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Über 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Bosch-Aktionstag auf der Schillerhöhe

Über 10.000 Kolleginnen und Kollegen aus vielen Bosch-Werken in Baden-Württemberg setzten am gestrigen 20. März vor der Konzernzentrale in Stuttgart ein Zeichen gegen die Arbeitsplatzvernichtung im Bosch-Konzern. Bundesweit waren es nach Angaben der IG Metall 25.000.

Von bs
Über 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim Bosch-Aktionstag auf der Schillerhöhe
Über 10.000 Boschler füllten den Platz vor der Konzernzentrale in Stuttgart (rf-foto)

Mit dabei waren auch Kolleginnen und Kollegen von Mercedes Sindelfingen und Untertürkheim, von Mahle und anderen Automobilzulieferern. Die meisten waren IG -Metall-Vertrauensleute.


Solidarisch zeigten sich auch die IAC (Internationale Automobilarbeiterkoordination), die Umweltgewerkschaft, DKP und MLPD. Die MLPD Baden-Württemberg hatte an verschiedenen Bosch-Standorten zur Mobilisierung für diesen Aktionstag beigetragen.


Vor Beginn der Kundgebung der IG Metall um fünf vor zwölf führte die IAC eine Kundgebung durch. Mit kurzen Reden und kämpferischen Liedern wurden die in nicht enden wollenden Bussen eintreffenden Anreisenden begrüßt, was zur ohnehin optimistisch-kämpferischen Stimmung beitrug. Allein das Zusammenkommen zeigte allen Anwesenden, welche Kraft von den Konzernbelegschaften ausgeht, wenn sie den Kampf für ihre Interessen gemeinsam aufnehmen!


Darum entfaltet sich natürlich der Kampf um die Denkweise. Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Frank Sell von Bosch Mobility Solutions betonte die „Gemeinsamkeit der Lebensgrundlagen der Beschäftigten und der Zukunftssicherung von Bosch“. Barbara Resch von der IG Metall Baden-Württemberg forderte den Bosch-Konzern auf, „den Abbau zu überdenken und mit uns über die Zukunft der deutschen Standorte zu sprechen ... um zusammen die Zukunft zu gestalten“. Dabei machen die Konzernpläne ja gerade deutlich, dass es zwischen Arbeitern und Kapitalisten keine "Gemeinsamkeiten" gibt. Millionen Beteiligte an gewerkschaftlichen Streiks in den letzten Wochen stehen für die selbstbewusste Besinnung auf die gemeinsamen Klasseninteressen und ihre Klassenselbständigkeit! Der von der MLPD vorgeschlagene offensive Kampf um jeden Ausbildungs- und Arbeitsplatz und für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich als gemeinsame Forderungen fand bei der Kundgebung darum auch viel Zustimmung und Diskussionsbereitschaft.

 

So war natürlich auch die Perspektive des echten Sozialismus als Ausweg aus den ständigen Krisen des Imperialismus Thema in den Diskussionen. Gerade bei der Auftaktkundgebung wurde mit den Kollegen darüber diskutiert. Sicher war man sich noch nicht in allem einig, aber eine Offenheit dafür war bei vielen Gesprächen bei Kollegen festzustellen. Das passte offensichtlich den Veranstaltern nicht, die im späteren Verlauf gegen ein MLPD-Transparent mit der Forderung zum Sozialismus gewaltsam vorgingen. Offensichtlich sollte die Diskussion verhindert werden.

 

Die Voraussetzungen dafür sind günstig, die Gewerkschaften zu Kampforganisationen zu machen. So sagt ein junger Softwareentwickler aus Leonberg: „Ich bin damals zu Bosch gegangen, weil ich dachte, das ist ein fairer Arbeitgeber und mein Job ist sicher. Aber jetzt habe ich Angst um meinen Job.“ Solche Aktionstage, an denen die Belegschaften zusammenkommen, sind gegen diese Angst wichtig, wenn dabei auch die Diskussion um die positive gesellschaftliche Perspektive selbstverständlicher Bestandteil ist. Einige Funktionäre der IG Metall fühlten sich - wie bereits gesagt - aus ihrer Defensive heraus bemüßigt, die Transparente der MLPD auf dem Platz zu verhindern. Das Transparent: „Der Kapitalismus bedroht die Menschheit - Perspektive echter Sozialismus!“ wurde sogar gewaltsam entfernt und eines mit der Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich von gar nicht mehr jugendlichen „Aktivisten“ der IG-Metall-Jugend Bosch-Schwieberdingen verdeckt.


Was für ein Armutszeugnis, zu solch undemokratischen Methoden zu greifen. In einer so politisierten Zeit und Diskussion in den Belegschaften zu meinen, „die Politik raushalten, weil es heute nur um Arbeitsplätze geht“ ist nicht nur weltfremd, sondern auch ein kläglicher Ausdruck der Krise der Reformisten. Zwei junge Kollegen aus Indien fanden es genau richtig, dass die Boschler international koordiniert kämpfen müssen. Prompt kritisierten IG Metaller diesen Zensurversuch scharf. Ein Genosse der MLPD erhielt auf der Kundgebung 32,50 Euro Spenden für die angebotenen Broschüren. Das neue Buch von Stefan Engel, Monika Gärtner-Engel und Gabi Fechtner, „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen!“ wurde angeboten. Auch wenn sich der Verkauf nicht als leicht herausstellte, so entwickelten sich doch leidenschaftliche Diskussionen um die begonnene Umweltkatastrophe und den einzigen Ausweg echter Sozialismus. So wurden auch Bücher verkauft.