Unterwegs in der Kolonie
Die 18. Bergarbeiterdemonstration in Neukirchen-Vluyn wird Stadtgespräch
Eine solche Demonstration in unserer Stadt - das ist etwas Besonderes. Und deshalb gehen wir von Haus zu Haus und laden die Mitmenschen und Nachbarn ein. Am Freitag, 17:00 Uhr, fast jeder ist zu Hause.
Wir überreichen den Flyer mit den Worten: „Guten Tag, wir laden ein zur 18. Bergarbeiterdemonstration am nächsten Samstag hier in Neukirchen-Vluyn. Sie richtet sich gegen die Machenschaften der RAG (Ruhrkohle AG)! Gegen den Giftmüll, den sie unter Tage verbracht und gelassen hat, gegen das Ansteigen des Grubenwassers, gegen Deputatklau, PCB-Vergiftung der Kumpel. Aber auch gegen die Rechtsentwicklung und die AfD! Nicht zuletzt ist der 24. Februar der zweite Jahrestag des Ukrainekriegs, wogegen wir mit dieser Arbeiterdemonstration ein klares Zeichen setzen möchten.“
Diese inhaltliche Palette der Demonstration sprach die allermeisten Leute an. Ein Bergbaurentner meinte: „Was ist wichtiger: Diese Demonstration oder eine Anti-AfD-Demo?" Das war leicht beantwortet, denn unsere Demonstration ist auch eine Anti-AfD-Demonstration. Das sprach auch verschiedene Leute an, die meinten, sie hätten mit Bergbau nichts am Hut. Erfahrungsgemäß klären die Bergbaudemonstrationen überzeugend, in welcher Dimension die Ruhrkohle AG als Monopol in unser Leben, in unsere Gesundheit, in unseren Geldbeutel eingreift.
Im Gespräch haben wir natürlich auch Jutta Jell vorgestellt. Ihr soll trotz 30-jähriger Partnerschaft mit einem Kumpel und der kurzen Ehe mit ihm die Witwenrente durch die Knappschaft verwehrt werden. Unsere Bewegung unterstützt sie beim Gang vor das Europäische Gericht für Menschenrechte in Straßburg. Auch sie wird auf der Demonstration sprechen.
Es kamen bei einigen Nachbarn Zweifel auf, ob das etwas bringt, ob wir eine Minderheit sind, die nichts bewirken kann. Angesichts der Millionen zählenden antifaschistischen Massenbewegung in Deutschland konnten wir überzeugend nachweisen, dass man heute fast in der Minderheit ist, wenn man sich nicht positioniert und auf die Straße geht. Unsere Demonstration ist dafür in unserer kleinen Stadt ein großes Zeichen. Eine Frau, die ihren Mann und ihren Sohn zu pflegen hat, haben wir ermutigt, mit Protest- und Solidaritätsunterschriften für Jutta im „Kleinen“ mitzuhelfen, was sie freudig aufgegriffen hat.
Am Samstag wurde an zwei Infoständen die Demonstration weiter breit bekanntgemacht und mit dem Plakatieren begonnen. Wir freuen uns, am Samstag, dem 24. Februar 2024 um 11:00 Uhr am Rathaus in Neukirchen-Vluyn viele Mitstreiter und Mitstreiterinnen, Familien, Rebellen und Rotfüchse, Arbeiterdelegationen, Rentner, eben euch alle aus dem ganzen Ruhrgebiet begrüßen zu dürfen. Glück auf!