Vorm Tor

Vorm Tor

AfD will den Unterschied zwischen bürgerlicher Demokratie und Faschismus verwischen

„Wie finden Sie die großen Demonstrationen gegen den Faschismus?“, fragten wir die Kollegen Ende Februar am Daimlertor in Mettingen. An diesem Tor gehen unter anderem auch Kollegen ins Werk, die der AfD oder dem „Zentrum“, einer faschistischen Gruppe im Werk, angehören. Ziemlich einheitlich antworteten Kollegen aus diesem Spektrum diesmal kurz und schnell mit einer neuen Argumentation, nämlich: die eigentlichen Feinde und Faschisten säßen doch in der Regierung.

Korrespondenz aus Esslingen

Damit greifen sie die Empörung vieler Kollegen über die Regierungspolitik mit Inflation, Bekämpfung  von sozialen Rechten und Fortschritten, die die Massen sich erkämpft haben , Kriegsvorbereitung, Zerstörung der Umwelt auf und tun so, als sei Faschismus nur eine Variante der jetzigen unbeliebten Regierung. Doch Faschismus bedeutet offenen Terror, offene Diktatur der Monopole gegen die Arbeiter und die Massen und gegen Andersdenkende insgesamt, bedeutet Hetze der Menschen zwecks Spaltung der Arbeiter bis hin zu Pogromen. Diesen Unterschied wollen die Faschisten vertuschen.

 

So gab ein Kollege zu, dass Führungskräfte der AfD Faschisten sind. Aber er meinte, Faschismus sei kein Verbrechen, die Regierungsparteien würden ja auch nicht unter Verbotsdrohung stehen. Er selbst sei aus Griechenland und Faschist. Wir sagten: Er wisse doch, wie die Faschisten im Zweiten Weltkrieg in Griechenland gehaust haben, wie viele ermordet wurden, wie sie das Land geplündert haben, wie die griechischen Faschisten mit den deutschen Nazis zusammengearbeitet haben. „Darauf kann ich jetzt so schnell nicht antworten,“ antwortete er und verschwand durch Tor.


„Ich weiß nicht, ob ich die Demos gut finde, ob es richtig ist, gegen die Faschisten zu sein“, sagte ein anderer Kollege. Denn die Regierung könne man doch wirklich nicht gutheißen. Darin waren wir uns einig, aber erklärten: Die Faschisten wollen solche Kriegs- und Umverteilungspolitik auf unserem Rücken und die Zerstörung der Umwelt auf die Spitze treiben und das mit offenem Terror durchsetzen – das ist doch keine Alternative. Aber: was ist die Alternative?

 

Sozialismus heißt, alle Werte, die erarbeitet werden, kommen der gesamten Gesellschaft und der Natur zugute, Gesundheitswesen usw. wird aufgebaut. Vor Mitte der 1950er-Jahre, als die Sowjetunion noch sozialistisch war, wurde jedes Jahr eine Liste mit Preissenkungen veröffentlicht. Das war eine Form, wie die geschaffenen Werte der gesamten Bevölkerung zugute kamen. Der Kollege fragte nachdenklich nach mehr Information. Er nahm die Broschüre „MLPD – die sozialistische Alternative: Eine Abrechnung mit der AfD“ und leerte als Spende dafür all sein Münzgeld in unsere Spendenbüchse.


Viele Kollegen freuten sich über die großen antifaschistischen Demos, sahen darin ein gutes Zeichen. Einer, der selbst bei einer der Demos dabei war, fand gut, dass die Demonstranten lauter „ganz normale Leute“ sind.