Kirchhellen

Kirchhellen

„Ich finde das ziemlich wichtig, dass die Arbeiter und Bauern zusammen kämpfen“

Interview mit einem 20-jährigen Junglandwirt bei einer Protestaktion in Kirchhellen (NRW) am 8. Januar.

Warum gehst Du heute auf die Straße?
Ich will der Regierung zeigen, dass es nicht so weitergeht, wie sie mit uns umgehen. Und dass diese Schulden, die sie aufbauen, nicht auf die Bürger abgewälzt werden können. Es ist schwierig, sich mit der Landwirtschaft noch etwas aufzubauen oder eine Zukunft zu haben, wenn sie die ganze Zeit von oben nur drücken.

 

Was sagst du zur Frage, dass die Agrarpolitik zu Lasten der kleinen und mittleren Bauern geht?
Was soll man da noch viel sagen? Die ganzen Regierungen sind daran gegangen. Sie haben gar keine Ahnung davon, es ist noch nicht einmal praxisnah, was sie uns sagen, was wir machen sollen. Dass sie sich dann noch nicht mal anhören, was die Bürger sagen, finde ich ziemlich traurig. Mit unserer Regierung hat man oft schlaflose Nächte, wenn man nachdenkt, was als nächstes kommt und wie es dann weitergeht. Dabei ist es ein Traum, weiterzumachen.

 

Was meinst du zu dem Vorwurf, alle Bauern wäre gegen Umweltschutz?
Ich halte da gar nichts von, das stimmt einfach nicht. Wir machen ja viele Sachen, zum Beispiel mit den ganzen Zwischenfrüchten oder Blühstreifen. Da geben wir gerne viel von unseren Flächen dafür ab. Wir wollen der ganzen Bevölkerung zeigen, dass wir auch für Naturschutz sind. In anderen Ländern werden irgendwelche Mittel eingesetzt, die bei uns schon zehn Jahre verboten sind. Entweder macht man gleichwertige Standards oder es lohnt sich einfach nicht. Dann muss man auch gucken, ab welchem Punkt es sich gar nicht mehr rechnet und der Betrieb dann dichtmachen muss.

 

Was sind die Forderungen? Es gibt ja die Forderung Erzeugerpreise rauf, Verbraucherpreise runter. Das meiste Geld stecken sich doch die Handelskonzerne ein.
Die regionalen Bauern kommen durch die Großkonzerne nicht mehr zum Zuge. Dauernd werden die Preise gedrückt. Das ist dann klar, dass kleine Betriebe aufhören, wenn es sich einfach nicht mehr lohnt. Deshalb finde ich es gut, dass viele Landwirte auf die Automaten usw. gehen, weil das für die ganze Bevölkerung ist, wo man dann auch regional bei den Bauern weiß was man kriegt.

 

Siehst Du in der CDU oder AfD eine Alternative zur Ampel-Regierung?
Jeder hat halt seine Vorstellungen, aber solange man nicht mit uns Landwirten redet, sind wir erst mal skeptisch gegen alle. Ich hoffe mal, dass nach dieser Demo man dann auch gemerkt hat, wozu die Bauern imstande sind und die Regierung das dann auch weiß, Deshalb finde ich es gut, dass so viele Landwirte heute, hier in Kirchhellen sind 60 Landwirte angekommen, um mit uns zu demonstrieren. Auch die Verbraucher und die Handwerker arbeiten mit uns zusammen.

 

Was sagst du zu der Losung, dass die Arbeiter und Bauern zusammen kämpfen müssen?
Ich finde das ziemlich wichtig, dass die Arbeiter und Bauern zusammen kämpfen, weil alle haben irgendwo die gleichen Probleme. Die Regierung geht ja nicht nur auf die Landwirte los, sondern auf die ganze Bevölkerung.

 

Was meinst du generell zu diesem Wirtschaftssystem? Die MLPD ist der Meinung, dass das kapitalistische Wirtschaftssystem keine Zukunft hat und wir den echten Sozialismus brauchen?
Ja, schwierig zu sagen. Wenn sich die Großkonzerne nicht immer so einmischen würden oder auch die Regierung da nicht so viel in diese Richtung schieben würde, dann wäre das anders. Dann wären andere landwirtschaftliche Betriebe, die kleiner sind, mit 50, 60 Tieren wären auch noch da und würden nicht ihre Betriebe jetzt zumachen und in andere Zweige gehen. Da ist auch eine lange Familiengeschichte dahinter und das finde ich schon ziemlich traurig.