Dortmund
Prozessauftakt gegen Polizisten wegen der Erschießung von Mouhamed
In Dortmund fand heute vor dem Landgericht der Prozessauftakt gegen die fünf Polizisten statt, die am 8. August 2022 an der Tötung des jungen senegalesischen Flüchtlings Mouhamed Lamine Dramé beteiligt waren.
Der Freundeskreis Mouhamed hatte im Vorfeld den Prozess nochmals bekanntgemacht und zu einer Kundgebung vor dem Dortmunder Landgericht aufgerufen. Hier der Aufruf des Freundeskreises Mouhamed.
Dass der Prozess überhaupt stattfindet und bundesweit stark beachtet wird, ist einzig und allein der großen Solidarität zu verdanken, an deren Entfaltung der Freundeskreis Mouhamed und der Freundeskreis Flüchtlingssolidarität über mehr als ein Jahr unermüdlich gearbeitet haben.
Die Stadt Dortmund gewährt der Familie von Mouhamed jetzt finanzielle Unterstützung. Damit will sie sie aber auch vom weiteren Kampf um lückenlose Aufklärung und Bestrafung der Täter abhalten. Sidy, der Bruder von Mouhamed, sagte: "Damit kann unsere Familie keinen Frieden finden."
An den beiden Kundgebungen vom Freundeskreis und vom Solidaritätskreis vor Beginn der Verhandlung nahmen mehr als 200 Menschen teil. Etwa 50 konnten auch in den Gerichtssaal, dazu 47 Medienvertreter und -vertreterinnen. Bei der Kundgebung des Freundeskreises Mouhamed und des Freundeskreises Flüchtlingssolidarität kamen außer diesen auch Vertreter und Vertreterinnen der IG Metall, der MLPD, vom REBELL und verschiedene einzelne Personen zu Wort.
Bei der Verhandlung wurde die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft verlesen mit der detaillierten Schilderung des Tathergangs. Von den Angeklagten äußerte sich nur der Polizist, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat, über seinen Anwalt. Er habe sich von Mouhamed bedroht gefühlt, er habe nicht wegen seiner Hautfarbe auf ihn geschossen.
Die Polizisten, die Taser und Pfefferspray eingesetzt hatten, sind wegen Körperverletzung, der Schütze wegen Totschlags angeklagt. Der Freundeskreis Mouhamed und der Freundeskreis Flüchtlingssolidarität fordern restlose, lückenlose Aufklärung und Verurteilung und Bestrafung aller Verantwortlichen in Polizei und Politik. Der nächste Prozesstermin ist für den 10. Januar angesetzt.