Leserbrief zu RF-Magazin 21/S. 8
UAW-Streik in USA – interessant im Vergleich zu 1992
Euer aktueller Bericht im RF-Magazin 21/2023 zum Streik der UAW-Automobilarbeiterinnen und Arbeiter in den USA begeistert mich.
Von jf
Im Herbst 1992 – lange her – konnte ich einen UAW-Streik im GM-Werk Lansing, der Hauptstadt von Michigan gegen Arbeitsplatzvernichtung miterleben. Ich war in einem Auto-Zulieferwerk für VW in der benachbarten Stadt Battle Creek auf Montage tätig und bekam einen unvergesslichen Einblick in Arbeit, Leben und Kampf der Automobilarbeiter in den USA.
Als ich vom Streik bei GM in Lansing erfuhr, nutzte ich meine Spätschicht und fuhr am Vormittag mit unserem „Dienstwagen“ zur „Picket-line“ in Lansing. Ein Vergleich des Streik von 1992 und heute ist aufschlussreich:
- Heute werden drei Übermonopole – GM, Ford und Stellantis - bestreikt, 1992 ging es „nur“ gegen Arbeitsplatzvernichtung im Lansing-Werk von GM. Lansing ist das älteste GM-Werk, von 2001-2006 wurde es neu aufgebaut und gilt heute als eines der modernsten GM-Werke in den USA. Es ist auf die Produktion des „teuren“ GM-Modells Cadilliac spezialisiert.
- Als ich mich den Streikposten bei GM-Lansing als solidarischer Automobilarbeiter aus Deutschland vorstellte, freuten sich diese. Es gab aber auch reservierte Fragen, z.B. ob sie bei GM bessere Stundenlöhne haben als bei VW in Deutschland.
- Die UAW fordert heute selbstbewusst u.a. die 4-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich. 1992 textete sie noch auf riesigen Plakattafeln entlang der Highways von Michigan chauvinistisch: “Buy american – UAW“. Der Aufruf zur weltweiten Koordinierung der Automobilarbeiterkämpfe am Schluss des Artikels ist goldrichtig. Unbedingt gehören weltweit die Belegschaften von GM, Ford und Stellantis in diesen Kampf einbezogen.