Dokumentiert
„Ich sagte: ‚Wir sind Flüchtlinge‘. Er sagte: 'Die ganze Welt ist auf der Flucht'"
Die Rote Fahne Redaktion dokumentiert hier Auszüge aus der Übersetzung eines Artikels der Tageszeitung „Yeni Yasam“ (Neues Leben) vom 7. Oktober, den die HDP-Politikerin und Frauenrechtlerin Hülya İmak Öztürk geschrieben hat. Ihr Ehemann wurde als angeblicher PKK-Verantwortlicher von Istanbul zu einer Haftstrafe von 34-mal lebenslänglich verurteilt. Hülya İmak Öztürk musste zusammen mit ihrem Sohn fliehen und hat in Deutschland Asyl beantragt. Im Artikel berichtet sie auch über ihre Erfahrungen in den deutschen Asyllagern.
Ein deutscher Staatsbürger indischer Herkunft, der in Deutschland geboren wurde, ging täglich mit seinem Hund im Lager spazieren und erlaubte den Kindern im Lager, den Hund zu streicheln. Bei einem dieser Spaziergänge wandte sich die Mutter eines der Kinder, das den Hund streicheln wollte, an den Bürger in traditioneller indischer Kleidung und sagte: "Wir sind Flüchtlinge." Der Mann erwiderte mit Tränen in den Augen: "Die ganze Welt ist auf der Flucht".
In diesem Moment umringten arabische, kurdische, afrikanische, türkische, persische, türkische und kurdische Kinder den Hund, streichelten ihn in ihren eigenen Sprachen und schrien vor Freude. Kinder verschiedener Sprachen und Hautfarben sprachen eine Sprache, die Erwachsene nicht erreichen können: die Sprache der Menschlichkeit...
Während ich diese herzerwärmende Szene beobachtete, fielen mir die Namen der Straßen in dem Ort auf, in denen sich das Lager befindet. Jede Straße ist nach einem berühmten deutschen Komponisten oder Denker benannt. Johann Sebastian Bach, Nietzsche, Beethoven. Ich suche nach einer Frau als Denkerin oder Komponistin. Aber Fehlanzeige! Es ist wohl nicht so, dass man eine Straße nach Clara Zetkin benennen würde… . …