Handball-Europameisterschaft in Deutschland
Titelanwärter noch enger zusammengerückt - alles ist möglich
Die Handball-Europameisterschaft in Deutschland, dem „Mutterland des Handballs“, ist am Donnerstag fulminant in die Hauptrunde gestartet: In einem an Dramatik kaum zu überbietenden Spiel setzte sich die deutsche Mannschaft gestern mit 26:24 Toren gegen Island durch.
Dank einer Weltklasseleistung ihres Torhüters Andreas Wolff und der Charakterstärke und Kampfmoral der gesamten Mannschaft wahrte sie ihre Chance auf das Halbfinale, auch wenn sie in diesem Spiel ihre bisher schwächste Turnierleistung zeigte.
Bereits die Vorrunde, die am vergangenen Mittwoch zu Ende ging, war eine überzeugende Werbung für den Handballsport und begeisterte ein Millionenpublikum. Nach der Weltrekordkulisse von 53.586 Zuschauern zum Auftakt gegen die Schweiz in Düsseldorf waren auch die beiden Spiele gegen Nordmazedonien und Frankreich in Berlin mit jeweils 13.571 Fans ausverkauft. Das Duell mit Frankreich verfolgten sogar 7,97 Millionen Zuschauer (28,9 Prozent Marktanteil).
Nahezu alle als Titelanwärter gehandelten Mannschaften konnten sich letztlich für die Endrunde qualifizieren, wobei vor allem Rekordweltmeister und Olympiasieger Frankreich, Weltmeister und Topfavorit Dänemark sowie Titelverteidiger Schweden spielerisch herausragten.
Zugleich zeigte die Vorrunde, dass der Schritt zur absoluten Weltspitze für viele Mannschaften nur noch hauchdünn ist. Das unterstreichen die auffallend vielen Unentschieden, die im Handball bisher eher selten waren. Sie sorgten auch für die eine oder andere Überraschung. Da war das 26:26 der Schweizer gegen Frankreich, das 26:26 der Neulinge von den Färöer-Inseln gegen Norwegen oder das nicht minder sensationelle 28:28 von Österreich gegen Kroatien, das zuvor den Mitfavoriten Spanien mit zehn Toren Unterschied geschlagen hatte.
Auch im Profihandball zeichnet sich zunehmend eine ähnliche Entwicklung ab, wie sie zuletzt bei der Frauenfußball-WM im vergangenen Jahr zu beobachten war:
Es gibt immer weniger „kleine“ Mannschaften - die zunehmende Internationalisierung prägt auch den Profihandball. Spieler der dänischen Nationalmannschaft wie Hans Lindberg, Mathias Gidsel und Lasse Andersson, die bei den Füchsen Berlin auflaufen, oder Michael Damgaard, der in Magdeburg spielt, sind dem DHB-Team aus der Bundesliga bestens bekannt. Trainer Gislason, der die deutsche Mannschaft zum bisher erfolgreichen Turnierverlauf geführt hat, hat früher selbst für Island gespielt und kennt die Schwächen und Stärken des „ewigen Geheimfavoriten“ Island genau.
Erfreulich ist, dass nicht nur auf dem Spielfeld, sondern auch auf den Rängen eine Atmosphäre der Fairness und Völkerfreundschaft herrscht und es den Herrschenden nicht gelungen ist, von ihrem volksfeindlichen Krisen- und Kriegskurs abzulenken. Noch tauchen die Fans die Stadien nicht in ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) wurde beim Spiel gegen Frankreich zu Recht mit einem gellenden Pfeifkonzert empfangen.
Vorläufiges Fazit: Ein bisher gelungenes Handballfest, das sich sicherlich noch steigern lässt und für weitere Überraschungen sorgen wird.