Lesegruppe in Münster

Lesegruppe in Münster

Kann man nur beurteilen, was man gesehen hat?

Wir trafen uns wieder in Münster zum Lesekreis des Buches "Die Krise der bürgerlichen Naturwissenschaft".

Korrespondenz

Zunächst klärten wir im ersten Teil den Unterschied zwischen der positivistischen und der materialistischen Auffassung der Quantentheorie. Die positivistische Auffassung der Quantentheorie besagt, dass man die Natur nicht verstehen, sondern nur berechnen kann. Im Gegensatz zur positivistischen Auffassung bedeutet die materialistische Auffassung, dass man die Natur nur erklären kann, indem man sie erforscht, indem man alles erforscht, was sie umgibt. Ebenso, dass man die Natur nicht vollständig erfassen kann, sondern immer nur einen Teil, weil die Natur unendlich ist.

 

Im zweiten Teil ging es dann um die Vorstellung der bürgerlichen Physik, dass es Materie und „Nicht-Materie“ gäbe und dass aus der „Nicht-Materie“ wieder Materie entstehen könne. Es gäbe nichts Greifbares, sondern nur Können. Der menschliche Geist könne die Wirklichkeit nur aus dem Erlebten selbst interpretieren, sich vorstellen. Ich erläuterte dies an einem Beispiel aus der Diskussion mit einem Kollegen im Betrieb, der fest davon überzeugt ist, dass die DDR von Anfang bis Ende wirklich sozialistisch war, weil er sie erlebt hat. Aber was genau Sozialismus ist, darauf konnte er keine Antwort geben. Er hat mir nur gesagt, dass ich als "Bürger der BRD" das nicht beurteilen kann, ob die DDR sozialistisch war oder nicht, weil ich die DDR nicht miterlebt habe. Das ist eine rein agnostizistische Sichtweise. Demnach kann man nichts erforschen, sondern man entscheidet selbst, ob etwas so oder so ist. Auf meine Argumente, dass ein Staat, in dem die Arbeiter nicht die Macht haben, nicht sozialistisch sein kann, weil der Sozialismus die Diktatur des Proletariats ist, ist mein Kollege überhaupt nicht eingegangen.  Aber man kann etwas nicht bestimmen, bevor man es nicht richtig untersucht hat, das ist der Materialismus.