Nahostkrieg

Nahostkrieg

Deutsche Kanonenboot-Diplomatie im Roten Meer

Die Fregatte Hessen soll – so will es die Bundesregierung – als Teil der EU-Mission Aspides (altgriechisch „Schilde“) im Roten Meer die Huthi bekämpfen; rein defensiv, natürlich. Konkrete Aufgabe ist die Luftraumsicherung. Die Hessen soll Raketen und Drohnen der Huthi im Anflug zerstören.

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Deutsche Kanonenboot-Diplomatie im Roten Meer
Die Hessen 2018 auf Fahrt im Mittelmeer. Auch heute ist das deutsche Schiff mit Kurs auf das Rote Meer wieder im Mittelmeer (Bild: gemeinfrei)

Regierung greift dem Parlament vor

Die Angriffe auf Handelsschiffe im Roten Meer im Rahmen des Nahostkriegs schaden der eng verwobenen internationalen kapitalistischen Produktion empfindlich. Vor allen Dingen deswegen werden nun auch von der EU Kriegsschiffe entsendet. Dafür nimmt man eine weitere Eskalation und Erhöhung der Kriegsgefahr in Kauf.

 

Dabei wurde die Hessen durch die Bundesregierung schon in Marsch gesetzt, bevor der Bundestag den Beschluss zur Beteiligung an der Mission fassen konnte – der steht erst, frühestens, am kommenden Freitag an. Auch wenn von keiner Partei im Israel-treuen Bundestag großer Widerstand zu erwarten ist, zeigt das, wie ernst die Regierung ihre vermeintlich demokratische Kontrolle durch das Parlament noch nimmt, und wie sehr sie seine Rechte achtet.

Technisch hoch gerüstet

Die 143 Meter lange und 5.800 Tonnen schwere Hessen (Schiffskennung F 221) verfügt mit einer Besatzung von 255 Mann über eine Vielzahl an Waffensystemen. Sie ist die jüngste Fregatte der Sachsen-Klasse, 2006 in Dienst gestellt. Die Hauptaufgabe dieser Fregatten ist die Luftverteidigung. Ihre Hauptwaffe ist ein 32 Zellen-Senkrechtstarter für SM-2 und ESSM Raketen, mit denen Luftziele in einer Distanz von bis zu 160 Kilometern bekämpft werden können. In jeder Zelle können entweder eine SM-2 oder vier ESSM geladen sein. Zur Erfassung von Luftzielen verfügt die Hessen über eine Radaranlage vom Typ SMART-L, die bis zu 1000 Ziele auf bis zu 400 Kilometer Distanz verfolgen kann. Weitere Abwehrwaffen schützen das Schiff auf kurze Distanzen vor Luftangriffen.

 

Mit jeweils zwei Vierfach-Startern für Anti-Schiff-Raketen und Dreifachtorpedorohren kann die Hessen aber auch andere Schiffe und U-Boote angreifen. Die 7,6 cm Kanone kann sowohl gegen See-, Luft-, als auch Landziele eingesetzt werden. Darüber hinaus verfügt die Hessen noch über zwei Bordhubschrauber SeaLynx, die ihrerseits wiederum für verschiedenste Aufgaben ausgerüstet werden können.

Kriegsschiffe als Zeichen der vermeintlichen Stärke der Imperialisten

Summa Summarum: Die Hessen ist zwar für die Sicherung des Luftraums konzipiert, wie alle Fregatten der Bundesmarine aber auch ein Mittel der „Power Projection“ – früher nannte man das „Kanonenboot-Diplomatie“, oder wie es Goethe im Erlkönig schrieb: „Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“

 

Die Hessen kann jederzeit auch gegen Schiffe und sogar Landziele eingesetzt werden. Von daher muss man auch bei dieser Mission davon ausgehen, dass sie von den Huthi als eine reale Bedrohung angesehen und attackiert wird. Kein Wunder also, dass Pistorius, der das Schiff nun in Kreta besuchte, von dem „Ernstfall“ spricht.

 

Zuletzt hatten die Huthi US-amerikanische und britische Kriegs- und Handelsschiffe angegriffen, nachdem beide Länder Huthi-Stellungen angegriffen hatten. Pistorius erklärte zwar von Bord der Hessen, es ginge „um nicht mehr und nicht weniger als den Schutz der Regelbasierten internationalen Ordnung“, aber es sei daran erinnert: Handelsschiffe kriegführender Mächte dürften diesen Regeln nach durchaus angegriffen werden.