Säbelrasseln auf dem Roten Meer

Säbelrasseln auf dem Roten Meer

Neuer Brandherd für Weltkriegsgefahr - US-geführte Marinemission gegen Huthi-Attacken auf Frachtschiffe

Seit dem 19. November greifen Huthi-Milizen an der strategisch wichtigen Meerenge Bab al-Mandab zwischen Somalia und Jemen mit Raketen und Drohnen Frachtschiffe an. An diesem Tag hatte ein Huthi-Kommando mit einem filmreifen Hubschrauberangriff die "Galaxy Leader" geentert und die Besatzung gezwungen, den jemenitischen Hafen Hudaida anzusteuern. Mindestens zehn weitere Schiffe wurden seither angegriffen.

Von gis
Neuer Brandherd für Weltkriegsgefahr - US-geführte Marinemission gegen Huthi-Attacken auf Frachtschiffe
Mehrere große Reedereien schicken ihre Schiffe nicht mehr durch den Suez-Kanal, sondern auf den zwei Wochen längeren Weg um das Kap der guten Hoffnung (rf-foto)

Mehrere große Reedereien sowie der Ölkonzern BP meiden vorläufig das Rote Meer, darunter Maersk, Hapag-Lloyd und MSC. Die Containerschiffe fahren nicht mehr durch den Suez-Kanal, sondern nehmen den rund zweiwöchigen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung. Ägypten als Betreiber der Schifffahrtsstraße drohen hohe Einnahmeverluste.

Multinationale Marinemission unter Führung des US-Imperialismus

US-Verteidigungsminister Lloyd Austin verkündete am Montag, dass er die "Operation Prosperity Guardian" ("Wächter des Wohlstands") ins Leben gerufen habe. Die Schifffahrt müsse geschützt werden, es drohen sonst "ernste Gefahren für die Weltwirtschaft". Bei den Betreibern und Kunden der Container-Schifffahrt geht es um Milliardenbeträge an Maximalprofiten. Aber es geht nicht nur um Profite. Es sind machtpolitische Schlachten. Die Operation dient der Sicherung des Einflusses von Israel und US-Imperialismus in der Region. "Operation Prosperity Guardian" untersteht der Task-Force 153, die seit 2022 im Einsatz ist. Sie ist eine von fünf Task-Forces unter dem Schirm der Combined Maritime Forces. Diese Allianz ist seit 2002 rund um die Arabische Halbinsel und das Horn von Afrika im Einsatz. Saudiarabien, die Emirate und Ägypten gehören zu den 39 Mitgliedsstaaten der Combined Maritime Forces, machen aber bei den "Wächtern des Wohlstands" nicht mit. Diese Art Doppel- und Dreifachspiel greift in den komplexen Geflechten neu- und altimperialistischen Staaten immer mehr um sich. Neben den USA sind vorläufig neun weitere Länder an der Operation beteiligt, darunter Frankreich, Großbritannien, Kanada, Italien und Spanien. Bahrein ist als einziger Golfstaat beteiligt. In Deutschland setzen sich die Kriegstreiber von CDU und FDP vehement für eine Beteiligung an der militärischen Operation ein. Es fehlen noch das Bundestagsmanadat und geeignete Schiffe. Hier besteht die Gefahr eines direkten militärischen Schlagabtauschs.

Wer sind die Huthis alias "Helfer Gottes"?

Die Huthi-Milizen - ihre Eigenbezeichnung lautet "Helfer Gottes" - wurden in den 1990er Jahren im Jemen gegründet. Anfangs sind sie als Opposition gegen den damaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh aufgetreten. Eine wesentliche Stärkung erlebten die Huthi ab 2003/4 mit der US-Amerikanischen Invasion im Irak. Sie sprechen dem Staat Israel jegliches Existenzrecht ab. Bestandteil ihrer Losungen ist der faschistisch-rassistische Schlachtruf "Verdammt seien die Juden!" Ihre Stärke wurde 2020 auf 200.000 Kämpfer gerechnet (eine Verdoppelung in neun Jahren). Ihre Ausrichtung entspricht der vom Iran angestrebten Linie der „Achse des Widerstands“, zu der sie und auch die Hisbollah gerechnet werden. Obwohl die Huthi bis 2021 erklärte Feinde der islamisch-sunnitischen Muslimbrüder und damit der Hamas waren, beteiligen sich durch Drohnen- und Raketenangriffe an den aktuellen Kämpfen in Palästina. Auch ihre Angriffe auf die Frachtschiffe sehen sie als Unterstützung der Palästinenser, indem Lieferungen an Israel unterbunden werden sollen. Sie fordern außerdem, dass Medikamente und Lebensmittel in den Gazastreifen geliefert werden. Diese Forderung und das Amliegen, dass Israel für seinen barbarischen Krieg gegen die palästinensische Zivilbevölkerung keine Waffen und Munition mehr geliefert wird, sind richtig. Jedoch sind Huthis wie Hamas und Hisbollah nicht Bestandteile des palästinensischen Freiheitskampfes, weil sie ihrerseits in Verbindung mit neuimperialistischen Kräften, zuvorderst dem Iran, agieren. Die Huthis sind kein kleiner Rebellenhaufen, sondern eine professionell organisierte Miliz. Seit 2015 üben sie die Kontrolle über die jemenitische Hauptstadt Sanaa aus.

Weniger "Helfer Gottes" als Kriegshelfer neuimperialistischer Kräfte

Der Gazakrieg ist wie der Ukrainekrieg Ausdruck des sich zuspitzenden imperialistischen Konkurrenzkampfs zwischen alten und neuen Imperialisten. Die Supermacht USA mit ihren Verbündeten und das aufstrebende neuimperialistische China mit zahlreichen Partnern unter den neuimperialistischen Ländern ringen erbittert um Macht, Einfluss, Märkte, Ressourcen. Im Nahen Osten besteht die Gefahr eines Flächenbrandes. Erst heute wieder hat Isarels Regierungschef Benjamin Netanjahu verkündet, er gedenke nicht, den Krieg zu beenden. UN-Resolutionen beeindrucken ihn überhaupt nicht. Die Neuimperialisten fördern und bedienen sich islamistisch-faschistischer bewaffneter Terrororganisationen für ihre Kriegsziele.

Private Sicherheitsfirmen - Zeugen von Veränderungen in der Piraterie

Dimitris Maniatis ist Mitbetreiber der Firma Seagull, die von Reedereien zur Abwehr von Piraten- und weiterer Angriffe auf ihre Schiffe engagiert wird. Er beobachtet Veränderungen bei diesen Attacken: "Unsere Teams sind erst mal dafür da, mit nichtstaatlichen Akteuren umzugehen. Piraterie ist ein Finanzverbrechen: Die wollen das Boot und seine Crew entführen und ein Lösegeld heraushandeln. Das war zumindest bis vor Kurzem noch so, als das ein rein privatwirtschaftliches Business war, ohne Verbindungen zur Geopolitik. Nach diesen jüngsten Angriffen haben wir unsere Vorgehensweise aber angepasst, wir bieten neue Sicherheitslösungen an. Manchmal arbeiten wir jetzt schon eher wie eine private Kriegsmarine."