Israel / Palästina
Stadt München wollte schon wieder Räume verweigern - wegen angeblichem Antisemitismus
Bereits im September haben die drei Gruppen Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe, Salam Shalom und die Frauen in Schwarz mit einem von der Stadt geförderten Veranstaltungsraum einen Vertrag abgeschlossen. Eingeladen zu einem Vortrag war Prof. Ilan Pappe, ein jüdischer Historiker, der an der Universität in Exeter/England lehrt und dort das 2009 am Institut für Arabische und Islamische Forschung eingerichtete European Centre for Palestine Studies (CPS) leitet. Er ist Autor zahlreicher Bücher. Drei Tage vor der Veranstaltung wurde der Raum vom Vermieter gekündigt, weil Pappe, wohlgemerkt selbst jüdischer Herkunft, Antisemitismus verbreiten würde.
Wieder musste die Stadt München durch Gerichte an demokratische Grundsätze erinnert werden: Kritik an der israelischen Regierung ist kein Antisemitismus. Das ist die zweite juristische Niederlage der Stadt innerhalb von vier Wochen.
Der Veranstaltungssaal war brechend voll. Viele mussten stehend den Ausführungen des Referenten zuhören. Pappe geht mit der israelischen Regierung und ihrer jahrzehntelangen Vertreibung von Palästinensern aus ihrer Heimatregion faktenreich ins Gericht. Er unterscheidet zwischen der israelischen jüdischen Zivilbevölkerung und den Zionisten. Er kritisiert genauso das Vorgehen der Hamas als Kriegsverbrechen.
Er sagt, allein an einem Tag, in dem Gaza bombardiert worden ist, sei mehr TNT abgeworfen worden, als in Nagasaki oder im gesamten Ukrainekrieg. Dass jetzt eine Waffenpause verhandelt worden ist, sei ausschließlich das Verdienst der weltweiten Protestbewegung. Er stellt die Darstellung in Deutschland, Israel verteidige sich selbst, schon allein deshalb in Frage: „Wie kann man sich auf okkupiertem Land selbst verteidigen?“ Er geht von den Grenzen aus, die 1947 von der UN festgelegt worden sind. Und er schlussfolgerte, dass die Palästinenser genauso ein Recht auf Selbstverteidigung hätten. Und dass die Menschen dort nichts mehr und nichts weniger wollten als ein Leben in Frieden und in Freiheit, einen demokratischen Staat, in dem gleichberechtigtes Leben durchgesetzt ist.
Pappe vertrat in der lebhaften Diskussion einen hoffnungsvollen Standpunkt. Auch wenn der Krieg viele Opfer kostet, die Palästinenserinnen und Palästinenser würden wieder aufstehen, um ihre Rechte kämpfen, vor allem die junge Generation. Er appellierte an die zahlreich anwesenden jungen Leute, sich zu organisieren entgegen einer breit vorhandenen Unverbindlichkeit gerade bei Jüngeren. Und er appellierte an alle Menschen in Deutschland, nicht ein weiteres Mal auf der falschen Seite der Geschichte zu stehen.