Tarifrunde
Erstmals 24-Stunden-Streiks in der Stahlindustrie gestartet
Am Morgen des 12. Dezember haben in Finnentrop die ersten 24-Stunden-Streiks in der Tarifrunde Stahl begonnen. In allen Stahlbuden laufen die Vorbereitungen. Bei tkSE Duisburg Hamborn/Beeckerwerth begann er am Donnerstag mit der Nachtschicht und dauerte bis zum Ende der Mittagsschicht am Freitag. Dabei wurden alle Autotore und Drehkreuze bestreikt.
Die Notbesetzung konnte nur durch zwei Autotore und ein Fußgängertor einfahren. Das ist genau der richtige Schritt zur Urabstimmung und zum unbefristeten Streik, den viele Kollegen gefordert haben.
Die Stahlkonzerne versuchen, die Stahlarbeiter mit 3,5 Prozent für 15 Monate und 1000 Euro Einmalzahlung abzuspeisen. Das kommt für viele gar nicht in die Tüte. Die 8,5 Prozent für zwölf Monate sind das Mindeste. Die Stahlkonzerne wollten den 24-Stunden-Streik unbedingt verhindern. So versuchten sie, die Tore zu blockieren und nur die Notbelegschaft hereinzulassen. Im Intranet und an die Vorgesetzten wurde die Anweisung gegeben, die Tore freizuhalten und alle hereinzulassen. Beim Warnstreik am vergangenen Montag funktionierte das nur an einem Tor. Am Tor 6 wurde sogar die Polizei gerufen, um die Lkw durchzulassen, was aber größtenteils verhindert wurde. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich dem mutig entgegengestellt und „dicht gehalten“. Sie empfinden das Angebot der Konzerne als Provokation und beginnen ihre eigene Rechnung aufzumachen.
In den Streikaktionen spüren sie die wachsende Solidarität, den Zusammenhalt und dass der Spruch: "Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will!" immer noch richtig ist. Das stärkt das Selbstbewusstsein der Stahlbelegschaften, auch wenn sie von über 85.000 vor einigen Jahren auf 68.000 in Nordwestdeutschland geschrumpft sind. Gleichzeitig wächst die Kritik daran, dass dies weitgehend kampflos und ohne größere Streiks hingenommen wurde.
Auch die Gewerkschaftsführung spürt, dass sich trotz der widrigen Umstände immer mehr Kolleginnen und Kollegen an den Streikaktionen beteiligen - verbunden mit der Forderung vieler Mitglieder und Vertrauensleute, richtig zu streiken. Begrüßt wird das Vorgehen der Lokführergewerkschaft GdL, die die Urabstimmung eingeleitet hat. Vor den Toren und in den Betrieben finden auch viele grundsätzliche Diskussionen darüber statt, welche Perspektive die Stahlarbeiter brauchen und was jenseits des Kapitalismus möglich wäre.
Jetzt gilt es, alle Trümpfe auszuspielen und mit der ganzen gewerkschaftlichen Kampfkraft, mit Urabstimmung und Streik die Forderung der Stahlarbeiter voll durchzusetzen!