Stukenbrock-Senne

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Antikommunistische „Neukonzeption“ der Gedenkstätte Stalag 326 a geplant

In der bürgerlichen Presse wurde die Behauptung „Gedenkstätte Stalag 326 in OWL steht auf der Kippe“ (z.B. SZ, 27.9.23) zu einem Titelthema. Anlass war eine Abstimmung im Kreistag Gütersloh, bei der eine Mehrheit von CDU, AfD und Freien Wählern den Betriebskostenanteil des Kreises an einer zukünftig neu zu errichtenden Gedenkstätte von 460.000 auf 200.000 Euro begrenzen will. Das ist Wasser auf die Mühlen der AfD, für die die Befreiung Deutschlands vom Hitlerfaschismus eine Niederlage bedeutet.

Von Gerd Detering

Die bestehende antifaschistische Gedenkstätte – Kriegsgefangenenfriedhof, Gedenktafeln, Gedenkstein (Obelisk) und die Dokumentationsstätte – wird seit Jahrzehnten ehrenamtlich betrieben. Ein Höhepunkt dieses vorbildlichen Engagements ist die jährliche Veranstaltung „Blumen für Stukenbrock“, die vom gleichnamigen Verein am ersten Septemberwochenende seit über 50 Jahren organisiert wird. Dieses antifaschistische Gedenken hat nichts mit der genannten Abstimmung im Kreistag Gütersloh zu tun; es kann und muss weitergeführt werden. Der Ehrenfriedhof mit Obelisken ist auch nicht geschlossen und kann jederzeit besucht werden.

 

Tatsächlich geht es nicht um den Erhalt der Gedenkstätte Stalag 326, sondern um ihre Neukonzeption als „nationales Mahnmal gegen den Totalitarismus in Europa“ im Sinne reaktionärer Antikommunisten wie dem ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck oder dem ehemaligen Europaabgeordneten Elmar Brok. Diese sind an der Leitlinie des neuen Konzepts „Das Lager wurde überall gemacht“ führend beteiligt. Damit soll das faschistische Kriegsgefangenen-Lager in Stukenbrock-Senne zu einem Werk „ganz normaler Deutscher“ umgedeutet werden. Geschichtsrevision vom Feinsten, welche das antifaschistische Gedenken relativieren und letztlich revidieren soll.

 

Diese „Neukonzeption“ der Gedenkstätte Stalag 326 als Notwendigkeit für den Erhalt der Gedenkstätte auszugeben, ist eine demagogische Irreführung. Die bürgerlichen Parteien, einschließlich CDU, AfD und Freie Wähler im Kreistag Gütersloh, haben keinerlei inhaltliche Probleme mit der Neukonzeption. Widersprüche in diesem Lager gibt es nur über die Kosten. Sowohl über die steigenden Investitionskosten, die angeblich schon bei 100 Mio. Euro liegen sollen, als auch über die zukünftigen Betriebskosten in Höhe von mindestens 4 Mio. Euro jährlich. Ein Teil hält diese Ausgaben in Kriegszeiten für vergeudet und möchte sie einsparen. Da kommt ihnen ein im Verhältnis zu den Gesamtkosten unbedeutender Beschluss des Kreistages Gütersloh gerade recht. Ein anderer Teil will an der geplanten antikommunistischen Geschichtsrevision festhalten.

 

Die Gefangenen in Stukenbrock-Senne waren vor allem Soldaten der Roten Armee, die darum kämpften, ihre sozialistische Heimat zu verteidigen und diese von den deutschen Aggressoren zu befreien. Sie setzten ihr Leben ein für die Befreiung ihres Landes und auch für die Befreiung Deutschlands vom Faschismus. Mahnmal und Friedhof stehen für dieses Gedenken und für diesen Auftrag.

 

In dieser Gemengelage kommt es darauf an, sowohl das antifaschistische Gedenken zu erhalten als auch jeden Versuch dieses antifaschistische Vermächtnis umzudeuten, zu verhindern. Die Gedenkstätte eignet sich gut dazu an den Tag der Befreiung, den Sieg über den Hitler-Faschismus am 8. Mai, zu erinnern und die Forderung, diesen Tag zu einem bundesweiten, gesetzlichen Feiertag zu machen, zu erheben. Daran kann jeder mit ehrlichen Absichten mitarbeiten.

 

Bewegung "Gib Antikommunismus keine Chance!"

 

Siehe auch: Gedenken und Kampf gegen alle Kriegstreiber