewälzt. Alle Chemiekonzerne kündigen Entlassungen an, spalten Betriebsteile ab oder verlangen Produktionsstätten.
- Aktuell verkauft Evonik die Superabsorberproduktion. Hier haben zuletzt 900 Mitarbeiter einen Jahresumsatz von 780 Millionen Euro erbracht. Ein Jahresumsatz von 867.000 Euro pro Mitarbeiter (!) ist Evonik einfach zu wenig.
- Evonik plant den Aufbau einer Produktionsanlage in Nordamerika für pharmazeutische Lipide. Warum die USA? Weil dort Unternehmen mit vielen Vergünstigungen angelockt werden, die „den Klimawandel bekämpfen“. Typisch Chemieindustrie: man gibt sich ein grünes Aussehen und schon gibts Geld vom Staat.
- Evonik will den Infrastrukturbereich mit 8000 Beschäftigten in eigenständige Töchter auslagern.
- Bis Ende 2026 streicht die Evonik weltweit 2000 Stellen, davon 1500 in Deutschland. Weitere 1000 werden umgewandelt
Dass bei genauerer Betrachtung die „Verluste“ des letzten Jahres gar keine echten Verluste waren, sondern Bilanzakrobatik, hindert sie nicht daran, an dem Kurs festzuhalten.
Die Werbeabteilung hat sich für diesen Kostenrahmen „Evonik Tailor Made ETM“ ausgedacht. Das ist Deutsch für „maßgeschneidert“ - aber wie soll der Anzug am Ende passen?
Kullmann (Christian Kullmann ist Vorstandsvorsitzender der Evonik Industries AG, Anm. d. Roten Fahne Red.) beruhigt von vornherein die Arbeiter. Denn sie sollen von dem Programm gar nicht betroffen sein! Es soll die allseits beliebten Manager treffen. Zugegeben, jeder Kunde kennt die zermürbenden Mühlen der betrieblichen Bürokratie. Selbst das kleinste Anliegen, wie die Aufstellung eines Regenschutzes für die Arbeiter, läuft ins Leere, weil ein Dutzend Vorgesetzte sich damit befassen und keiner entscheidet. Am Ende stehen die Arbeiter sprichwörtlich im Regen.
Aber zieht dieses ETM auf eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Arbeiter? Die Führungsetage stellt klar: Es sollen alle Führungsaufgaben gestrichen werden, die „nicht direkt das Geschäft unterstützen“, und „interne Prüf- und Freigabeverfahren sollen erheblich beschleunigt“ werden. Welche Aufgaben und welche Verfahren sind hier gemeint? Wenn zukünftig nur noch Führungsaufgaben erlaubt sind, die unmittelbaren Gewinn bringen, was wird dann aus Ausbildung, Arbeits-, Umweltschutz, Schwerbehinderten- und Gleichstellungsangelegenheiten usw.?
Bayer fährt ein ähnliches Programm. Inzwischen wurde deutlich, dass es sich bei den dort zu entlassenen „Managern“ zu einem großen Teil um Meister und Vorarbeiter handelt.
Für wie dumm hält uns Kullmann eigentlich, dass wir auf eine solche Spaltung hereinfallen? Für wie charakterlos hält er uns, dass wir uns für die Vernichtung von Arbeitsplätzen zu seinem Komplizen machen? Wir weisen diese neue Variante der Klassenzusammenarbeitspolitik entschieden zurück.
Es ist beschämend, dass sich der Betriebsrat und der Vorstand der Gewerkschaft IGBCE dafür hergibt, diesen Kurs der Arbeitsplatzvernichtung mitgestalten zu wollen. Mit ihrem sozialchauvinistischen Deutschlandpakt wollen sie erreichen, dass es bis 2032 keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll und 5 Milliarden Euro an deutschen Standorten investiert wird.
Aber jeder „sozialverträglich“ vernichtete Arbeitsplatz ist für unsere Kinder auch verloren! Um uns müssen wir uns selber kümmern! Wir müssen dieser Klassenzusammenarbeitspolitik entgegentreten und den Kampf um jeden Arbeitsplatz führen.
- 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!
- Für ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht!
- Für einen gemeinsamen Aktionstag der Chemiebelegschaften!
In den letzten Wochen haben Hunderttausende Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen gekämpft; eine Millionen Menschen umfassende antifaschistische Massenbewegung ging gegen die AfD auf die Straße, ebenso Klein- und Mittelbauern. Der Kampf um jeden Arbeitsplatz kann nur organisiert geführt werden. Die MLPD mit ihrem Know-how steht fest an der Seite aller um ihre Arbeitsplätze kämpfenden Kollegen und Belegschaften.