Palästina
Gaza: Krankheiten werden explodieren - auch nach dem Krieg
Israel bombardiert im Gazastreifen große und kleine Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen.
Wie bei der Bombardierung der Millionenstadt Mossul im Irak drohen in den Kriegsgebieten Epidemien und Seuchen. Viele Menschen, die noch nicht verletzt sind, erkranken wegen der miserablen hygienischen Verhältnisse. Es entstehen multiresistente Keime, gegen die Antibiotika – falls noch vorhanden – nicht mehr helfen.
Der im Irak entstandene multiresistente Keim «Acinetobacter baumannii» wurde unter dem Namen «Iraqibacter» bekannt. Die WHO setzte ihn als Krankheitserreger Nr. 1 in der «Global Priority Pathogens List» ein. Er infiziert Wunden und breitet sich über die Blutbahnen aus. Er verursacht Sepsis, Meningitis, Verlust von Gliedmaßen und Tod. Eine Studie aus dem Jahr 2022, die in The Lancet erschien, listet «Iraqibacter» als einen der sechs tödlichsten unter den arzneimittelresistenten Erregern auf. Zusammen sind diese sechs Keime für Millionen von Todesfällen verantwortlich.
Die Lage im Gazastreifen sei für die öffentliche Gesundheit eine «Zeitbombe», erklärte Omar Dewachi, Professor für medizinische Anthropologie und globale Gesundheit an der State University in New Jersey. Er forscht zu den sozialen, medizinischen und ökologischen Folgen der Kriege im Irak und im übrigen Nahen Osten. Unter dem Titel «Ich war Arzt in Irak. Jetzt sehe ich diesen Alptraum wieder» appellierte Dewachi In der «New York Times» an die Kriegführenden: «Man darf keine Spitäler bombardieren – auch nicht, um den Terrorismus zu bekämpfen.»
«Die Notlage in Gaza hat die Verwüstung in den Schatten gestellt, die ich in Mossul und anderen Konfliktgebieten erlebt habe», konstatiert Dewachi. Im Norden des Gazastreifens seien fast alle Krankenhäuser geschlossen, weil es an Elektrizität, funktionierender Kanalisation, sauberem Wasser, Lebensmitteln und grundlegender medizinischer Versorgung mangle.