Streikversammlung vor dem DGB-Haus in Stuttgart

Streikversammlung vor dem DGB-Haus in Stuttgart

Ver.di-Kolleginnen und Kollegen verschaffen sich Gehör

Geschätzte 400 Beschäftigte der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) in Ver.di-Warnwesten und Aktivisten von Fridays for Future haben sich vor dem Gewerkschaftshaus versammelt.

Von wb

Im Gegensatz zu den bürgerlichen Medien, die vor allem über das durch den Streik verstärkte Verkehrschaos berichten, möchte ich als Rote-Fahne-Reporter, dass die Kolleginnen und Kollegen zu Wort kommen. Deshalb waren etliche für ein Interview bereit; anders dagegen einige Ordner und Klimaaktivisten, die wohl gegen die MLPD ausgerichtet waren. Eine Ver.di-Verantwortliche wollte sogar, dass das von Genossen der MLPD mitgebrachte Transparent zur Solidarität mit dem Streik der SSB-ler wieder eingerollt wird. Doch die MLPD lässt es sich nicht nehmen, den Streik von Ver.di zu unterstützen.

 

Den interviewten Kollegen ist wichtig, dass ihre Wegezeiten und die Pausen zwischen zwei Schichten, sowie späterer Dienstschluss wegen Verkehrsstau u.a. bezahlt werden; ebenso die Bezahlung von Überstunden entsprechend ihrer Lohneingruppierung, sowie die Absenkung der derzeitigen 39-Stunden-Woche. Auf ihre Antwort auf den Kommunalen „Arbeitgeber“-Verband (KAV) angesprochen, ihre Forderungen seien „maßlos und unrealistisch“, gerät ein Arbeiter so richtig in Fahrt: „Dann sollen die mal hier arbeiten – und zwar früh morgens oder bis in die Nacht, wie wir!“ Und ein anderer: „Dann sollen die verantworten, wie die Leute zur Arbeit oder die Kinder zur Schule kommen!“.

 

Wenn verschiedene Kollegen sagten, dass sie von der SSB und Politik angehört werden wollen, dann klingt da eine grundsätzliche Kritik durch: an der Regierung deren Prioritäten den Forderungen der Konzerne gehört. Wie wir das erreichen können, ist allerdings unter den Kollegen umstritten: die einen sprechen sich dafür aus, gemeinsam mit anderen Gewerkschaften zu streiken, die Kräfte zu bündeln. Ein anwesender IG-Metaller von Mercedes sprach sich für einen Generalstreik aus, wie aktuell in Griechenland. Sein mitgekommener Kollege hält es für seine Pflicht, sich solidarisch mit dem Streik anderer Gewerkschaften zu erklären. Er fand es richtig, dass die MLPD ein allseitiges und vollständiges gesetzliches Streikrecht fordert, auch für Solidaritätsstreiks. Ein Kollege der Bahn-Gewerkschaft EVG zeigte aus dem gleichen Grund hier Flagge. Manchen ist es dagegen zu radikal, wie z.B. die GDL streikt und einer stöhnte, dass sie insgesamt schon vier Tage streiken und Streikgeld bekommen, das 65 Prozent des Lohns ausmache. Doch es gibt keinen anderen Weg, als den des Streiks, bei dem alle Räder still stehen, um uns den Respekt der Vorstände und den Monopolverbänden zu verschaffen. Das wichtigste Ergebnis dieser Kämpfe und der Kleinarbeit der Marxisten-Leninisten aber ist die Entwicklung des Klassenbewusstseins. Dann stimmt es eben nicht, wie ein Kollege meinte, dass wir gegen dieses System nicht ankommen.

 

Alle Interviewten standen hinter dem heutigen Klimastreik im Schulterschluss mit der Umweltbewegung Fridays for Future (FFF). „Ja ich mache mir auch Sorge um die Umwelt. Deshalb ist es richtig, für das Klima zu streiken. Ich finde das nicht übertrieben zu sagen, ‚die globale Umweltkatastrophe hat begonnen‘“, sagte er auf das Buch dazu angesprochen. „Erst haben sie gesagt, es wird wieder mehr in die Bahn investiert. Jetzt schrauben sie das wieder zurück!“ Im Gespräch mit einem Kollegen konnte geklärt werden, warum das Verbrenner-Verbot richtig ist, aber auch die Elektro-Batterie keine ökologische Lösung sein kann. Wir waren uns deshalb einig, dass der Nahverkehr als realistische Alternative zum Auto unbedingt ausgebaut werden muss und dass der Nulltarif eingeführt wird. Noch viel zu klären ist aber, wie weitgehend die Umweltzerstörung vorangeschritten ist und warum es eines gesellschaftsverändernden Kampf mit der Perspektive des echten Sozialismus braucht, damit die Menschheit überleben kann, bei die Arbeiterbewegung vorangeht.