Duisburg
Völkerverständigung in der U-Bahn
Neulich in der Straßenbahn: Ich, als ältere Frau mit weißen Haaren. Nebenan sitzen drei junge Männer, vielleicht 16, 17 Jahre alt, unübersehbar mit Migrationshintergrund.
Einer hat die Schuhe auf dem gepolsterten Sitz gegenüber.
Ich sage: „Nimm doch die Füße runter. Das darfst du doch zu Hause auf dem Sofa auch nicht, da würde deine Mutter dir was erzählen…“. „Ich habe eine eigene Wohnung“. „OK, dann kannst du machen, was du willst, wenn du eben gerne Schei... auf der Couch hast. Aber das hier ist nicht deine Couch, da setzen sich nachher fremde Leute hin und haben dann die Klamotten dreckig. Man muss immer an die anderen Leute mit denken“.
Er nimmt die Füße runter, grinst verschämt, aber freundlich. Der Zweite sagt, ein bisschen aggro: „Wissen Sie überhaupt, wessen Tuch Sie da tragen“? „Ja klar, ein Palästinensertuch“. Er, ganz stolz: „Ich bin Palästinenser“. Ich: „Ich trage das, weil ich solidarisch mit deinem Volk bin, das schon so lange kämpft und jetzt unter der israelischen Regierung so leiden muss. Aber ich bin nicht solidarisch mit Hamas“. Der Dritte, offenbar auch Palästinenser: „Hamas macht es nur genauso wie die Juden“. Ich: „Wer sind denn 'die Juden'? Das ist die faschistische israelische Regierung von Netanjahu, die das macht, genauso faschistisch wie Hamas, die einfache Leute aus Israel umbringt. In der jüdischen Religion gibt es Arme und Reiche, Menschen, die leiden und kämpfen und Menschen, die ausbeuten und unterdrücken, wie bei den Christen oder den Moslems auch“.
Sie diskutieren untereinander, was ich nicht verstehe, dann müssen sie aussteigen. Alle drei verabschieden sich von mir mit dem V-Zeichen. Vielleicht ist hier aus einer kleinen Erziehungsmaßnahme für eine saubere Bahn sogar ein Beitrag zur Völkerverständigung geworden.