Immobilien-Spekulationsblase platzt

Immobilien-Spekulationsblase platzt

Adler stürzt in Düsseldorf ab – Stadt sucht neue Immobilien-Geier

Düsseldorf ist als Schicki-Micki-Stadt bekannt und berüchtigt für horrende Mieten. Für Mieter wird die Situation Jahr für Jahr unerträglicher. Obwohl nach aktuellem Sozialrecht jeder Haushalt einen Anspruch auf eine angemessene Sozialwohnung hat, wenn die bruttowarme Miete (Miete plus Nebenkosten und Heizung) über 30 Prozent des Nettoeinkommens steigt.

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Doch Tatsache ist, „in Düsseldorf haben 50 Prozent der Bevölkerung einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein und damit auf eine Sozialwohnung. Da es aber nur für 5 Prozent eine gibt, besteht akuter Handlungsbedarf“, so Hans-Jochem Witzke, der Vorsitzende des Mieterverein Düsseldorf e.V zur aktuellen Wohnsituation. [1]

 

Baugrund für den Wohnungsbau gibt es in Düsseldorf reichlich und der ist bei den Immobilieninvestoren heiß begehrt. Bereits 2009 kaufte ein Immobilienkonzern das „Glasmacherviertel“ in Gerresheim und versprach, dort 1.700 Wohnungen zu bauen. Weitere 1.100 Wohnungen sind seit 2011 auf dem ehemaligen Postgelände in der Nähe des Hauptbahnhofs, heißt heute Grand Central, geplant. Nur gebaut wird dort, wie auf weiteren fünf Großgrundstücken nicht (oder kaum), sondern darauf spekuliert, durch teure Weiterverkäufe satte Profite zu machen.

 

„Share deal“ werden diese Spekulationsgeschäfte genannt, bei denen nicht die Grundstücke, sondern lediglich Anteile der jeweiligen Projektgesellschaften weiterverkauft werden. So umgeht man die bei jedem Weiterverkauf fällige Grunderwerbssteuer. Beispielhaft sind die Spekulationsgeschäfte mit dem Grand Central: Die Deutsche Post AG verkauft das Gelände an den luxemburgischen Immobilienunternehmer Lorac Investment, der es 2015 an die Catella weiterverkaufte. Die wiederum 2019 einen Großteil des Geländes an das Unternehmen CG Group verkauft. Die CG Group wurde wiederum von dem Immobilienunternehmen Consus Real Estate AG geschluckt, bevor beide dann schließlich zu Opfern der aggressiven Übernahmestrategie der Adler Group geworden sind. Damit ist die Adler Group nun Eigentümerin des größten Teils der Grand Central Projektgesellschaft wie auch bei den anderen Großprojekten in Düsseldorf. [2]

 

Cornelia Zuschke, die oberste Düsseldorfer Stadtplanerin, muss in einem Interview eingestehen, „Spekulation verhindert Wohnungsbau. ...In den vergangenen Jahren ist viel mit Boden spekuliert worden. Das hat dazu beigetragen, dass vielversprechende Wohnungsbauvorhaben nicht realisiert wurden, weil die Grundstücke vor Baubeginn weiterverkauft wurden.“ Dagegen sei die Stadt machtlos: „Von Share Deals erfahren wir nur nach Blick ins Handelsregister. Weil keine Grundstücksübertragung stattfindet, können wir nach der bisherigen Rechtsauffassung kein Vorkaufsrecht ausüben.“ [3]

 

Doch nun platzt aktuell die Düsseldorfer Immobilien-Spekulationsblase! Bereits der kleinere Spekulant „Projekt Immobilien“ mit fünf Pleite-Grundstücken in Düsseldorf ist insolvent. [4] Und die Stadtspitze erwartet als nächstes die Insolvenz der Adler Group, einem der größten Immobilienkonzerne in Deutschland. Nach eigenen Angaben besaß sie Ende 2021 Objekte im Wert von fast 13 Mrd. Euro und knapp 70.000 Mietwohnungen.

 

Insolvenz bedeutet aber nicht Ende der Spekulation, im Gegenteil. Vonovia, LEG und weitere Immobilienkonzerne feilschen bereits um die Filetstücke der Adler-Grundstücke in Düsseldorf. Aus einer geheimen Sitzung des Planungsausschuss der Stadt wurde bereits ein erster „Erfolg“ wenigstens für das Grand Central bekannt: „Ein großer Partner soll das Grand Central übernehmen.“ [5]

 

Der Kampf um bezahlbare Wohnungen muss entschieden gegen die Immobilien-Spekulation und Miethaie geführt werden. Gegen explodierende Mieten und Nebenkosten – für bezahlbaren, umweltgerechten und lebenswerten Wohnraum.