Artikel in Haaretz
Amira Hass: Zionisten setzen weitere Besetzung der Westbank ununterbrochen fort
Die fortschrittliche israelische Schriftstellerin und Journalistin Amira Hass hat in der israelischen Zeitung "Haaretz" eine Analyse veröffentlicht über die fortgesetzte zionistische Siedlertätigkeit und Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland. "Rote Fahne News" hat den Artikel übersetzt und eine Zusammenfassung erstellt.
Während die Welt auf den Überfall der faschistischen Hamas und die Bombardierung des Gazastreifens durch Israel schaut, arbeiten zionistische Siedler und ihre Unterstützer an ihrem erklärten Ziel, die Westbank quasi zu annektieren. Zu ihrem Schutz waren auch starke Kräfte der israelischen Armee abgestellt, was das Durchbrechen der Grenze vom Gazastreifen aus durch die Hamas erleichterte. In die weitere Rechtsentwicklung Israels, gegen die die Israelis monatelang protestieren, ist auch der stetige weitere Siedlungsausbau im Westjordanland einzuordnen.
Zionistische Siedler werden offiziell von Polizei und Militär Israels unterstützt und inoffiziell von paramilitärischen Offizieren. Eskortiert durch rechtsgerichtete Freiwillige treiben sie ihre Angriffe auf palästinensische Hirten und Bauern auf die Spitze - mit dem Ziel, sie von Haus und Hof zu vertreiben. Wie brenzlig die Situation ist, zeigte sich einmal mehr am vergangenen Mittwoch. Drei Bewohnerinnen und Bewohner von Qusra südöstlich von Nablus wurden durch Schüsse getötet, acht schwer verletzt. Unter den Getöteten und Verletzten waren mehrere Teenager. Augenzeugen berichteten, die Schützen seien maskierte Siedler gewesen.
Eine palästinensische Whatsapp-Gruppe dokumentiert Siedlerangriffe in Echtzeit in der Nähe von Ramallah, sie berichtete auch über die Morde in Qusra. Diese Berichte gelangten in die israelischen Nachrichten. Sehr viele ähnliche Ereignisse passieren, ohne dass sie ans Licht kommen. Ebenfalls am Mittwoch schossen Siedler auf Bauern, die auf ihrem Land arbeiteten. Später wurde bekannt, dass die Siedler ein leer stehendes Haus, das einer palästinensischen Familie gehörte, komplett zerstörten. Andere drangen in ein Dorf ein, griffen junge Palästinenser an. Danach besetzte Militär das Gelände und schoss auf Häuser.
Siedler und Soldaten forderten eine Familie im Dorf Turmusayya auf, ihr Haus zu verlassen. Einer berichtete auf Whatsapp, dass sie sich weigerten. Am folgenden Tag blockierte die Armee das Haus nach allen Richtungen. Am Montag bewarfen Siedler nördlich von Jericho palästinensische Autos mit Steinen. Kaum noch Autos mit palästinensischen Kennzeichen sind auf den Straßen zu sehen. Die Möglichkeit, bedrohten Gemeinden zu Hilfe zu kommen, ist so eingeschränkt wie nie zuvor. Israelisches Militär hat viele der Ein- und Ausgänge palästinensischer Städte und Dörfer blockiert. Sie werden voneinander abgeschnitten.
Ein Vertreter einer internationalen Hilfsorganisation sagt gegenüber Haaretz: Das Reisen zwischen dem Norden und dem Süden der Westbank ist fast unmöglich. Die Straße zwischen Bethlehem und Hebron ist für Palästinenser kaum zu erreichen. Bewohner von Gaza, die in Israel arbeiteten, wurden gezwungen, ihre Arbeitsplätze zu verlassen. Ins bombardierte Gaza konnten sie nicht zurück. Sie wurden in palästinensische Städte gebracht, wo Bewohner sie beherbergen. Wer weiß, ob sie ihre Familien je wiedersehen.
Eine Anmerkung des Verfassers: Außenministerin Baerbock rief in Israel aus, in dieser Stunde sind wir alle Israelis. Fühlen Sie sich auch mit den zionistischen Siedlern eins, Frau Baerbock, die im Windschatten des brutalen Kriegs Jugendliche im Westjordanland erschießen und palästinensische Familien von ihrem Land vertreiben?