Zwei Richtungen in der Umweltfrage
Kritischer Rückblick zum 25. IG-Metall-Gewerkschaftstag
Meine Freundin liest gerade das aktuelle Buch von Stefan Engel, Monika Gärtner-Engel und Gabi Fechtner, „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen!“, und fragte mich, welche Rolle die Umweltfrage auf unserem 25. IG-Metall-Gewerkschaftstag gespielt hat. Gute Frage.
Gibt man bei Kongressmaterial den Suchbegriff „Umwelt“ ein, bekommt man auffallend wenige Treffer. Das Wort „Umweltkatastrophe“ findet man sogar nur in zwei Beiträgen auf den Hunderten Seiten!
Ich lese genauer nach. Ein Delegierter bringt es gleich am ersten Tag gut auf den Punkt: „Die mittlerweile begonnene globale Umweltkatastrophe stellt das Überleben der Menschheit in Frage. Im Antrag L1.017 der Geschäftsstelle Aschaffenburg heißt es: Dabei müssen Arbeitnehmer*innen und die Umweltbewegung gemeinsam agieren, denn echter Umweltschutz schafft Arbeitsplätze. Die Aschaffenburger kommen zum Fazit: System Change not Climate Change für eine offene weltanschauliche Auseinandersetzung. Entweder stirbt der Kapitalismus oder Mutter Erde. Wie also retten wir den Planeten vor der Profitwirtschaft? Auch das gehört auf unseren Gewerkschaftstag.“ Beifall und kein Widerspruch dazu.
Mit Leitanträgen des Vorstands und im „Zukunftsreferat“ von Christiane Benner, 1. Vorsitzende, wird aber eine andere Richtung eingeschlagen: „Heute stehen wir vor der großen Herausforderung, den Schadstoffausstoß drastisch zu senken, damit Kohlendioxid nicht unsere Erdatmosphäre zerstört. Es ist unser Auftrag, diesen Umbau, diese Transformation zu gestalten, sodass wir die Grundlagen für unser Leben und für unsere Wirtschaft erhalten. (...) „Umweltschutz und Industrie sind kein Widerspruch, sondern die zwei Teile einer Lösung.“ Ja! Lasst uns Arbeitsplätze durch Umweltschutz schaffen! Wir machen die Zukunft! Rein rechnerisch geht der Wandel gut aus."¹
Also nochmal langsam: Keine Umweltkatastrophe, also auch System Change nicht nötig? „Grüner Umbau“ genügt und auf jeden Fall die „Grundlagen „unserer Wirtschaft“, sprich den Kapitalismus erhalten? Statt internationaler Koordinierung der Kämpfe gegen Hauptverursacher der globalen Umweltkatastrophe - Hand in Hand mit der 'deutschen Industrie' für 'deutsche Arbeitsplätze'?
Das Buch "Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen" dazu: „Alle Spielarten des imperialistischen und kleinbürgerlichen Ökologismus haben eines gemeinsam: Sie spielen die globale Umweltkatastrophe massiv herunter, verharmlosen sie und nehmen die Hauptverursacher – das allein herrschende internationale Finanzkapital – aus der Schusslinie.²
Auch die Ausführungen von Christiane Benner erhalten Beifall und bleiben auf dem Gewerkschaftstag unwidersprochen. Die kleine Anzahl an Anträgen zur Umweltfrage wird aus „Zeitmangel“ nicht mehr debattiert und stattdessen an den Beirat überwiesen. Mein Fazit: Das Thema muss an der Basis breit diskutiert werden! WIR müssen die Richtung festlegen, denn wir haben existenzielles Interesse und große Verantwortung, die Menschheit vor dem Untergang in der Barbarei zu retten.