Leserbrief

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Bauernproteste: Eine klare Abgrenzung von faschistoiden bis faschistischen Kräften ist nötig

Zum Artikel „Hysterische Debatte über Landwirte-Aktion im Hafen von Schlüttsiel“, der am 6. Januar auf „Rote Fahne News“ erschienen ist, und zum Leserbrief von Monika Gärtner-Engel dazu (7. Januar) erreichte die Redaktion der folgende Leserbrief:

Korrespondenz aus Dresden

… Ich finde den kritischen Leserbrief von Monika Gärtner Engel sehr gut. Es ist richtig, was sie darin ausführt.


Grundsätzlich gilt auch für mich: Die Proteste der Bauern sind berechtigt, in der Form, in der das in den Punkten Erstens und Zweitens des Leserbriefs geschildert wird.


Und auch ich sehe die Problematik, wie sie unter Drittens geschildert wird: Die "klammheimliche Sympathie" nach der Aktion mit der Blockade der Fähre durch die Bauern hatte ich am Donnerstag auch im ersten Moment. Aber ich habe mich dann selbst hinterfragt, ob das richtig ist. Und da war meine mir selbst gegebene Antwort: Nein. Warum?

 

Es war schon in den Tagen zuvor deutlich geworden, dass diese Protestbewegung von der AfD unterstützt wird. Auch schon in den Tagen zuvor waren Bilder von Galgen mit Ampel in den sozialen Netzwerken erschienen. Das beides allein schon verrät doch, wes Geistes Kind auch hinter den Initiatoren der Fährenblockade offensichtlich zu suchen ist.


Ich betone nochmals: Es ist richtig, dass die Bauern gegen die massenfeindliche Sparpolitik der Regierung kämpfen. Auch Blockaden können da geeignete Kampfformen sein. Falsch ist es, sich dafür mit faschistoiden bis faschistischen Kräften zu verbünden; eine klare Abgrenzung davon wäre notwendig. Das ist auch von der Masse der kämpfenden Bauern zu erwarten und dafür sind sie auch ganz klar zu kritisieren.

 

Im Nachhinein entwickelt sich eine weitere Problematik hinsichtlich der Aktion gegen Habeck: Die einen finden es nach wie vor toll, dass da die Fähre blockiert wurde, wieder andere "vergessen" jetzt offenbar, dass auch Habeck Träger einer massenfeindlichen Monopolpolitik ist, obwohl auch sie bis Donnerstag an seiner Politik massive Kritiken hatten. Sie versuchen jetzt, eine Art Solidarität mit ihm zu entwickeln.


"Team Habeck" geistert da inzwischen durchs Internet. Das verwischt aber die ganze Angelegenheit, denn von der Seite aus wird nicht mehr zwischen der Person (Angriffe gegen die Person oder auch gegen Familienangehörige sind abzulehnen) und seiner Politik unterschieden.


Und etwas ganz wichtiges wäre da noch zu betrachten: Es ist die Rede von den "Bauernprotesten". Wer sind "die Bauern"?

 

Das ist doch genauso wenig eine homogene Gruppe, wie die "Belegschaft eines Industriebetriebes", die nicht nur aus Industriearbeitern besteht, sondern auch Leitungsebenen bis hin zum Betriebsleiter einschließt.


Auch bei den Bauern, den Landwirten, gibt es doch abhängig Beschäftigte, Kleinstunternehmer, die in einer ähnlich prekären Situation sind, wie die abhängig Beschäftigten, und die Bosse von größeren Agrarunternehmen.


Diese beuten dann auch in der Erntesaison bedenken- und skrupellos Billigarbeitskräfte aus Polen oder anderen ärmeren Ländern aus.


Welche von diesen Gruppen ist es in erster Linie, die die Proteste organisiert? Auch diese Frage müssen wir uns alle beantworten, wenn wir uns einen klaren Standpunkt zu den Bauernprotesten erarbeiten wollen.


Insgesamt sind es in dieser Sache viele Dinge, die gemeinsam geklärt werden müssen.
Viele Grüße.

 

Link zur gesamten Auseinandersetzung: https://www.rf-news.de/2024/kw01/zu-dem-artikel-ueber-die-begegnung-von-robert-habeck-mit-den-bauern