LLL-Kundgebung in Stuttgart
Vor allem die Jugend interessiert sich für eine gesellschaftliche Alternative
Ca. 140 Teilnehmerinnen und Teilnehmer versammelten sich auf dem Stuttgarter Schlossplatz, und sehr viele, vor allem junge Menschen blieben stehen, mischten sich unter die Teilnehmer, hörten lange zu, interessierten sich und waren bereit, sich tiefgehend auseinanderzusetzen.
In zahlreichen Reden, mit überzeugenden Argumenten, literarisch, musikalisch, nüchtern und gleichzeitig kämpferisch, war diese Kundgebung eine Abrechnung mit dem herrschenden Gesellschaftssystem und ein überzeugendes Plädoyer für deren revolutionäre Veränderung.
„Es ist ja vor allem ihre Zukunft, die Zukunft der Jugend, weshalb wir hier heute stehen, und weshalb wir für den echten Sozialismus kämpfen,“ antwortet eine Göppinger Teilnehmerin auf meine Frage, weshalb sie hier in Stuttgart an der Kundgebung in Gedenken an Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Lenin teilnimmt. „Ihre Zukunft ist bedroht durch die wachsende Weltkriegsgefahr und die Umweltkatastrophe. Wir brauchen den echten Sozialismus als Alternative zu der herrschenden Klassengesellschaft. Karl Liebknecht hat sich gegen den Ersten Weltkrieg engagiert. Unter dem Motto „Diesem System keinen Mann und keinen Groschen“ lehnte er die Kriegskredite ab. Lenin beendete mit der Oktoberrevolution den Ersten Weltkrieg. Es sind revolutionäre Sozialisten gewesen, die sich entschlossen dem Krieg entgegenstellten. Und ich finde es sehr gut, dass die MLPD diese regionalen Kundgebungen im Gedenken an die Ermordung der beiden Sozialisten Luxemburg und Liebknecht organisiert hat.“
Die Moderatorin Renate Schmid hob hervor: „Im Mittelpunkt der heutigen Kundgebung steht die Weltkriegsgefahr. Lenin sagte, dass das Wichtigste ist, dass Frieden herrscht, auch wenn dadurch einige Gebiete verloren gehen. Für die Imperialisten ist so eine Haltung unvorstellbar.“
Für einen Fahrer der SBB-Verkehrsbetriebe war es die revolutionäre Partei, die Lenin geschaffen hat, ohne die es nie möglich gewesen wäre, den russischen Zaren zu stürzen und diesen Krieg zu beenden. Viele Menschen wollen heute nichts mehr mit Parteien zu tun haben. Aber man muss genau hinschauen. Welche Klasseninteressen vertreten die Parteien. Eine Kollegin sagt kürzlich in einem Gespräch zu mir: „Hauptsache, die Regierung kommt weg!“ Auf meinen Einwand, dass es ja möglich sei, dass die AfD dann dran kommt, antwortete sie: „Egal, schlimmer kann es nicht werden.“ Das ist aber eine völlige Unterschätzung des zutiefst menschenverachtenden Faschismus. Es geht darum, dass man die Regierung von links bekämpft. Und dazu brauchen wir eine Partei, die den Sozialismus aufbaut, verteidigt und auch in der Lage ist, aus ihren Fehlern selbstkritisch zu lernen.“
Die Karlsruher Band „Kommando Umsturz“ und die Stuttgarter ABZ-Band belebten die Kundgebung mit revolutionären, solidarischen und kämpferischen alten und neuen Liedern und übten mit uns Parolen ein.
Ein weiterer Schwerpunkt war die brennende Frage der Situation unserer Umwelt. Philipp berichtete von der Elektrifizerung der Sowjetunion, die vor allem durch Wasserkraft geleistet wurde. Auch ein Vertreter der Umweltgewerkschaft zeigte auf, wie in diesem Land in vielen Bereichen wie des Transports, der Warenproduktion, des ökologischen Landbaus ohne Kunstdünger, der Ablehnung von Großprojekten, der Anpflanzung von 5300 km Waldgürteln zur Verhinderung der Ausbreitung von Wüsten eine Einheit mit der Natur praktiziert wurde. Und wie all das mit dem XX. Parteitag zerschlagen wurde und der Sozialismus von innen heraus zerstört wurde. Der Sozialismus hatte eine Gesellschaft weitestgehend in Einheit mit der Natur verwirklicht.
Kommando Umsturz sang passend: „Doch wie lange noch – schaust du der Katastrophe zu?“ Und Renate trug dazu ein wunderbares Gedicht vor. Es begann mit den Worten: „Mutter Erde, Perle der Schönheit ...“. Und sie griff den Einfluss des Skeptizismus und des Negativismus auf, in Aussagen wie „du kriegst doch drei nicht unter einen Hut“ oder „Gegen die da oben sind wir doch machtlos“, von deren Wirkung kaum jemand verschont wird.
Im Anschluss fand ebenfalls am Schlossplatz eine Kundgebung gegen die Bombadierung der palästinensichen Bevölkerung im Gazah statt. Die LLL-Kundgebung solidarisierte sich mit diesen Protesten und Kommando Umsturz sang das ergreifende Lied: „We will not go down, in Gazah tonight“ von Michael Heart.