Wachsende Widersprüche
Frauen protestieren: Kriegsmüdigkeit in der Ukraine
Sowohl in Russland als auch in der Ukraine fordern Frauen ihre Männer zurück, die seit Kriegsbeginn an der Front stehen. 70.000 ukrainische Soldaten sind gefallen, in Russland dürften es etwa 300.000 sein. Das Durchschnittsalter der ukrainischen Truppen soll inzwischen bei Mitte 40 liegen. [1]
Es gelingt den Kriegstreibern auf beiden Seiten immer weniger, die Menschen für ihren Krieg zu begeistern. Der „Stern“ zeigt Bilder von einer Demonstration von Frauen in Kiew und zitiert die 43-jährige Antonina Danylewytsch: "Wir haben uns heute hier versammelt, um unsere Regierung dazu zu bringen, anzuerkennen, dass unsere Männer gleich zu Beginn des Krieges zum Dienst angetreten sind, als die Invasion in vollem Umfang begann. (…) Ich, wir sind hier, um zu fordern, dass sie sich ausruhen können. Was wir brauchen, ist eine Demobilisierung" (28.11.23).
Demobilisierung ist das genaue Gegenteil dessen, was die ukrainische Führung plant. Deshalb gibt es angesichts dieser Stimmung offenbar zunehmende Differenzen. Generalstabschef Walerij Saluschnyj bilanziert relativ nüchtern, dass die ukrainische Armee im ganzen Jahr nicht mehr als maximal 17 Kilometer Gelände gewonnen hat und dass eine „Pattsituation“ eingetreten ist. Er fordert für künftige Offensiven zum einen deutlich mehr Kampfflugzeuge, um eine Bodenoffenive aus der Luft zu decken. Zum anderen fehlen Soldaten, weshalb er fordert, „der Kreis der wehrpflichtigen Männer müsse ausgeweitet werden“ [2]. Er bekommt bei seiner Kritik an Präsident Wolodymyr Selenskyi Unterstützung vom Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko.
Selenskyi will das Scheitern der Offensive nicht eingestehen [3] und phantasiert weiter von der baldigen Rückeroberung aller ukrainischen Gebiete. Er rüffeltt seinen Oberbefehlshaber öffentlich in einem Interview mit der englischen Zeitung „The Sun“: "Was die Moral angeht, gibt es kein Patt.“ Aber auch Selenskyj forderte eine Verschärfung der Maßnahmen des ukrainischen Innenministeriums, Wehrpflichtige notfalls zwangsweise dem Militär zuzuführen, wenn sie sich auf Aufforderung nicht zum Kriegsdienst melden.
An der Front geht die ukrainische Armee dazu über, vorrangig Festungsanlagen zur Verteidigung an der Front zu errichten. [4] Damit dokumentiert sie, dass sie zumindest für einen Teil der Front zu Offensivoperationen in absehbarer Zeit nicht in der Lage ist. Auch die von Deutschland geforderten Taurus-Marschflugkörper können das Problem der ukrainischen Offensive nicht lösen. Sie könnten die Krim-Brücke zerstören oder auch große Teile der russischen Kriegsflotte in Sewastopol. Das wären natürlich wichtige Schläge gegen Russland, aber dadurch wäre dennoch kein Meter Gebietsgewinn zu erzielen.
Die Unfähigkeit zu eigenen Offensiven führt dazu, dass zunehmend hauptsächlich gegnerische Verluste zum Kriegsziel erhoben werden, Ausdruck der Barbarei der Kriegsführung auf beiden Seiten. Das Kalkül mit gegnerischen Verlusten wird dazu führen, dass der Widerstand der Massen gegen den Krieg auf beiden Seiten wächst. Mit der Krise der Kriegsführung gibt es auch international Widersprüche. Die Suche nach einem imperialistischen Frieden wird verstärkt in die Diskussion gebracht. Gleichzeitig wächst auch die Gefahr der Verschärfung des Krieges.
Was machen ukrainische Soldaten in Afrika?
Mittlerweile wurde bekannt, dass ukrainische und russische Soldaten sich auch im Sudan gegenseitig bekämpfen. Russland versucht offenbar, mit den Wagner-Söldnern die Kontrolle über das ostafrikanische Land mit riesigen Goldvorräten zu bekommen und arbeitet dazu mit einem der reaktionären Militärführer zusammen. Das will die Ukraine unbedingt verhindern und unterstützt dazu mit eigenen Spezialkräften die gegnerischen Truppen im Sudan. Selenskyi hat sich im September auf dem Rückflug von der UN-Vollversammlung auf dem Flughafen Shannon in Irland mit dem sudanesischen Machthaber Al-Burhan getroffen. [5]
Der Vorgang erhellt so einiges:
- Der Krieg in der Ukraine befindet sich nicht etwa im „Stillstand“, sondern hat eine starke Tendenz zur Ausweitung, aktuell bis nach Afrika. Es ist davon auszugehen, dass die ukrainischen Soldaten hier auch NATO-Ausrüstung haben. Damit stehen sich auch hier zwei imperialistische Blöcke gegenüber.
- Die Kämpfe im Sudan werden nicht einmal versuchsweise mit „Verteidigung von Demokratie und Freiheit“ begründet oder gar mit dem Elend der Menschen im Sudan. Man habe „über gemeinsame Herausforderungen bei der Sicherheit“ gesprochen, verkündet Selenskyi per X.
- Damit zeigt sich, dass die Ukraine selbst sich immer mehr zu einem imperialistischen Land entwickelt und ihre militärische Macht dafür ausspielt.
Die imperialistische Rivalität um die Weltherrschaft schürt immer mehr Brennpunkte der Weltkriegsgefahr. Es ist notwendig, den aktiven Widerstand zu verstärken. In vielen Häfen der Welt haben die Hafenarbeiter und ihre Gewerkschaften die Initiative ergriffen.