Veranstaltung in Gelsenkirchen
Begonnene globale Umweltkatastrophe erfordert Massendebatte über echten Sozialismus
Hunderte Besucherinnen und Besucher füllten am Sonntag, dem 8. Oktober 2023, den Kultursaal der „Horster Mitte“ in Gelsenkirchen zur Vorstellung des neuen Buchs „Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen!“
Auf dem Podium präsentierten Stefan Engel, Leiter der Redaktion REVOLUTIONÄRER WEG, Monika Gärtner-Engel, Internationalismus-Verantwortliche der MLPD, und die Parteivorsitzende Gabi Fechtner das Buch und stellten sich den Fragen der Besucher. Durch die Veranstaltung führte Peter Weispfenning vom Zentralkomitee der MLPD. Das eingangs vorgetragene Lied "Lob des Lernens" trug zu der von Beginn an aufmerksamen, neugierigen und nachdenklichen Stimmung bei.
Nüchterne Analyse und revolutionärer Optimismus
Als erstes sprach Monika Gärtner-Engel. Das Titelbild – es zeigt die brennende Erde – solle unmissverständlich veranschaulichen, dass die globale Umweltkatastrophe begonnen hat. Diese klare Feststellung löse zum Teil erst mal Ängste aus. Es könne durchaus sein, dass dieses extrem nüchterne Sachbuch wie kein anderes zuvor heftigste Emotionen auslöst: „Man muss aber keine Angst haben, wenn man den Blick schärft, sondern eher, wenn man die Augen vor der Wirklichkeit verschließt.“ Das Buch sei in der Tat „eine Kampfansage an die chronische Verharmlosung der Situation“, wie sie etwa der Weltklimarat - trotz aller zutreffenden Einzelerkenntnisse - betreibt.
Selbst wenn die Einheit von Mensch und Natur augenblicklich zur gesellschaftlichen Leitlinie würde, hörten „die Zerstörungs- und Selbstzerstörungsprozesse nicht auf, die Grundlagen des menschlichen Lebens abzuschaffen. Denn sie wirken teils über lange Zeiträume, teils sind sie nach heutigem Kenntnisstand gänzlich irreversibel“, zitierte Monika Gärtner-Engel aus dem neuen Buch. Allerdings hätten sie bei ihrer Analyse auch festgestellt, dass der Eintritt in die globale Umweltkatastrophe noch nicht in voller Stärke erfolgte, nicht an der ganzen Breite der bisherigen Merkmale der globalen Umweltkrise und auch nicht gleichmäßig. Der Grad ihrer Ausreifung sei noch sehr unterschiedlich.
Weil das Buch auf der Grundlage der nüchternen Analyse auch treffende Schlussfolgerungen für die Strategie und Taktik zieht, stärke es zugleich den begründeten revolutionären Optimismus: „Wir sind der festen Überzeugung, dass Hunderte von Millionen gegen das imperialistische Weltsystem aufstehen und eine sozialistische Gesellschaft unter der Leitlinie der Einheit von Mensch und Natur erkämpfen werden.“
Klare Kante gegen Leugner der Weltklimakatastrophe
Stefan Engel stellte fest, dass keine Frage so umstritten sei wie die der begonnenen Weltklimakatastrophe. Faschisten und Kräfte wie die AfD leugnen sie schlicht. „Sicher verteidigen wir nicht die imperialistische ‚Klimaschutzpolitik’ und schon gar nicht die unsoziale Abwälzung sämtlicher Kosten auf die Massen“, führte er aus, „aber wir kritisieren diejenigen, die unkritisch der Demagogie der AfD folgen und jegliche wissenschaftlichen Erkenntnisse leugnen.“
Das Buch solle dagegen eine Hilfe sein, sich auf Grundlage der proletarischen Denkweise mit dem Thema zu befassen. Er ging auf mehrere der „inzwischen eingetretenen gewaltigen zerstörerischen und selbstzerstörerischen Prozesse“ ein, die in dem Buch analysiert werden. Irreversibel ist das Auftauen der Permafrostböden, die beschleunigte Eisschmelze an den Polen, die Ausdünnung und Zerstörung der Ozonschicht. Kurz vor dem qualitativen Sprung ist die Zerstörung der großen Regenwälder, das fortschreitende Versauern und die Erwärmung der Meere und dass irreversibel Meeresströmungen zum Erliegen kommen. „Wir werden Fluchtbewegungen erleben, wo ganze Völker flüchten müssen“, zum Beispiel aus den heutigen Küstenregionen.
Sozialismus Grundbedingung zur Rettung der Menschheit
Gabi Fechtner erklärte einleitend, dass die Existenz der Menschheit insgesamt endlich sei, die globale Umweltkatastrophe deren Lebensdauer aber durch Menschenhand willkürlich verkürze. Das grundlegende Anliegen der Marxisten-Leninisten sei immer schon die Abschaffung der Ausbeutung von Mensch und Natur. Die heutige Lage erfordere eine weitere Modifizierung und zusätzliche Erweiterung der Strategie der internationalen sozialistischen Revolution. Dazu heißt es in dem Buch: „Die Notwendigkeit der internationalen sozialistischen Revolution begründet sich also nicht mehr allein aus den Klasseninteressen der Arbeiterklasse, sondern auch aus dem Interesse der Menschheit, zu überleben und dazu die natürliche Umwelt zu erhalten.“
Wo unumkehrbare Prozesse eingetreten sind, müsse der Kampf zur Eindämmung der katastrophalen Entwicklungen und um einschneidende Schutzmaßnahmen entschlossen aufgenommen werden. Wo sich solche qualitativen Sprünge noch nicht vollzogen haben, gehe es um den Stopp oder die Umkehrung dieser Entwicklungen, soweit das noch möglich ist. Gabi Fechtner: „Identisch wird die Lösung beider Seiten dieser Strategie und Taktik im Umweltkampf in der Perspektive und im Kampf für die sozialistische Gesellschaft als einzige Rettung vor der drohenden Ausreifung der globalen Umweltkatastrophe.“
Die im Buch herausgeschälten neun Merkmale dieser Strategie und Taktik bedeuten „ein allseitiges Programm der Selbstveränderung der Arbeiter- und Umweltbewegung, der Frauen- und Jugendbewegung sowie der Revolutionärinnen und Revolutionäre der Welt“. Dazu brauche es auch eine Strategie und Taktik im Kampf um die Denkweise zur Herausbildung und Höherentwicklung des Umweltbewusstseins der Massen.
Das Buch kritisiere aber auch die „idealistische Vorstellung, die Menschen könnten im Sozialismus umgehend die Einheit von Mensch und Natur wiederherstellen“. Das unterschätze die inzwischen eingetretene Dimension des Problems. Allerdings sei der Sozialismus die einzig mögliche Grundbedingung einer Rettung der Menschheit.
„Werde heute noch anfangen zu lesen“
In der anschließenden Diskussion dankten viele Teilnehmer dem Redaktionskollektiv und den Hauptautoren des Buchs. Sie setzten sich teilweise mit eigenen Ängsten und Verunsicherungen auseinander. Die Veranstaltung hat darin bestärkt, sich mit der dramatischen Entwicklung bewusst auseinanderzusetzen und die notwendigen Schlüsse daraus zu ziehen. Diskutiert wurde unter anderem, dass der drastische Titel "Die globale Umweltkatastrophe hat begonnen!" für den Ergänzungsband jetzt genau richtig ist, um die neue Qualität der globalen Umweltkatastrophe zu klären. Die Gesamtausgabe aus "Katastrophenalarm!" und Ergänzungsband wird aber wieder den Untertitel: "Was tun gegen die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur?" bekommen.
Stefan Engel gab den Teilnehmern noch mit, dass die Umweltfrage aufs engste mit der Sozialismusfrage verbunden sei und man diese viel offensiver zum Thema machen müsse. Vor allem müsse geklärt werden, wie es zum Verrat am Sozialismus kommen konnte. Die antikommunistischen Vorbehalte könnten unter anderem deshalb wirken, weil die Leute das noch nicht verstehen und wir es ihnen zu wenig erklären (Siehe hierzu auch Redebeitrag von Stefan Engel bei einer Open-Air-Diskussion in Gelsenkirchen: Sozialismus ist das einzige System, das die Menschheit überleben lässt!). Es gelte auch, die Vorstellungen vom Sozialismus weiterzuentwickeln, insbesondere was es heißt, ihn auf der Grundlage der proletarischen Denkweise aufzubauen. So müssten die Massen dabei eine viel größere Rolle spielen.
Ein Arbeiter aus Velbert zog nach der Veranstaltung als Resümee: „Hier lernt man immer etwas dazu. Es gefällt mir, wie Stefan Engel polemisiert.“ Eine Auszubildende und ein Auszubildender aus Minden: „Ich bin sehr positiv überrascht. Ich fand es am Anfang tatsächlich sehr traurig, wie extrem die globale Umweltkatastrophe bereits wirkt. Ich bin jetzt sehr gespannt auf das Buch und werde wahrscheinlich heute noch anfangen, es zu lesen.“ „Es so konkret auf den Punkt zu bringen, in welcher Situation wir uns befinden, was das für die gesamte Menschheit bedeutet und wo es hingehen muss, so klar gibt es das sonst nirgendwo außer bei der MLPD.“ Ein Besucher aus Kassel zog den Schluss: „Wir brauchen eine breite Einheitsfront gegen den Kapitalismus. Das kam gut rüber.“ Einer sagte: "Das Team hat mir gut gefallen. Monika holte alle ab und führte ins Thema ein. Stefan machte den Ernst der Lage deutlich und Gabi die Hoffnung."
Während des Vortrags war es im vollbesetzten Saal mucksmäuschenstill. Anschließend die ernste und engagierte Diskussion. Und spürbar eine Stimmung von Nachdenklichkeit, Optimismus, großem Zusammenhalt und Stolz auf die MLPD!