Wieder Dauerregen
Hochwasserlage verschärft sich - katastrophale Mängel beim Katastrophenschutz
Immer neuer Regen verschärft die Hochwasserlage in Deutschland erneut. Kurzzeitig waren einige Pegelstände gesunken, jetzt steigen sie vielerorts wieder. So wird der Rheinpegel in Köln bis Samstag möglicherweise die Acht-Meter-Marke überschreiten.
Bis in die Nacht zum Donnerstag sollen laut Deutschem Wetterdienst 30 bis 50 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Betroffen von diesen Regenmassen sind vor allem Niedersachsen, Teile von Nordrhein-Westfalen, der Süden von Sachsen-Anhalt und Thüringen. Aber auch Bayern und Baden-Württemberg trifft die Regenfront. In Staulagen der Mittelgebirge können bis zu 100 l/qm Regen fallen. [1]
Insbesondere in Niedersachsen, aber auch in Bremen, Sachsen-Anhalt und Nordthüringen sind teilweise riesige Landstriche unter Wasser. Ganze Dörfer und Ortsteile mussten evakuiert werden. Die vorhandenen Deiche sind an vielen Stellen dermaßen aufgeweicht, dass sie zu brechen drohen. Millionen von Sandsäcken, die inzwischen auch aus dem ganzen Bundesgebiet angeliefert werden, sollen die Deiche sichern und Häuser vor dem Hochwasser schützen. Möglicherweise, so einige Medienberichte, gehen die Sandsäcke sogar zur Neige.
Gestörte Jetwinde: Ein Tief nach dem anderen rast vom Nordatlantik nach Europa
Im Rote-Fahne-News-Artikel über das Extremwetter während der Weihnachtsfeiertage haben wir als Ursache dafür Veränderungen des Systems der Jetwinde (Höhenwinde) benannt und aus dem neuen Buch der MLPD „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen“ zitiert: „Wind entsteht durch Ausgleich von Luftdruckunterschieden in der Atmosphäre, die wiederum auf Temperaturunterschiede zurückgehen. Die Temperatur in der Arktis hat sich seit 1979 viermal schneller erwärmt als im globalen Durchschnitt. ... Infolge der raschen Erwärmung der Arktis hat sich der Temperaturunterschied auf der Erdoberfläche zwischen Äquator und Nordpolargebiet reduziert, was den polaren Jetwind schwächte. Gleichzeitig steigt dadurch, insbesondere durch die starke Erwärmung oberhalb des Äquators, mehr Wasserdampf bis in höhere Schichten der Troposphäre auf und setzt dort Wärme frei, was den Temperaturunterschied zwischen Äquator und Arktis in der Höhe wiederum verstärkt. Die Jetwindbänder beginnen zu mäandern, das heißt, sie bewegen sich uneinheitlich, wellenförmig und gegenläufig. Sie bilden Dellen und verringern so ihre Zirkulargeschwindigkeit. Diese in sich widersprüchliche Entwicklung führt häufiger zu lang anhaltenden Wetterlagen". (Seite 398f)
Dieser Zusammenhang zwischen dem anhaltenden Hochwasser und Störungen des Jetwindsystems wird inzwischen auch von anderen Wissenschaftlern bestätigt. So schreibt der Deutsche Wetterdienst, dass der viele Niederschlag mit daher komme, dass der derzeitige Jetstream so etwas wie eine „Schnellstraße für Tiefdruckgebiete“ sei. „Folglich rast ein Tief nach dem anderen vom Nordatlantik in Richtung Europa“, erklärt der Meteorologe Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst. Immer wieder würden zwar Hochdruckgebiete versuchen, sich zwischen den Tiefs aufzubauen. Sie haben aber keine Chance, länger zu verweilen.
Immense Schäden - Versicherungen teilweise unerschwinglich
Die Schäden an Häusern und Wohnungen sind immens. „Das Wasser steht gut 20 Zentimeter hoch an der Wand“, berichtet eine Anwohnerin. „Klar, es gibt die Versicherung gegen Elementarschäden. Aber wer kann sich das leisten?“ fragt berechtigt ein betroffener Anwohner in Verden an der Aller. Gibt es vom Bund Hilfe, fragen sich viele Menschen. Bisher waren nur warme Worte vom Bundeskanzler Olaf Scholz bei seinem Besuch in Verden zu hören, konkrete Zusagen machte er nicht. Eine Frau machte ihrem Zorn Luft: „Scholz soll nicht gucken, er soll uns helfen! Schippe in die Hand!“ Neben dem Technischen Hilfswerk und dem Roten Kreuz sind es vor allem die Anwohner selbst, die sich solidarisch helfen und beim Schutz durch Sandsäcke mit anpacken.
Katastrophenhilfe katastrophal unterfinanziert
Nach der Ahrtalkatastrophe hat die Bundesregierung dem Deutschen Roten Kreuz zehn mobile Betreuungsmodule zugesagt, in denen im Notfall bis zu 5000 Menschen versorgt werden könnten. Bisher ist ein einziges dieser Module finanziert, beim zweiten stockte die Finanzierung bei 10 Millionen Euro. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Ein Bruchteil der Subventionen für die Chip-Fabriken in Magdeburg und Dresden würden reichen, um wenigstens diese elementaren Schutzvorrichtungen für die Menschen auf Kosten der Hauptverursacher der globalen Klimakatastrophe zu bezahlen! Das von Bund und Ländern gegründete Gemeinsame Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz (GeKoB) in Berlin verharrt im Zustand von "under construction" und ist nicht einsatzfähig! Nicht einmal Geld für die Schulung aller ehrenamtlichen Kräfte, die 90 Prozent der Aktivitäten im deutschen Bevölkerungsschutzsystem ausmachen, wird eingesetzt.
Schutzprogramme erkämpfen - als Schule des gesellschaftsverändernden Umweltkampfs
Das gestörte Jetwindsystem gehört zu den irreversiblen zerstörerischen Prozessen der begonnenen globalen Umweltkatastrophe. Diese Entwicklung setzt den Kampf um den echten Sozialismus auf die Tagesordnung! In diesem Sinne sind die Leitlinien für ein erweitertes Kampfprogramm der Sofort- und Schutzmaßnahmen gegen die globale Umweltkatastrophe, die in dem Buch "Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen" entwickelt werden zu verstehen - der Kampf um diese Forderungen muss als Schule des gesellschaftsverändernden Umweltkampfs geführt werden.
- Übernahme aller Kosten für die Maßnahmen des Sofort- und Schutzprogramms durch Monopole und Staat, volle Gültigkeit des Verursacherprinzips.
- Kampf für eine Umweltsteuer, berechnet nach Umsatz/Vermögen und Anteil an der Umweltzerstörung, für alle Konzerne, Monopole und Superreichen.
- Einsatz der gewonnenen Mittel zur Beseitigung von Umweltschäden, zur Finanzierung der ökologischen Umstellung gesellschaftlicher Aufgaben wie Energiegewinnung, Heizungen usw. und für Hilfen an die Betroffenen regionaler Umweltkatastrophen.
- Einführung eines allseitigen und umfassenden Früh- und Akutwarnsystems. Umfassender Ausbau von Rettungsdiensten, bürgernaher Notfallmedizin, Bergwacht, Feuerwehr und Katastrophenhilfe.
- Schneller Auf- und Ausbau weiträumiger Überlaufflächen, Entsiegelung und drastische Einschränkung weiterer Flächenversiegelung.