Weltraum
Vermüllung des Alls ist Teil der Zerstörung der Umwelt
In 139 Kilometern Höhe flog ein abgeworfenes Teil der ISS über die Mitte Deutschlands. Vor drei Jahren abgekoppelt, sollte es eigentlich verglühen. Das ist nun nicht passiert – stattdessen stürzten die Teile ins Meer.
Der Astronaut Prof. Ulrich Walter ging davon aus, dass Bruchstücke ein Gewicht von zehn bis 20 Kilogramm haben könnten und damit Krater von jeweils fünf Meter Durchmesser schlagen würden, wenn sie auf Land niedergehen.
Warum hat man dann dieses Bauteil einfach zurück auf die Erde geworfen? Dabei verlässt man sich alleine auf die statistische Wahrscheinlichkeit, dass schon nichts wichtiges getroffen wird – aber, irgendwo kommt es immer runter. Dabei geistert auch die idealistische Vorstellung durch die Welt, irgendetwas könne rückstandsfrei verschwinden.
Nichts verglüht rückstandslos
Aber ein Bauteil von 2,6 Tonnen in der Größe eines Autos wie der gestern abgestürzte Batterie-Pack verschwindet eben nicht. Selbst, soweit er verglüht, geht sein Material in die Atmosphäre über und verteilt sich in dieser. In dem Buch „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen!“ wird auch auf die imperialistische Nutzung des Weltalls eingegangen und darauf hingewiesen: „Neue unkontrollierbare Ultragifte können durch das Verglühen ausgedienter und defekter Satelliten entstehen und sich in der Atmosphäre verbreiten.“ (S. 420)
Der ESA-Astronaut Matthias Maurer warnt vor einer haltlosen Nutzung des Weltraums, wie er aktuell im Sinne der kapitalistischen Profitmaximierung betrieben wird: „Wir müssen den Weltraum sauber halten. Weltraum muss nachhaltig betrieben werden. Das ist genau so wie wir auch die Hochsee nicht mit Müll verschmutzen sollten, sollten wir auch den Weltraum nicht zumüllen. Irgendwann stößt dieser Müll aneinander und erzeugt Weltkraumschrott. Irgendwann ist dieser Raum nicht mehr nutzbar.“
Weltraumschrott
10.000 Tonnen Schrott aus Satelliten und Kleinteilen
36.500 Objekte mit einer Größe von über 10 cm
Mehr als eine Million Teile mit einer Größe von über 1 cm
(Bild: NASA)
Bundeswehr – die Kompetenz für den Weltraum?
Sehr auffällig war, dass als Fachleute gegenüber der Öffentlichkeit nicht etwa die ESA, sondern in erster Linie das Weltraumlagezentrum der Bundeswehr auftrat. Dessen militärischer Leiter, Oberstleutnant Alexander Richter, hatte am Freitagnachmittag mitgeteilt: „Gegen 19.20 Uhr könnte sich am Niederrhein und im Ruhrgebiet ein Blick an den Abendhimmel lohnen“. Obwohl offensichtlich nicht von einer Gefahr ausgegangen wurde, wurde die NINA-App eingesetzt, um die Bevölkerung zu warnen. Der rücksichtslose Umgang mit der natürlichen Umwelt durch die profitorientierte Nutzung des Weltraums wurde direkt für die psychologische Kriegführung und Militarisierung genutzt.
Berechnungen des Weltraumlagezentrums nach sollte der Weltraumschrott um 20.17 Uhr in den Pazifik stürzen – eine Sprecherin teilte mit, das sei auch erfolgt. Damit lag die Bundeswehr falsch, denn tatsächlich stürzten die Reste des Batterie-Packs zwischen Guatemala und Florida ins Meer. Soviel dann dazu.