Also predigt der Bischof

Also predigt der Bischof

Bauernproteste: "Es rettet uns kein höh'res Wesen ..."

Nun hat es angesichts der Bauernproteste auch den Limburger Bischof Georg Bätzing (Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz) zur Predigt getrieben. Er ruft zu „Einigkeit und Frieden“ auf und: „Lassen sie uns aufeinander zugehen und gemeinsam Lösungen finden, die dem Wohle aller dienen! ... Wir dürfen nicht zulassen, dass Misstrauen und Wut die Oberhand gewinnen. ... In Zeiten der Herausforderung und Veränderung sei es entscheidend, dass wir zusammenstehen und unsere Differenzen durch Dialog und gegenseitiges Verständnis überbrücken“ (Westdeutsche Zeitung, 9. Januar 2024).

Leserbrief von Jupp Eicker

Wie das aussieht, kennt man ja schon zur Genüge aus den großartigen Lösungen mit den ganzen Missbrauchsskandalen.

 

Aufeinanderzugehen und gemeinsam Lösungen finden zum Wohle aller? Die Klein- und Mittelbauern sollen demnach mit den Großagrariern, mit den Drückern der Erzeugerpreise und Verbraucherpreistreibern wie Südzucker, ALDI, LIDL, der vom Chef Müller Milch geförderten AfD, der Regierung und übrigen bürgerlichen Parteien die Differenzen durch Dialog und gegenseitiges Verständnis überbrücken.

Halleluja! Die Differenzen und Interessen sind unüberbrückbar!

In der Arbeiterbewegung nennt man Ratschläge wie die unseres heiligen Mannes Klassenversöhnung und heraus kommt nur Mist für die Arbeiter und Angestellten, wenn sie zur Durchsetzung ihrer berechtigten Forderungen auf entschlossenen Kampf im Vertrauen in die eigene Kraft verzichten. Oder sollte der Herr Bischof sich doch schaudernd an die mittelalterlichen Bauernkriege um 1525 erinnert haben und an das Lied über zehntausende rebellische Bauern „Wir sind des Geyers schwarze Haufen“, worin es u.a. heißt: „Wir woll'n mit Pfaff und Adel raufen ...“.

 

Die Amtskirche hat schließlich einiges zu verlieren: Die römisch-katholische Kirche ist mit 8250 km² Grundeigentum größter privater Grundbesitzer in Deutschland. Die katholischen Kirchgemeinden verfügen über knapp 200.000 Hektar Pachtland. Und die Evangelische Kirche hat etwa 310.000 Hektar an Landwirte verpachtet – davon 170.000 Hektar in Ostdeutschland. Zur letzten offiziellen Erhebung des Statistischen Bundesamtes lagen die Pachtpreise in den ostdeutschen Ländern für Ackerland zwischen 157 und 313 Euro je Hektar. Im Westen wurden je nach Bundesland zwischen 220 und 546 Euro Pacht verlangt. Im Landkreis Vechta müssen die Bauern für Kirchenland mit Pachtpreisen von bis zu 1.200 Euro rechnen und im Landkreis Cloppenburg sind es bis zu 950 Euro. Da klingeln dann zu den Pachtzahlungen die Profitglocken.

Die Klein- und Mittelbauern werden bei der Pachtvergabe zusehends untergepfügt.

Nun sind nicht wenige dieser Bauern noch gläubige Christen, auch in entsprechenden dörflichen Vereinen aktiv. Das ist ihre persönliche Angelegenheit, aber durchaus kein Gegensatz zu einem entschlossenen Kampf. Der gelingt umso besser, je mehr sie sich von den seltsamen Ratgebern in den Talaren mit deren aus dem Feudalismus übernommenen Moralvorstellungen und den Bevormundungen der Amtskirche verabschieden.

 

Das trifft auch zu auf die CDU. Seit ihrer Gründung stellt sie sich - zur Täuschung der Wähler und unterstützt von der katholischen Kirche - als Hüterin der christlichen Tradition und der Landbevölkerung dar. In Wirklichkeit ist sie eine Partei, die konsequent die Interessen der Großgrundbesitzer, der Großkonzerne und des deutschen Imperialismus vertritt.

 

Die Klein- und Mittelbauern haben nur eine Zukunft an der Seite und unter Führung der Arbeiterklasse. Wie heißt es so schön in deren Hymne, der Internationale: „Es rettet uns kein höhres Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun.“