Marokko

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Seit zwei Monaten landesweite selbstständige Streiks der Lehrer

Nachdem der Vorsitzende der Gewerkschaft Syndicat National d’Enseignement/Fédération Democratique Du Travail (SNE/FDT), Mohamed Nouiga, am 30. Oktober einen faulen Kompromiss mit dem marokkanischen Regierungschef abgeschlossen hatte, entschieden sich die Lehrer in Marokko, in einen selbstständigen Streik zu treten.

Korrespondenz

Die im März 2023 gegründete Nationale Koordinierung der Lehrer und die Nationale Bildungsgewerkschaft Syndicat National d’Enseignement/Confederation Democratique Du Travail (SNE/CDT) führen unterstützt von linken Organisationen den Kampf weiter.

 

Ein Streikführer berichtet, dass es für viele der Lehrer in seiner Schule der erste Streik ist. Die Kampfmoral ist aber sehr hoch. Dafür sorgt unter anderem ein Vertrag, besser gesagt ein Ehrenkodex, den die Lehrer untereinander als Kampfgemeinschaft geschlossen haben. Jeder streikende Lehrer hat einen Vertrag unterschrieben, dem Kampf treu zu bleiben, die zentral beschlossenen Kampfformen anzuerkennen und die Forderungen durchzusetzen.

 

Zur Vereinheitlichung der Streikenden gibt es jeden Tag Versammlungen in den Schulen anstatt zu unterrichten. Am Ende jeder Woche werden Umfragebögen ausgeteilt, um die Stimmung zu erfassen, Forderungen zu erweitern, Verbesserungsvorschläge einzuholen. Aus den Schulen werden diese Bögen von der Nationalen Koordination wiederum gesammelt und ausgewertet – mit Erfolg, denn die Streikfront steht selbst nach einem Monat! Es gibt außerdem die Forderung nach einer Anerkennung des Streikrechts.

 

Massendemonstrationen, Sitzprotest vor dem Bildungsministerium, Interviews mit Zeitungen – die Proteste prägen das Geschehen im Land. Der Auslöser war eine Inflationsprämie für Staatsbedienstete wie Polizisten, von der aber die Lehrer nicht profitieren sollten. Das geht einher mit verschiedenen bisherigen Angriffen auf die Arbeitsrechte der Lehrer, die, wenn es nach dem Bildungsministerium geht, künftig keine unbefristeten Verträge mehr haben sollten. Im Prinzip sollen die Lehrer in die Leiharbeit gedrängt werden.

 

Ein Ziel der Lehrer ist eine qualitativ bessere Bildung, die die Rechte und Freiheiten der Schüler verbessern will. So ist es unlauter, dass manch ein Hetzartikel den Lehrern vorwirft, die Schüler als Geiseln zu halten. Dass durch die vielen ausgefallenen Unterrichtsstunden mittlerweile der Schulabschluss einiger Schüler bedroht ist, ist die Verantwortung der Regierung mit ihrer Verweigerungshaltung. Dieser hartnäckige Kampf verdient mehr internationale Aufmerksamkeit und Solidarität!