Leserbrief

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Zum Übergang in die Rente

Im Rote-Fahne-Magazin 25/2023 ist auf Seite 40 eine Korrespondenz "Zum Übergang in die Rente" abgedruckt. Eine Leserin schreibt dazu: "Der Beitrag hat mich direkt angesprochen. Deshalb möchte ich dazu einige Überlegungen beitragen."

Korrespondenz aus Duisburg

Rote Fahne News dokumentiert hier den Leserbrief.

 

Es stimmt, dass der Übergang vom Arbeitsleben in die Rente mit einer Entfaltung der Widersprüche verbunden ist. Bei mir stand erstmal die Wiederherstellung der Gesundheit im Vordergrund. Schon dabei musste ich den Kampf zwischen kleinbürgerlich-individualistischer und proletarischer Denkweise austragen. Ein dialektisch-materialistisches Herangehen erfordert, sich erstmal der Krankheit objektiv zu stellen, statt in Selbstmitleid zu verfallen.

 

Mir hat immer der Gedanke geholfen 'nichts bleibt, wie es ist', also entweder geht es bergab, oder ich finde einen Weg zu einem sinnvollen Leben. Das bedeutete für mich, ein Leben mit einem aktiven Beitrag zum Klassenkampf und Parteiaufbau, auch als „kranker“ Marxist Leninist. Dafür habe ich dann gekämpft. Ganz wichtig war der soziale Rückhalt im persönlichen Umfeld, in der Familie, von Freunden und Genossen. Und auch die kritische Annahme professioneller Hilfe.

 

Es war jedenfalls ein regelrechter Umbruch in der Selbstveränderung. War ich es bisher gewöhnt, mitten im Geschehen zu stehen, am Arbeitsplatz, bei Aktionen vorneweg, in der Parteiarbeit, muss man plötzlich viel kleinere Brötchen backen. Wer daraus den Schluss zieht, jetzt den „Rest des Lebens“ nur noch zu genießen (oder anderfalls abzuschreiben), der stellt aber sein ganzes bisheriges Leben und den Kampf für den Sozialismus in Frage. Man soll sich nicht so wichtig nehmen, sondern zusehen, was man sinnvoll zu einer Zukunft für die Jugend beitragen kann. Das macht Sinn, auch wenn der Beitrag noch so klein ist.

 

In einer Partnerschaft muss auch ausgetragen werden, was einem im Leben wichtig ist und was im Zusammenleben anders wird, nicht nur im Haushalt. Ich finde es vollkommen in Ordnung, wenn eine Rentnerin oder ein Rentner sich auch mit Sachen beschäftigen kann, die ihr/ihm Freude machen, aber bei der ganzen Arbeitsbelastung immer zu kurz gekommen sind. Bei mir ist das künstlerische Tätigkeit. Auch hier ist wieder entscheidend, mit welcher Denkweise das geschieht, ob zur Selbstbeschäftigung und Realitätsflucht, oder zur Stärkung der Lebensfreude, Solidarität und Kampfkraft.

 

Ich habe mich damals, nach längerer Reha und vorgezogener Altersrente, für eine ehrenamtlichen Arbeit in einer Selbstorganisation entschieden. Dabei habe ich viel gelernt, neue Freunde gewonnen und was Nützliches gemacht. Im zunehmenden Alter konzentriere ich meine Kräfte auf die Aufbauarbeit der Partei. Dabei verfolge ich keinen „Jugendwahn“, Gas zu geben wie in jungen Jahren. Das würde auch die Jungen aus der Verantwortung nehmen und sie bevormunden. Aber unsere Erfahrungen und guten Fähigkeiten werden unbedingt gebraucht, damit sie das Ruder zielstrebig übernehmen. 

 

Dem Genossen aus Stuttgart wünsche ich auf jeden Fall alles Gute und Freude bei der Umorientierung im 'Unruhestand'!