Frankfurter Buchmesse

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"Wir diskutierten von morgens bis abends"

Elvira Dürr und Carsten Zimmer waren als Vertreterin und Vertreter des Verlag Neuer Weg auf der Frankfurter Buchmesse, die vom 18. bis 22. Oktober stattfand. Im Unterschied zu früheren Jahren öffnet sie ihre Tore jetzt schon früher für ein breites Publikum, ab dem Freitagnachmittag. In den Tagen zuvor sind die Besucherinnen und Besucher „vom Fach“ – Buchhändlerinnen und Buchhändler, Autoren, Verlagsleiter, Literaturagenten, Journalisten.

"Wir diskutierten von morgens bis abends"
Elvira Dürr mit der Neuerscheinung "Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen" auf der Frankfurter Buchmesse (Foto: Verlag Neuer Weg)

Die Aktivisten des Verlag – die beiden wurden von weiteren Freunden unterstützt – diskutierten von morgens bis abends. An der ganzen Bandbreite des Verlags-Programms, das alle brennenden Fragen der Menschen behandelt und beantwortet. Und natürlich besonders über das neue Buch der MLPD, den Ergänzungsband „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen!“. Die Rote Fahne führte ein Interview mit Elvira und Carsten.

 

Rote Fahne: Wie war die Stimmung auf der Buchmesse, welche Fragen standen im Mittelpunkt?

 

Elvira Dürr: Allmählich verändert sich auch die Frankfurter Buchmesse etwas – weg von der reinen Experten- und Geschäftsmesse hin zu einem breiteren Publikum und den brennenden gesellschaftspolitischen Fragen. So kamen jetzt schon mehr Schulklassen, nicht nur Buchhandelsschülerinnen und –schüler. Darüber haben wir uns besonders gefreut, mit Jugendlichen über unsere Literatur zu diskutieren, war schon immer unser Steckenpferd. Wir hatten insgesamt sehr viele Gespräche, auch sehr viele tiefgehende Gespräche. Wir stellten von uns aus die beiden Bücher der MLPD „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen“ von Stefan Engel, Monika Gärtner-Engel und Gabi Fechtner, soeben erschienen, und „Katastrophenalarm! Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?“ von Stefan Engel – erschienen 2014 – in den Mittelpunkt. Aber die Leute waren auch an der ganzen Bandbreite unserer Literatur interessiert. So spielte der aktuell sich zuspitzende Flächenbrand im Nahen Osten eine Rolle, da wurde ja die Preisverleihung an eine palästinensische Autorin verschoben und der slowenische Redner mit einem Shitstorm überzogen, weil er nicht nur die Hamas verurteilte, sondern auch den Rachefeldzug Israels anprangerte. Wir diskutierten mit Jugendlichen über die aktuelle Entwicklung und verkauften u.a. „Krieg und Frieden und die sozialistische Revolution“. Und den ersten Band von „Proletarischer Widerstand“, wo Willi Dickhut auf die Geschichte des Palästinakonflikts eingeht („Das Mittelmeer als politische Wetterzone“). Etliche Gesprächspartner waren beeindruckt davon, wie viele Fragen unsere Literatur behandelt, insbesondere die Reihe Revolutionärer Weg. Da konnten wir damit punkten, dass jede wesentliche Veränderung und jede brennende Menschheitsfrage in der RW-Reihe immer rechtzeitig behandelt wurde. Das schuf Interesse und Vertrauen. Großes Interesse bestand auch an den Veränderungen im imperialistischen Weltsystem durch die Entwicklung der neuimperialistischen Länder.  Ein Interessent war eigens zu unserem Stand gekommen, weil er da einmal „Jetzt reden wir“ gekauft hatte, was ihn total begeistert hat. Er wollte daher wieder ein Buch von uns kaufen und wählte „Die Götterdämmerung über der ‚neuen Weltordnung‘“ von Stefan Engel. Insgesamt haben wir Literatur für 885 Euro verkauft, 285 Euro mehr als im Vorjahr. 31 der verkauften Bücher waren aus der Reihe Revolutionärer Weg, dem theoretischen Organ der MLPD. Der Ergänzungsband "Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen" wurde 13 Mal verkauft und der "Doppelpack" 9 Mal.

 

Rote Fahne: Im Zentrum eurer Gespräche stand sicher „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen“. Wie war die Resonanz, worüber habt ihr hauptsächlich gesprochen?

 

Carsten Zimmer: Drei Aspekte stießen besonders auf Resonanz. Auf jeden Fall die Qualifizierung, dass tatsächlich die globale Umweltkatastrophe begonnen hat. Viele unserer Gesprächspartner sahen die Vielzahl der Verschärfungen in der objektiven Entwicklung der Umwelt. Das ging aber meist noch einher mit einer Unterschätzung, was das in der Gesamtheit bedeutet. Dass die begonnene globale Umweltkatastrophe die Menschheit in eine latente Existenzkrise stürzt, diese Analyse von uns überraschte viele. Aber sie wurde sehr ernst genommen. „Dass ihr euch das zu sagen traut, das ist wichtig“. Vertrauen in die Bundesregierung, dass die noch eine positive Umweltpolitik machen wird, hat kaum jemand. Der zweite Aspekt, der besonders interessierte, war die in unseren Büchern angewandte Untersuchungsmethode, die dialektische Methode, die Methode des wissenschaftlichen Sozialismus. Wie z. B. der Zusammenhang der schweren Hitzewellen mit dem Anstieg von Ozon, Feinstaub, Schwefeldioxid … in der Luft ist, die sich negativ auf die Atmung der Menschen auswirkt, besonders in den Großstädten. Der dritte besonders interessierende Aspekt war das Kapitel am Ende zum Kampfprogramm der Sofort- und Schutzmaßnahmen gegen die globale Umweltkatastrophe. Wir konnten anhand dieser Leitlinien immer wieder darlegen, und es überzeugte manchen und führte zum Kauf des Buchs, dass jede einzelne Forderung noch im Kapitalismus erkämpft werden kann. Aber nicht das Programm in der Gesamtheit. Dafür braucht es den echten Sozialismus.

 

Die Käufer „vom Doppelpack“ überzeugte vor allem die grundsätzliche und weltanschauliche Seite der Einheit von Mensch und Natur, wie sie bereits von Marx und Engels ausgearbeitet wurde und dass es Grundfragen sind, die bereits im „Katastrophenalarm“ ausgeführt werden. Dass auch in der Umweltfrage die Arbeiterklasse ihre führende Rolle wahrnehmen muss, konnte anschaulich an der Resolution der 3. Internationalen Bergarbeiterkonferenz diskutiert werden.

 

Rote Fahne: Was meinten die Interessenten und Käufer zur Schlussfolgerung "echter Sozialismus"?

 

Carsten Zimmer: Die Systemfrage und der echte Sozialismus waren in allen Diskussionen präsent. Dass der Kapitalismus und der Erhalt der menschlichen Lebensgrundlagen nicht vereinbar sind, dafür gab es etliche Zustimmung. Ob der Sozialismus eine erstrebenswerte und notwendige Alternative ist, dazu gab es viele Fragen, auch skeptische, aber auch großes Interesse, darüber zu diskutieren. Wir machten eine Überzeugungsarbeit, dass man Lehren nicht nur aus dem Verrat am Sozialismus durch die Revisionisten ziehen muss, sondern auch aus den positiven Errungenschaften, gerade in der Umweltpolitik der ehemals sozialistischen Länder. Das erweckte Neugier auf weitere Bücher zu den unauslöschlichen Errungenschaften des Sozialismus aus unserem Programm. Auf jeden Fall werden wir hierzu noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.

 

Rote Fahne: Was ist eurer Meinung für den offensiven Vertrieb des Buchs besonders wichtig?

 

Elvira Dürr: Auf jeden Fall muss man das Buch gut kennen. Dazu sind die Studiengruppen wichtig. Dann muss man bei den Leuten schauen, wo sie sensibel sind für das Thema und dann konkret darauf eingehen, zum Beispiel wenn sie das Thema Flüchtlinge und Migration besonders interessiert, dazu enthält das Buch ja sehr wichtige neue Analysen und Schlussfolgerungen. Und dann begründen, warum jeder das Buch braucht, dem die Zukunft der Menschheit am Herzen liegt.

 

Vielen Dank für Gespräch und weiterhin viel Erfolg beim Verkauf!